In ewiger Freundschaft

  • Ullstein
  • Erschienen: November 2021

- Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10

- Hardcover

- 528 Seiten

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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension vonDez 2021

Bewährt gute Krimikost aus dem Taunus

Die Ermittlungen führen das Team der Regionalen Kriminalinspektion Hofheim um die Hauptkommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein diesmal zum renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid. Dort arbeitet die Programmleiterin Heike Wersch, die seit einigen Tagen vermisst wird. Ihr wurde nach über dreißig Jahren gekündigt, woraufhin sie aus Rache den Bestseller-Autor Severin Velten, für den sie als Lektorin gearbeitet hatte, wegen Plagiats öffentlich bloßstellte – ein Skandal und vielleicht sogar ein Mordmotiv? Im Haus der Programmleiterin findet die Polizei nicht nur zahlreiche Blutspuren, sondern auch Werschs dementen Vater: verwirrt, dehydriert und angekettet.

Familientragödie

Als kurz darauf die Leiche der Frau in einem nahegelegenen Wald gefunden wird, haben Sander und von Bodenstein noch keine heiße Spur. Allmählich gerät allerdings der neue Programmleiter des Literaturverlags, Alexander Roth, in den Fokus der Ermittlungen. Roth war mit dem Opfer seit Jugendzeiten befreundet, profitierte aber vom Rauswurf Werschs. Zuletzt kam es sogar zu einem heftigen Streit zwischen beiden. Hatte die Programmleiterin auch gegen Roth etwas in der Hand, für das dieser zum Mörder wurde? Bevor die Polizei diese Frage beantworten kann, geschieht ein weiterer Mord. Bei ihren Ermittlungen muss sich das Team vom K11 fortan nicht nur mit den Mitarbeitern des Verlagshauses auseinandersetzen. Die Ermittler stoßen auch auf ein gut gehütetes Familiengeheimnis, das beide Opfer kannten und für das sie sterben mussten. Wer weiß noch von diesem Geheimnis und schwebt deswegen in großer Gefahr?

Erfolgsautorin aus Hessen

Die gebürtige Münsteranerin Nele Neuhaus lebt seit ihrer Kindheit im Taunus. Mit ihrem 2010 erschienener Kriminalroman „Schneewittchen muss sterben“, dem vierten Band der Bodenstein-Kirchhoff-Krimireihe, schaffte Neuhaus endgültig den großen Durchbruch. Bis heute ist sie eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen Deutschlands. Auch international ist man längst auf Neuhaus aufmerksam geworden. Ihre Romane erscheinen mittlerweile in über 20 Ländern. Sämtliche Bände um das Ermittlerteam vom K11 wurden bereits für das ZDF verfilmt, zuletzt der Vorgängerband „Muttertag“ (Sendetermin noch offen), bei dem Neuhaus nun auch stärker bei der Drehbuchentwicklung eingebunden wurde. Mit „In ewiger Freundschaft“ erscheint nun der zehnte Teil der Reihe.

Außerdem schreibt die passionierte Reiterin Pferde-Jugendbücher und Unterhaltungsliteratur (u.a. die Sheridan-Grant-Serie). Vor allem aber ist sie Gründerin der Nele-Neuhaus-Stiftung, die sich für die Förderung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz bei Kindern und Jugendlichen einsetzt. Ein Großteil ihrer Einnahmen aus den Buchverkäufen fließt in diese Stiftung.

Altbekanntes und Neues

Auch wenn der zehnte Band der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe vielleicht nicht der beste Roman der Serie ist, unterstreicht er, warum Nele Neuhaus zurecht eine der meistgelesenen Krimiautorinnen hierzulande ist. Der Roman weist - wie von der Autorin gewohnt - einen guten, wendungsreichen Plot und eine genaue Figurendarstellung auf. Erneut stehen die dem Leser bekannten Figuren, allen voran das Ermittlerteam Sander und von Bodenstein, im Mittelpunkt.

