Kreuzberg Blues

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- Bd. 10

- HC, 416 Seiten

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Denglers zehnter Fall führt ins Herz des gegenwärtigen Kampfs um das Recht auf Wohnen.

Georg Dengler fühlt sich in Stuttgart so wohl wie schon lange nicht mehr, und auch mit Olga läuft es besser denn je. Trotz der aufziehenden Corona-Pandemie lässt er sich von ihr überreden, in Berlin zu ermitteln. Der Immobilienhai Sebastian Kröger scheint seine Mieter mit kriminellen Methoden rauszuekeln. Doch Dengler muss erkennen, dass die Sache größer ist, viel größer. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: In einem Radius von wenigen hundert Metern vereinen sich in Kreuzberg Plattenbauten, schicke Townhouses, die türkische Community und der Schwarze Block. Ausgerechnet hier will der Bauunternehmer Kröger zwei Häuser »entmieten«, den danebenstehenden Kindergarten abreißen und ein neues Townhouse bauen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Die Mieter*innen wehren sich. Eine von ihnen bittet ihre Freundin Olga um Hilfe. Plötzlich stehen sie und Georg Dengler mitten im modernen Berliner Häuserkampf um das Recht auf Wohnen. Dann fällt ein Spekulant vom Dach eines der umkämpften Häuser – und die Lage eskaliert. In seinem zehnten Dengler-Krimi erweist sich Wolfgang Schorlau erneut als ein Meister des politischen Romans. Hochaktuell und spannend.

Kreuzberg Blues

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Letzte Kommentare:
19.12.2020 10:02:12
Heidrun

Das Buch ist mein erster Dengler. Obwohl es schon der 10. Band ist, hatte ich nicht das Gefühl, für das Verständnis die Vorgängerbände kennen zu müssen.
Diesmal geht es um die Immobilienbranche in Berlin. Ein Großvermieter versucht die Stammmieter zu vergraulen. Dabei setzt er kriminelle Methoden ein. Als Ratten ein Kleinkind anfallen, wird Dengler von den Mietern zu Hilfe gerufen.
Wolfgang Schorlau hat sehr umfangreich recherchiert. Nur hätte ich gern erfahren, was Wirklichkeit ist und was Fiktion, denn er hat einige gewagte Theorien. Das Buch setzt sich aus verschiedenen Handlungssträngen und Themen zusammen, deren Zusammenhänge erst im Laufe des Buches zu Tage treten. Dadurch lässt sich das Buch anfangs etwas mühsam lesen. Die Spannung steigert sich aber bis zum Ende des Buches. Nur das Einfügen von Corona und den entsprechenden Verschwörungstheorien fand ich to much.
Die Handlung ist sehr komplex. Das Buch ist nichts zum nebenbei Lesen.

02.12.2020 14:47:08
Margaux

Reinfall
Ein oberflächlich recherchierter und in holzschnittartigem Stil geschriebener Roman, der einem Vergleich mit den anderen Dengler-Krimis weder hinsichtlich Stil noch Recherchetiefe standhält. Laut Nachwort entstand zuerst ein Drehbuch des Regisseurs, danach wurde das Buch fertig geschrieben. Das merkt man! Das ganze Buch wirkt krawallig und effekthaschend. Der Gipfel ist die bösartig-gehässige Darstellung der Anthroposophie im letzten Kapitel, die ihrerseits auf einem oberflächlich recherchierten, abwertendem Zeitungsartikel beruht. Das ganze letzte Kapitel - das Corona-Kapitel - ist ein überflüssiges Anhängsel, das zum eigentlichen Thema des Romans nicht passt. Zum Thema Corona/Demos/Anthroposophie kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Aber auch davon abgesehen, fällt die Qualität dieses Buches weit ab.

17.11.2020 10:04:53
BR

Da ich alle Bücher der Reihe kenne war ich auch ohne ausführliche Vorstellung wieder sehr schnell vertraut mit Dengler und Olga. Mir macht es Spaß, wenn die beiden ermitteln. Diesmal sind sie in Berlin um kriminellen Machenschaften von Immobilienhaien auf die Schliche zu kommen. Meine erste Einschätzung dazu war sowas wie „das kann es doch nicht geben, oder?“ aber leider findet Schorlau immer wieder solche gesellschaftspolitischen Themen.

