Piranhas im Paradies

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Planeta, 2002, Titel: 'Serpientes en el paraíso', Seiten: 341, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2004, Seiten: 343, Übersetzt: Sybille Martin
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2006, Seiten: 345
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2008, Seiten: 345

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Sabine Reiß
Das Lesevergnügen ist ganz meinerseits

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jan 2004

In der vor den Toren Barcelonas liegenden Wohnsiedlung El Paradís wird die Leiche von Juan Luis Espinet, einem jungen und erfolgreichen Anwalt im Pool gefunden. Er hatte den Abend zusammen mit seiner Frau und zwei befreundeten Pärchen aus der Nachbarschaft verbracht, als er das Haus verließ, um etwas aus dem Auto zu holen, aber er kam nicht mehr zurück.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Das Polizeirevier, in dem Inspectora Petra Delicado und ihr Kollege Subinspector Fermín Garzón tätig sind, ist zwar schwer mit den Vorbereitungen für den anstehenden Papstbesuch beschäftigt, aber die beiden knien sich in die Ermittlungen in diesem Todesfall. Es ist klar, dass die beiden die Leichen im Keller der Neureichen suchen. Woher stammt der fast verheilte Kratzer auf dem Rücken des Opfers? Seiner engelsgleichen, aber naiven jungen Frau wird eine solche Leidenschaft auf jeden Fall nicht zugetraut.

Die Inspectora fühlt sich magisch angezogen von dieser Wohnsiedlung, in der sie den Schlüssel zum Tod des Anwalts vermutet, doch zunächst scheint niemand außer dem philippinischen Kindermädchen etwas gesehen oder gehört zu haben. Das nächtliche Plappern einer an Alzheimer erkrankten alten Nachbarin bietet jedoch nichts Substanzielles, was die Ermittlungen voranbringen könnte. Dann verschwindet dieses Kindermädchen...

Das Lesevergnügen ist ganz meinerseits

Nachdem der Vorgängerroman Tote aus Papier schon für kurzweilige und auch spannende Unterhaltung gesorgt hat, war ich recht gespannt, wie es mit den beiden sympathischen Hauptfiguren weitergeht. Die ausgefeilte Zeichnung der Personen war zwar schon im ersten Band der Serie (Gefährliche Riten) zu erkennen, doch dort war der Kriminalfall so seicht, so dass man hier keine Empfehlung aussprechen konnte. Bei "Piranhas im Paradies" stimmt beides, man wird spannend unterhalten und kann sich gleichzeitig über die Begebenheiten und die kleinen Wortgefechte der beiden so unterschiedlichen Kollegen amüsieren. Nicht dass das Geplänkel im Vordergrund stehen würde, aber es erzeugt ein stimmiges Gesamtbild. Auf der anderen Seite sind die Personen und der Humor nicht zu skurril, als dass es ins Unrealistische abdriften würde.

Die Stärke von Alicia Giménez-Bartlett liegt eindeutig in der Beschreibung von Situationen und der Entwicklung ihrer Charaktere, wobei sich dies keinesfalls auf die Protagonisten beschränkt. Die Autorin wirft zudem einen gezielten Blick hinter die Fassade der neureichen Gesellschaft und kokettiert zudem mit der Ungläubigkeit ihrer Inspectora, die sich angesichts des Besuchs des "pontifikalen Superstars" mehr als einmal den Mund verbrennt.

Wer Donna Leon s Brunetti oder Andrea Camilleris Montalbano mag, der sollte seinen Blick ins westlichere Europa lenken, denn die beiden Ermittler mit ihren Ecken und Kanten sind hierzulande noch viel zu unbekannt.

Piranhas im Paradies

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