Aber diesmal ist auch einiges anders. Zunächst spielt ein Großteil der Handlung in Frankfurt. Dadurch verlagert sich der Fokus auch etwas weg vom gewohnt eher ländlichen Tatort des Vordertaunus hin in die Großstadt. Hier taucht der Leser ein in die Welt der Literatur. Ein Bereich, in dem sich Nele Neuhaus naturgemäß bestens auskennt. „Durch diese Konstellationen - Verlag, Leser, Buchhändler, Lektoren, Autoren - gibt es derart viele Facetten an Menschlichem, dass das für eine Autorin ein gefundenes Fressen ist. Es gibt so viele verschiedene Charaktere und gerade bei den Autoren manchmal ziemlich große Egos, die äußerst interessant sind“, verriet Neuhaus zuletzt in einem Interview mit der Hessenschau.

Ein Blick in die Welt der Literatur

Äußerst humorvoll nimmt Neuhaus dabei die Literaturwelt aufs Korn. Sicherlich erkennt man bekannte Persönlichkeiten des Krimi-Genre, wie den Journalisten und Bestsellerautor Takis Würger (u.a. „Der Club“), wieder. Aber auch bei fiktiven Autorennamen ist der gewollte Bezug offensichtlich, z.B. bei Torsten Busse, der schwarzhumorige Krimis schreibt, die gleichzeitig eine Art Achtsamkeits-Ratgeber sind. Bei der Figur Heike Wersch hat man aufgrund ihrer Lockenmähne und vor allem der tiefen Raucherstimme schnell Staatsanwältin Wilhelmine Klemm aus dem Münster-Tatort vor Augen. Die Programmleiterin schmeißt in einer Talkshow der medienwirksamen Unart Denis Schecks folgend Bücher in die Mülltonne, u.a. vom dummen und talentfreien Krimiautor Sven Klizeck.

Aber auch Pia Sanders Ex-Mann, der Leiter der Frankfurter Rechtsmedizin Henning Kirchhoff, schreibt nun selber Krimis, in denen er sich und Pia als Protagonisten auftreten lässt. Nachdem der erste Band „Eine ungeliebte Frau“ ein großer Erfolg war, erscheint nur der zweite Roman „Mordsfreunde“ - beides Titel der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe.

Die Spur führt in die Vergangenheit

Aber selbstverständlich bietet Nele Neuhaus auch wieder einen spannenden, hintergründigen Kriminalroman, der zu überzeugen weiß. Wie gewohnt braucht es seine Zeit, bis man sich beim erneut großen Figurentableau Übersicht verschafft hat. Sicherlich stehen die Kriminalromane der Autorin nicht für einen rasanten, actionreichen Plot - aber das müssen sie auch gar nicht. Dafür wissen die Fälle des Ermittlerteams aus dem Taunus durch eine gute, nachvollziehbare Polizeiarbeit und eine kluge Geschichte zu überzeugen. Steht diesmal anfänglich das Privatleben Oliver von Bodensteins noch im Mittelpunkt, nimmt die Handlung zunehmend - ausgelöst durch einen zunächst undurchschaubar scheinenden Vermisstenfall - an Dramatik zu. Die Spur führt letztendlich zu den Ereignissen des Sommers 1983 auf der île de Noirmutier und zu einer Clique von Freunden, die mehr zu verbergen haben, als sie zugeben wollen.

Fazit:

Nele Neuhaus schafft es auch mit dem zehnten Band ihrer Bodenstein-Kirchhoff-Reihe den Leser zu fesseln. Unaufgeregt, aber jederzeit spannend. Langweilig wird es bei Neuhaus nie. Zurecht ist sie eine der besten Krimiautorinnen Deutschlands. „In ewiger Freundschaft“ liefert aktuell den erneuten Beweis dafür.

In ewiger Freundschaft

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