Das dunkle Schweigen

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2005, Seiten: 333, Originalsprache
  • Frechen: Delta Music, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Engelbert von Nordhausen

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Peter Kümmel
Von hinten durch die Brust ins Auge

Buch-Rezension von Peter Kümmel Feb 2006

Richtig nette Leute hat der Herr Schorlau da in "Das dunkle Schweigen" eingebaut. Als Protagonisten den Privatdetektiv und Blues-Liebhaber Georg Dengler. Der ist zwar immer knapp bei Kasse, gibt aber gerne seine letzten Scheine, wenn der Staat einer alleinerziehenden jungen Mutter die karge Unterstützung streichen will. Auch um seine eigene Mutter, die alleine eine Pension im Schwarzwald unterhält, ist er sehr besorgt. Seine beiden Freunde sind ebenfalls sympathische Zeitgenossen: Martin Klein, der davon träumt, einen guten Kriminalroman zu schreiben, bislang reicht es aber nur zu Horoskopen für die Tageszeitung. Und Olga, als Kind in Rumänien angelernte Taschendiebin, die natürlich nur von den Reichen stiehlt.

Denglers neuer Auftrag ist schon etwas ungewöhnlich. Robert Sternberg, zusammen mit seiner Schwester Inhaber einer Firma für Befestigungstechnik, beauftragt ihn, in einer Erbschaftssache zu ermitteln. Sternberg war auf einen Vertrag aus dem Jahr 1947 gestossen, der die Schenkung eines Hotels von seinem verstorbenen Großvater an einen Kurt Roth zum Inhalt hat. Nun möchte er gerne wissen, wie es zu diesem ungewöhnlichen Vertrag gekommen ist und dessen Rechtmäßigkeit feststellen lassen. Eine Zusatzbedingung, die zu dem Vertrag gehört, ist unauffindbar.

Dengler beginnt seine Recherchen, doch überall stösst er auf Widerstand, Erschrecken und Schweigen. Kurt Roth, 1947 gerade mal fünfzehn Jahre alt, leitet das Hotel im fiktiven Ort Gündlingen bei Bruchsal noch immer zusammen mit seiner Tochter. Wenn Dengler auch sonst nichts rausbekommen hat: zumindest gibt es einen guten Spießbraten im Hotel, auch ein Grund, nicht locker zu lassen.

"Wie auch immer, für einen Kriminalroman gibt das nichts her. Da muss schon jemand umgebracht werden, sonst lohnt es sich nicht, zur Feder zu greifen."

Dieser Ansicht von Martin Klein kann ich mich so nicht anschließen. Das ist schließlich mal ein ganz interessanter Ansatz für einen Krimi, doch so gut der Plot auch angelegt ist, so schwach ist leider seine Abwicklung.

Zwei Handlungsstränge läßt Schorlau nebeneinander her laufen, die zeitlich 60 Jahre auseinander liegen. Zwischen den aktuellen Ermittlungen immer wieder Einschübe aus dem Kriegsjahr 1945: Ein amerikanischer Bomberpilot wurde in den letzten Kriegstagen über Bruchsal abgeschossen. Zwei Kinder haben ihn beobachtet, deshalb wird er von den Deutschen gejagt und er versucht, sich zu seinen Kameraden durchzuschlagen.

Daß es da einen Zusammenhang mit Denglers Auftrag gibt, ist auch dem Krimianfänger klar. Doch was dann kommt, das geht so richtig von hinten durch die Brust ins Auge, dass es schon weh tut: Sternberg zieht seinen Auftrag zurück, da er sich wohl in Roths Tochter verguckt hat und den Leuten nicht ihre Existenz nehmen möchte. Olga erfüllt mit ihrem geklauten Geld Dengler einen Traum und finanziert ihm eine Reise nach Chicago, wo dieser sein Blues-Idol Junior Wells live erleben möchte. In Chicago gibts dann nicht nur ein persönliches Treffen mit seinem Idol und viel Jim Beam, sondern auch einen neuen Auftrag, der ihn wohin führt? Welch Überraschung: nach Gündlingen in die Zeit der letzten Kriegstage.

Die Figuren sind dem Standardrepertoire eines Schriftstellers entnommen. Das Geschwisterpaar in der Firmenleitung: er etwas weltfremd, sie knallharte Geschäftsfrau; die schweigsamen alten Dorfbewohner; das "Wiesel": der kriecherische Detektiv, der gegen die "Kleinen" zeigt, was er kann; und bereits geschildert: die Gutmenschen als unsere Protagonisten.

Denglers Ermittlungen treten über weite Teile der Handlung auf der Stelle, bis Dengler schließlich praktisch in die Lösung hineingestoßen wird. Die Nebenhandlungen wie die Milliardärsparty und die Begleitung des Wiesels sind relativ überflüssig und für die Handlung nicht relevant.

