Bretonische Versuchungen
- Kiepenheuer & Witsch
- Erschienen: Juni 2025
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Zu tief im Sachthema, zu oberflächlich im Fall.
Georges Dupin, Kommissar mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden und einer Schwäche für petits cafés und gutem Essen, wurde vor vierzehn Jahren von Paris in den bretonischen Küstenort Concarneau strafversetzt. Mit «Bretonische Versuchungen» lässt Jean-Luc Bannalec den Kommissar seinen vierzehnten Fall lösen. Wie in den voran gehenden Büchern widmet sich Bannalec einem bestimmten Sachthema. Im aktuellen Fall spielt deshalb die Herstellung von Schokolade eine wichtige Rolle.
Alles Schokolade
Dupin lebt nun schon lange genug am Meer, um sich endlich seiner Angst vor tiefen Gewässer zu stellen. Gerade unternimmt er gemeinsam mit seinem Coach eine erste Fahrt mit einem Boot im Hafenbecken, als er zu einem Fall gerufen wird. In einem Bottich voller Schokolade ist eine Frau ertrunken. Wie sich herausstellt, ist es Adeline Mazago, Mitinhaberin einer berühmten baskischen Schokoladenmanufaktur. Adeline wurde brutal ermordet.
Für Dupin wird es eine mühselige Ermittlung, da auf den ersten Blick kein Tatmotiv zu finden ist. Unter den Geschwistern Mazago, die den Familienbetrieb gemeinsam führen, scheint es keine Unstimmigkeiten zu geben.
«Wenn jemand derart kategorisch die Harmonie beschwor, war etwas faul. Zudem: Es gab keine tiefen menschlichen Beziehungen ohne Ambivalenz und Differenz.»
Dupin versucht mit allen Mitteln, ein mögliches Tatmotiv zu finden. Unterstützt wird er von seiner Bürochefin und wandelndem Bretagne-Lexikon Nolwenn. Der Kommissar hatte ihr im letzten Fall versprochen, dass sie bei den nächsten Ermittlungen hautnah dabei sein darf. Gemeinsam erfahren sie viel über die Herstellung von Schokolade. Für die Aufklärung des Falls rasen sie in der Nacht ins Baskenland, werden auf eine falsche Spur geführt und lösen diesen Fall wie stets auf ungewöhnliche Weise.
Wissenschaftliche Exkurse statt Spannung
Wer die Bretagne-Krimis von Jean-Luc Bannalec kennt, findet auch in diesem Buch wieder die wunderbaren Beschreibungen der französischen Atlantikküste und ihrer Orte. Bannalecs Bücher sind immer auch Reiseführer und gastronomische Exkursion. Das macht sie aus, darin liegt ihr besonderes Flair.
Allerdings reizt der Autor das Thema Schokolade in diesem Fall bis auf die chemischen Formeln aus. Es finden sich ganze wissenschaftliche Abhandlungen. So etwa über Herkunft, Verarbeitung der Kakaobohne und die Veredelung von Schokolade. Das ist nicht nur für die Protagonisten schwer zu lesen und zu verstehen. Auch für die Lesenden wird es zu einer Herausforderung. Der eigentliche Fall und die Ermittlungsarbeit geraten dabei oft in den Hintergrund. Die Folge davon: Die Handlung verliert an Schwung.
Fazit
Die Romane der Kommissar Dupin-Reihe sind unterhaltsam, angenehm und für Liebhaber der Bretagne haben sie Kultstatus. Dieses Mal verliert sich der Autor jedoch in wissenschaftlichen Ausführungen und vernachlässigt dabei die eigentliche Stärke der Reihe: spannende Ermittlungen. Das ist schade, denn die ersten Bände waren wirklich spannend, amüsant und abwechslungsreich

Jean-Luc Bannalec, Kiepenheuer & Witsch








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