Die schnellen Szenewechsel fand ich abwechslungsreich und spannend und sie haben mich gut im Lesefluss gehalten. Mit dem ausführlichen Personenverzeichnis zu Beginn war es möglich, die vielen handelnden Personen zuzuordnen.

Das Einflechten der beginnenden Corona Pandemie wird ja von einigen Lesern kritisiert. Ich fand es jedoch stimmig, keinesfalls wie ein unnützes Anhängsel. Die ersten Nachrichten über einen Virus, kaum wahrgenommen und noch viel belächelt. Dann der erste Lockdown im März und die massiven Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben bis hin zu den sonderbaren Gegendemonstrationen aus einem Konglomerat aus Corona-Leugnern, Rechtsradikalen und Impfgegnern. Für mich hat das gut gepasst und ich fühlte mich durch diesen Krimi sehr gut unterhalten.

16.11.2020 17:34:49
Leselottchen

Temporeich und hochaktuell

Der 10. Fall mit dem Privatermittler Georg Dengler geht mir unter die Haut.
Olga, Denglers Partnerin, bekommt einen Anruf von ihrer Freundin Silke aus Berlin. Sie wohnt mit ihrer kleinen Tochter in Kreuzberg. Der Bauunternehmer Kröger möchte die Mieter in ihrem Plattenbau und in dem Gebäude nebenan loswerden, damit die Wohnungen luxussaniert werden können.
Nun wurden Ratten im Hausflur ausgesetzt und Silkes Tochter wird von einem dieser hochaggressiven Tiere schwer an der Hand verletzt. Wer steckt hinter dieser fürchterlichen Aktion?
Olga eilt Silke zur Hilfe und Dengler entscheidet spontan mitzugehen.
Was sie dort erwartet muss man gelesen haben.
Korrupte Politiker, Psychopathen, Immobilienhaie und zu allem Übel kommt noch das Corona Virus hinzu. Dengler und Olga versuchen alles, um Silke und den anderen Mietern beizustehen und die bösartigen Machenschaften aufzudecken. Gefahren lauern dabei von vielen Seiten.
Die Handlung spielt in Berlin, Leipzig und Stuttgart.
Zuerst dachte ich beim Lesen, dass die vielen angesprochenen Themen und die sich daraus ergebenden Handlungsstränge mich überfordern könnten, aber dem war absolut nicht so. Die kurzen, brisanten und recht knackigen Kapitel und die wechselnde Szenerie zogen mich in ihren Bann, sodass ich das Buch immer weiterlesen wollte.
Ein hochaktuelle, temporeiche und äußerst spannende Story, die mir sehr gut gefällt. Man erfährt soviel Informatives und Aufklärendes in vielerlei Hinsicht, dass man meinen könnte, dies würde der Spannung schaden, aber nein, genau diese Sätze würzen diesen Krimi gekonnt und machen die Handlung für mich so interessant.
Dengler und Olga kommen dabei überaus menschlich rüber und auch ihre Beziehung zueinander hat sich sehr gefestigt.
Das ist seit dem Ausbruch von Corona das erste Buch für mich, das dieses Thema beinhaltet. Aktueller geht es absolut nicht.
Der Cliffhanger am Ende lässt auf einen 11. Fall hoffen.
Der Titel und auch das Cover passen hervorragend zu dieser Buchreihe. Ich mag kurze, einprägsame Titel und interessante Cover mit wenigen Farben.
Ich möchte diesen Kriminalroman sehr gerne weiterempfehlen. Meine Bewertung liegt bei 85.

09.11.2020 16:56:20
SusanK

Olgas Freundin Silke Herzog soll entmietet werden, und so setzt ein Immobilienhai aggressive Ratten in seinen Häusern einer Plattenbausiedlung aus, um mit neuen Mietverträgen zukünftig höhere Einnahmen zu erhalten.. Dengler lässt sich überreden, sein Stuttgarter Umfeld zu verlassen und Ermittlungen in Berlin aufzunehmen, die ihn jedoch in einen weitUs größeren Sumpf ziehen als zunächst angenommen.