"Das dunkle Schweigen" wurde mit dem 3. Platz des Deutschen-Krimipreises 2006 ausgezeichnet. Zeigt dies eine Tendenz, wo der Deutsche Krimi steht oder sollte man diese Preise nicht allzu ernst nehmen? Es ist sicher lobenswert, einen bisher eher nebensächlichen Teil deutscher Geschichte zum Thema eines Kriminalromans zu nehmen. Wenn dieser aber derart plump abgearbeitet wird, dann hat man das schnell wieder vergessen oder eher verdrängt.

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Letzte Kommentare:
06.05.2018 17:10:57
chargesheimer

Ich habe schon viel über Schorlau gehört bzw. gelesen und mir vorgenommen, demnächst alle Bücher möglichst chronologisch zu lesen. "Das dunkle Schweigen" ist somit mein zweites Buch aus der Reihe.
Zunächst zu den hier schon vorhandenen Rezensionen dieses Buches.
Den Kommentar von Herrn Kümmel kann ich nicht nachvollziehen. Man muß Schorlau nicht unbedingt mögen und den Nobelpreis für Literatur bekommt er sicher auch nie. Aber "von hinten durch die Brust durchs Auge" ist besonders bei diesem Buch nicht mehr als eine über das Buch nichtssagende Phrase. Mir scheint Herr Kümmel - ebenso wie der eine oder andere Rezensent - hält die nicht immer besonders subtile Sozialkritik von Schorlau gut aus. Ich kann darin z.B. nichts "klischeehaftes" entdecken. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Passagen bei Schorlau bei dem einen oder anderen Leser an ach so heilen Weltbild rütteln, was dann vielleicht persönlich verunsichert.
Auch die immer wieder bei Krimis auftauchende Kritik wie z.B. "unrealistisch" oder "an den Haaren herbeigezogen" finde ich in den meisten Fällen absolut unverständlich. Der Alltag jedes Kriminalbeamten sind zu 99% anders aus als in jedem Roman und Privatdedektive leben ebenfalls fast immer ein ziemlich langweiliges Leben. Action oder spannende Situationen sind da auch eher selten. Wer sich über mangelnde realität bei Schorlau aufregt, versteht das Genre nicht! Es soll unterhalten, das auf möglichst spannende Art und Weise, mehr nicht!Im Gegensatz zu seinem ersten Roman ist es Schorlau gelungen, seine Geschichte deutlich flüssiger und spannender zu erzählen. Das er dabei eine Prise Gesellschaftskritik und einem Hinweis auf Kriegsverbrechen mit unterbringt, kann man ihm ja nicht vorwerfen. Zumal es ihm erzähltechnisch auch ziemlich gut gelungen ist, weil er den Spannungsbogen bis zum Schluß aufrecht erhalten kann. Dass er sich dabei die Freiheit nimmt den eigentlich zum Zeitpunkt schon gestorbenen Junior Wells noch leben läßt und sogar ein Konzert in Stuttgart geben läßt, sei ihm verziehen. Es passt einfach sehr gut in seinen Plot rein.
Das Tempo der Erzählung wird sehr gut durchgehalten, ebenfalls deutlich besser als im Erstlingswerk.
Was mich auch beeindruckt hat, wie er die Hilflosigkeit, den Hass und die mensmenschliche Brutalität aufgehetzter "besorgter Bürger" im Alltag während der Nazizeit schildert. Das habe ich so noch nie so sensibel gelesen. Dafür verdient er ein Lob!
Ich habe das Buch sehr gerne und mit deutlich mehr Genuss gelesen als die erste Geschichte. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Was bei mir immer noch durch das Buch nachwirkt, ist die Vorstellung, dass während der Nazizeit es sehr schwer wahr, moralisch und charakterlich "sauber" und psychisch gesund zu bleiben. Beim lesen dieses Buches wurde ich mal wieder daran erinnert, wie froh ich sein kann, diese schreckliche Zeit nicht erlebt zu haben.

10.11.2014 21:28:07
Jossele

Schorlaus zweiter Krimi gefällt mir persönlich besser, als der erste, auch wenn er nicht so spektakulär daherkommt. Diesmal ermittelt Dengler hintereinander in zwei Fällen, die jedoch eng zusammenhängen, wie sich herausstellt. Das ist schon sehr früh zu ahnen, denn sonst würden die beiden Erzählstränge gar keinen Sinn machen. Was mit gut gefällt, ist die Vermischung zwischen Fiktion und Historie, die das Gefühl zurücklässt: ja, so könnte es tatsächlich gewesen sein. Eine besondere Erwähnung hat der durchgängig logische Ablauf der Geschichte verdient, denn aus meiner Sicht wird die Logik in vielen Krimis zugunsten der Dramaturgie vernachlässigt. Wobei ich ausdrücklich nicht Zufälle bei der Ermittlung meine, die es auch hier ordentlich gibt, sondern Logikfehler innerhalb der Geschichte. Sehr gut gelungen und daher 85° von mir.