Wolfgang Schorlau legt mit “Kreuzberg Blues“ nun seinen bereits zehnten politischen Krimi um den außergewöhnlichein Privaterermittler Georg Dengler vor und fasst diesmal das hochaktuelle brisante Thema des „bezahlbaren Wohnens“ und die illegalen Machenschaften der großen Finanzunternehmen auf. Zweites Schwerpunktthema in diesem Band ist die aufkommende Corona-Krise, und in diesem Zusammenhang schreibt Schorlau auch von Impfgegnern, Verschwörungstheorien, Aluhutträgern, den absurden Argumenten der Demonstranten usw. sowie den Ungereimtheiten der Anthroposophie.

Mit vielen gut recherchierten Hintergrundinformationen gelingt es Schorlau wieder einmal, ein hochaktuelles Thema verständlich und umfassend aufzubereiten und dem Leser auf unterhaltsame Weise näherzubringen. Dazu kommt, dass dieses Buch für mich nun das erste ist, in dem die weltweite Corona-Krise thematisiert wird - schon seit geraumer Zeit habe ich mich gefragt, wann die momentane Wirklichkeit Einzug in die geschriebene Welt finden wird.

Allerdings muss ich kritisieren, dass Schorlau bei Randthemen nicht sorgfältig gearbeitet hat: Da ist zunächst einmal das Verhalten der Zuschauer in einer Fußball-VIP-Lounge zu nennen, in der die Gäste, trotz aller Absurdidät sonst, sicher KEINE AbendGarderobe tragen, und - für mich noch schwerwiegender -der gezogene Zusammenhang zwischen Impfgegnern und Borreliose - gegen Borreliose gibt es keine Impfung und somit ist diese Erkrankung den Impfgegern nun einmal nicht anzulasten und somit ein ganz schlechtes Beispiel!!!

„Kreuzberg Blues“ ist - wieder einmal - ein spannender Fall mit authentisch beschriebenen Figuren, den der sympathische Dengler in Zusammenarbeit mit seiner cleveren und unerschrockenen Freundin Olga in aufopfernder Weise zu einem befriedigenden Ende führt, das jedoch diesmal noch einen Cliffhanger beinhaltet!

Allerdings wäre für mich in diesem Buch weniger mehr gewesen, denn Schorlau verstrickt sich in vielen einzelnen Themen, von denen die Genforschung an Ratten zum Verstehen der Domestizerung, das skrupellose Vorgehen der Finanzoligarchen, die amerikanische Business-Mentalität, brutale Vergewaltigung unter Zuhilfenahme von k.o.Tropfen und Ähnliches zwar noch zum Fall gehören, die Machenschaften einer politisch rechten „Gruppe“ in Berlin zur Unterstützung von Bundesministerien, ein Entwurf einer Verfassungsänderung und extreme Einflussnahme auf die Politik von außen usw. allerdings ein wenig nebenher laufen und in meinen Augen den Lesefluss erschweren, ohne notwendig zu sein für das eigentliche Kernthema.

Diese beiden Kritikpunkte führen für mich leider zu einem Punktabzug in der Bewertung, auch wenn ich Denglers zehnten Fall wieder als hochklassig und absolut lesenswert weiterempfehlen möchte.

Ein umfassend geschildertes, hochaktuelles brisantes Thema wird nicht nur gut verständlich und unterhaltsam bis spannend dargeboten, erweitert den Horizont des Lesers und regt zum Nachdenken an. Bitte gerne noch viel mehr davon, Wolfgang Schorlau!

09.11.2020 10:22:26
Ilmo

Gewohnt spannend geht es los: Ratten greifen ein kleines Kind an, um eine Wohnung zu "entmieten". Dengler und Olga übernehmen die Ermittlungen und finden einen Sumpf vor, in dem es von Immobilienhaien und unlauteren Machenschaften nur so wimmelt. Schon in dieser Phase sind die Exkurse in die verschiedenen Handlungseben für mich ein zuviel des Guten, da wird es mir zeitweise zu unübersichtlich. Im weiteren Verlauf ist vieles dann wieder schlüssiger und entspricht dem, was man von Schorlau kennt: Nah am Zeitgeschehen, politisch und sozialkritisch. Doch der letzte Teil, in dem es hauptsächlich um die beginnende Corona Pandemie geht, ist für mich, dem Geist der Zeit geschuldet, einfach draufgesetzt, das hätte alles nicht sein müssen. Wie es dann wirklich endet, ist mir auch nicht so ganz klar geworden.
Dieser Schorlau entspricht in großen Teilen nicht meinem Geschmack.

07.11.2020 14:41:38
Miss Marple

Denglers 10.(etwas schwache) Runde
Privatermittler Georg Dengler wird mit seiner Freundin und Mitarbeiterin nach Berlin gerufen, wo Olga eine Freundin hat, deren Wohnhaus im Visier von Immobilienhaien geraten ist. Als Silkes kleine Tochter von ausgesetzten Ratten angegriffen und verletzt wird, vermutet Dengler eine Verbindung zum Bauunternehmer Kröger, der seine Häuser „entmieten“ will. Dieser streitet jedoch alles ab und engagiert Dengler im Gegenzug, damit er seine Unschuld beweist.
Der Autor widmet sich wie gewohnt aktuell politischen und gesellschaftlichen Problemen in seiner Reihe. Jedoch kann diesmal der Funken bei mir nicht so überspringen. Oft verliert er sich in Nebensächlichkeiten, spinnt zu viele Fäden, in denen sich nicht nur sein Held, sondern auch der Leser verwirrt. Außerdem fehlt es an Spannung. Dass dann auch noch der C...Virus Einzug in den Krimi hält, finde ich übertrieben.

05.11.2020 22:31:00
Lesepixie

Dieser Krimi hat mich von der ersten Seite an gepackt. Wenn ich anfangs auch die Befürchtung hatte, dass er etwas zu grausig für mich sein könnte, stellte sich das im Verlauf des Buches als nicht richtig raus. Ich fand es spannend, wie der Autor die Arbeit und Interessen von Immobilienfirmen erklärt. Seine Erklärung für Gemeinsamkeiten von Impfgegnern, Esoterikern und rechtsgerichteten Menschen fand ich interessant, auch wenn Teile davon natürlich frei erfunden sind.
Die Geschichte wäre für mich insgesamt stimmiger gewesen, wenn die zusätzlichen Verwicklungen mit der Organisation Fuhrmann, die sich mir insgesamt nicht ganz erschlossen, weggelassen worden wären. Außerdem finde ich, dass die Behandlung des Coronavirus dem Krimi außer ein paar zusätzlichen Seiten und einer zeitlichen Einordnung nichts bringt.
Leider hat sich mir gegen Ende des Buches, als das Kind einer Impfgegnerin in Deutschland wegen ihrer Haltung an Borreliose erkrankt (was ja nichts miteinander zu tun hat, da man sich in Europa bislang nur gegen FSME nicht aber gegen Borreliose impfen lassen kann), die Frage gestellt, inwieweit seine anderen Rechercheergebnisse den Tatsachen entsprechen.
Einige Male wurden beim Buchdruck leider Buchstaben vergessen, was sich gegen Ende des Buches unschön häuft und zu grammatikalischen Fehlern führt.

05.11.2020 14:33:25
Isa

Enttäuschend
Dieses Mal ermittelt Privatermittler Georg Dengler in Berlin. Gemeinsam mit Olga fährt er dorthin um Olgas Freundin Silke Herzog zu unterstützen; deren Tochter von einer Ratte im Schlaf angegriffen wurde. Silke wohnt in einem Plattenbau, aus dem die Mieter ausziehen sollen, damit dieser luxussaniert werden kann und zu einer deutlichen Mieterhöhung neu vermietet werden können. Um die bisherigen Mieter zum Auszug zu bewegen, lassen sich die Immobilienspekulanten einiges einfallen.
Schorlau zeigt auf, wie die unterschiedlichen Gruppen (die betroffenen Bewohner, die Immobilienhaie, die Politik und die Aktivisten) an der Immobilienspekulation beteiligt sind. Die verschiedenen Handlungsstränge werden überwiegend spannend zusammengeführt (allerdings gibt es einige Längen), dabei werden aktuelle Themen, wie z.B. Kapitalismus, Klimawandel nicht vergessen. Die Protagonisten werden bildhaft skizziert. Der Schreibstil liest sich flüssig.
Obwohl der Autor ein spannendes Thema wählte, welches gut recherchiert und in einer Form aus Krimi und Zeitgeschichte umgesetzt wurde, enttäuschte mich der zehnte Fall Denglers. Ebenso fand ich die Einbindung der Coronakrise etwas daneben, da sie für mich gar nicht zum problematischen Thema Immobilien passten und mir auch die belehrende Form nicht gefiel.