17.02.2014 09:21:24
Peter Faesi

Der klassische Krimi war klar strukturiert: Von der Frage "who has done it?" ging's zu der Antwort "he or she has done it"; für Privates und für Sex war kein Platz. Neuere Krimis dagegen sind "angereichert" mit kollabierenden Müttern, übergewichtigen Hunden, Spiessbraten-Rezepten, langfingrigen Rumäninnen und ausgewalzten Chicago-Reisen. Unnötig viel Beilage und wenig Fleisch am Knochen. Der genervte und gelangweilte Leser fragt sich "was soll's?" und schwört sich "nie wieder Schorlau".

05.01.2014 08:09:03
xux

Die Handlung ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen, konstriuert und nochmals konsttruiert. Die 'gute Absicht' ist unverkennbar - nur macht das noch keinen guten Roman - auch keinen Kriminalroman - aus. Fazit: lieber Junior Wells, diesen wunderbaren Blueser, der viel zu früh gestorben ist, hören und diesen Roman nicht lesen.

09.10.2012 15:29:58
vifu

Uff, nun hab ich auf einen "Rutsch" diesen 2ten Dengler-Fall durchgelesen. Auch wenn manche Entwicklungen der Begleithandlung(Dengler´s Privatleben) eher absehbar waren, ist der Haupthandlungsstrang sehr düster und packend. Die Vergangenheitsbewältigung im dörflichen Umfeld ist schon treffend beschrieben.
Wunderschön sind immer wieder die hübschen Musik oder Kinozitate! Mit 90 Punkten unbedingt lesenswert!

12.02.2012 16:34:37
betti

Auf der Suche nach einer Handlung, die mich nicht nach wenigen Seiten langweilt und vorhersagbar wird, stieß ich auf Wolfgang Schorlau. Weil ich Denglers Fälle nicht der Reihenfolge nach gelesen habe, ist der zweite für mich schon der dritte Fall - und ich bin mit Freude dabei.Der Krieg, die Judenverfolgung und die ganzen Grauen dieser Tage sind nicht mein bevorzugtes Thema, im Gegenteil, trotzdem ist das Buch spannend.Ich werde es meinen Freundinnen empfehlen.

25.04.2011 04:29:12
Bazong

Genau das richtige wenn man mal etwas sucht was dazu geeignet ist um ein verregnetes Wochenende doch noch zu Retten.

Ich habe den Krimi als Hörbuch genossen. Das Hörbuch war natürlich nichts besonderes. Genau so wie alle Hörbücher die mit dem Label „Das Besondere Hörbuch“ erscheinen auch nichts besonderes sind.

Wer den ersten Fall des Privatdetektivs Georg Dengler „Die blaue Liste“ gelesen hat wird sich wundern warum Dengler überhaupt noch frei herum läuft. Nach dem was er in seinem letzten Roman alles verbrochen hat.
Diesmal trägt der Autor nicht mehr so dick auf wie bei Denglers ersten Fall. Ganz bescheiden widmet sich Dengler diesmal nur einem Thema. Der Zufall wird von WS unglaubwürdig stark strapaziert. Aber egal ... Trotzdem hat mir das Hörbuch gut gefallen. Das Hörbuch wird Stellen weise von gedämpfter Barmusik untermalt. Gerade das ist es was mir gut gefallen hat.
Der Krimi ist ganz sicher ohne jeden Anspruch, aber Stimmungsvoll.

16.03.2010 11:25:20
Sebastian Haffke

Ich mochte auch dieses Buch, es ist halt ein anderer Krimi. Die Kritik ist für mich nicht nachvollziehen, auch hier leiget eine historische Geschichte zugrunde die ich selbst sehr spannend finde. Dem Autor scheinen diese Erzählstränge besonders wichtig zu sein und er recherchiert auch dabei immer in wahren Begebenheiten. Klar das bringt Reibungsverluste, doch die sind für mich völlig akzeptabel.

30.01.2007 01:17:41
Kjell S.

Ich schließe mich an. Wer bewertet diese Bücher? Ich finde auch diesen Roman sehr schlecht konzipiert, schlecht geschrieben, die Figur des Detektivs hat etwas Peinliches. Ich möchte diesem Mann nicht zusehen. Es war ein Fehler, ihm eine zweite Chance zu geben.

22.01.2007 11:22:33
Simon

Ein Privatermittler, der außer, dass er weitgehenst durch Stuttgarts Kneipenlandschaft stolpert, eigentlich keinen Plan hat, ein Plot, der an das alte Cowboy und Indianerspiel erinnert. Ein nicht vorhandener Spannungsbogen und obendrein dafür noch der Deutsche Krimipreis.

Ist die deutsche Krimilandschaft doch so schlecht, dass dieser Roman es auf Platz 3 schafft?