04.11.2020 17:29:37
miss.mesmerized

Eine Freundin von Denglers Partnerin Olga ruft aus Berlin um Hilfe. Immobilienhaie haben die Stadt fest im Griff und die Mieter der letzten bezahlbaren Wohnungen sollen nun auch noch vertrieben werden, um nach einer Sanierung mit Luxusapartments mehr Geld aus den Gebäuden zu holen. Silke kann sich das nicht leisten, doch jetzt geht sie mit den Nachbarn auf die Barrikaden, nachdem offenbar aggressive Ratten in ihrem Haus ausgesetzt und ihre kleine Tochter gebissen wurde, ist die rote Linie auch wahrlich überschritten. Dengler begibt sich undercover auf die Spuren der Kröger Immobilien AG, einem der großen Player, muss aber schnell erkennen, dass die Lage deutlich vielschichtiger ist, als zunächst angenommen.

Wolfgang Schorlaus Reihe um den ehemaligen BKA Ermittler Georg Dengler gehört schon seit vielen Jahren zu meinen Highlights im Krimigenre. Nicht nur sind die Fälle spannend und komplex, vor allem überzeugen sie durch ihre politische und gesellschaftliche Brisanz und Relevanz. Im zehnten Auftritt des Stuttgarter Privatermittlers steht der Berliner Wohnungsmarkt im Fokus der Handlung, wird jedoch zum Ende hin überrollt von der Pandemie, die global das Leben 2020 nachhaltig erschüttert hat und welche als kurzen Nebenkriegsschauplatz noch die Welt der Verschwörungstheoretiker streift.

Der zentrale Handlungsstrang um die „Entmietung“ – dass dieses Wort überhaupt existiert, war mir bis dato gar nicht bekannt – von Wohnblöcken wird recht zielgerichtet verfolgt. Das hinter der vordergründigen Neuvermietung zu höherem Preis stehende Geschäftsmodell wird nebenbei gut verständlich erläutert und sorgt so für ein glaubwürdiges Konstrukt der Handlung. Es sind vor allem kleine Nebenhandlungen, die die besondere Würze ausmachen. Beispielsweise die Figur Michael Bertram, CEO der „Deutsche Eigentum“, dessen rücksichtsloser, geradezu menschenverachtender Charakter interessant herausgearbeitet wird. Ein besonderes Highlight ist natürlich Rentner Arthur, der alles sieht, aber nicht über alles spricht, ebenso wie die beiden prollig-doofen Aktivisten Roman und Eddy.

Ein großes Fragezeichen bleibt hinter der „Organisation Fuhrmann“, was geschickt Teile des Romans ad absurdum führt, wird am Ende doch sehr deutlich Position gegen die Verschwörungstheoretiker im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bezogen. Ein reales Pendant gibt es – zumindest meines Wissens nach – nicht, was stutzig macht bei der Serie, die regelmäßig auf echte Ereignisse und Institutionen bzw. Personen zurückgreift. Ein geschickter Schachzug, um Zweifel zu säen oder ein perfides Spiel mit dem Leser, dem der Mythos einer Geheimorganisation untergeschoben wird, die aus dem Untergrund und doch vor aller Augen das große Schiff Deutschland lenkt?

Fazit: Erwartungen voll erfüllt. Spannend mit hohem Tempo, komplex und mehr als aktuell.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR ist der unterhaltsame und kurzweilige Rätselspaß auf Krimi-Couch.de.

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