Die verstummte Frau

Erschienen: Juli 2020

Bibliographische Angaben

- OT: The Silent Wife

- aus dem Englischen von Fred Kinzel

- HC, 672 Seiten

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Sabine Bongenberg
Es menschelt zu sehr

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Sep 2020

Als die Studentin Rebecca Caterino brutal vergewaltigt und zum Sterben im Wald liegen gelassen wird, rattert der Ermittlungszug der Polizei auf vollen Touren. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden: Daryl Nesbitt ist bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und sieht ohnehin einer Klage wegen Päderastie entgegen. Prompt verschwindet er auch bald hinter schwedischen Gardinen, und das könnte das Ende der Geschichte sein - wenn Nesbitt nicht nach einem blutig verlaufenen Gefängnisaufstand wieder ins Spiel käme. Er bietet den ermittelnden Beamten des GBI (Georgia Bureau of Investigation) an, die Wege zu offenbaren, wie Handys und Drogen in das Gefängnis kommen. Im Gegenzug fordert er, dass die damaligen Untersuchungen zu dem Verbrechen an Rebecca Caterino noch einmal aufgerollt werden; denn – so beharrt er – er sei es nicht gewesen. Damit aber ist der Täter möglicherweise doch auf freiem Fuß und vielleicht sogar immer noch aktiv…

Beziehungskisten statt Ermittlungen

Karin Slaughter lässt es in ihrem achten Band um die Ermittler aus Georgia von Anfang an stark menscheln: Seit längerem pflegen die Rechtsmedizinerin Sarah Linton und der Ermittler Will Trent eine Beziehung, die sich nicht auf Dienstliches niederschlägt. Nur – diese ähnelt mittlerweile einem arg gerupften Vögelchen. Die Gründe sind vielfältig, ein jeder wirft dem anderen diverse Unterlassungen, nicht erloschene Gefühle gegenüber dem Expartner, Sturheit, Lieblosigkeit und die ganze Bandbreite des emotionalen Hickhacks vor. Damit wären wir dann allerdings auch  schon beim Hauptthema, das sich bei diesem Krimi immer in den Vordergrund schiebt: die menschlichen Verwicklungen zwischen den Hauptakteuren, die hier auch in epischer Breite bedient werden. Ehrlich gesagt fragte ich mich manchmal, wie im Staate Georgia überhaupt noch seriöse Ermittlungen möglich sind, wenn sich doch offensichtlich die Vertreter der Staatsmacht bevorzugt mit ihren privaten Problemen beschäftigen.

Der eigentlichen Mordfall bzw. die Mordfälle, die untersucht werden, nehmen damit über einen weiten Teil der Strecke nur eine nachrangige Rolle ein. Abschnittsweise wechseln die Ermittlungen in die Vergangenheit, wo der damalige Polizeichef Jeff Tolliver – mit einem weitgehend unfähigen Stab - das an der Studentin verübte Verbrechen untersuchte, und der Gegenwart, wo Will Trent die Ermittlungen neu aufrollt. Unglücklicherweise war Tolliver seinerzeit auch mit Sarah Linton verheiratet und noch unglücklicherweise war auch diese Beziehung von Krisen geprägt, sodass der Leser auch in den Schilderungen der Vergangenheit keine Rettung aus den ganzen Beziehungskrisen findet. Widmet sich die Geschichte dann doch irgendwann einmal dem Kriminalfall, dann beschreibt Karin Slaughter genau und detailliert. Aber meist ist das nur von kurzer Dauer, und schon kann sich der Leser wieder dem einen oder anderen Beziehungsdrama zuwenden - bis die Handlung im letzten Viertel endlich eine rasante Fahrt aufnimmt.

Wer bis hier durchgehalten hat, wird dann endlich durch den spannenden Krimi belohnt, als der dieser Roman beworben wurde. Slaughter zeigt, dass sie eine Geschichte sauber und logisch aufbauen und mit allen Punkten durchdacht zum überraschenden und spannenden Ende führen kann. Leider kam das für meinen Geschmack sehr spät und hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin ihre Akteure wesentlich eher aus ihrer eigenen problembehafteten Welt weg- und zu der eigentlichen Polizeiarbeit hingeführt hätte. Dennoch wird die Leserschaft in unterschiedliche Lager gespalten sein: Wer bereits seit langem die Geschichte um Sarah Linton und Will Trent verfolgt, der freut sich darüber, hier möglichst viel Persönliches zu erfahren und ein „Wiedersehen“ mit dem verstorbenen Jeff Tolliver feiern zu können. Wer dagegen in erster Linie einen spannenden und sich halbwegs temporeich entwickelnden Krimi erwartet, der braucht viel Geduld und wird auch mit dem guten Ergebnis nicht ganz versöhnt werden.

Fazit

Allein auf den Kriminalfall beschränkt – ein spannender Krimi mit einem absolut überraschenden Ende. Leider benötigt der Leser einige Zeit, um diesen Krimi unter dem ganzen Beziehungswirrwarr auszugraben.

Die verstummte Frau

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Letzte Kommentare:
22.09.2020 09:30:13
buecherwurm1310

In Atlanta wird eine junge Frau überfallen und vergewaltigt. Die hinzugerufene Polizei erklärt die Frau für tot. Doch dann erkennt die Rechtsmedizinerin Sara Linton, dass die Frau noch lebt.
Acht Jahre später gibt es einen ähnlichen Fall. Doch der Täter von damals sitzt im Gefängnis, obwohl er immer seine Unschuld beteuert hat. Will Trent soll die Sache aufklären. Dazu muss er den alten Fall neu aufrollen, den der inzwischen verstorbene Mann seiner Freundin Sara Linton damals aufgeklärt hatte. Dafür muss er sich auch mit Daryl Nesbitt im Gefängnis auseinandersetzen.
Ich mag die Bücher von Karin Slaughter, muss aber feststellen, dass dieser Band doch einige Längen hatte. Trotzdem hat mir dieser Thriller gefallen, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Der Schreibstill allerdings lässt sich schön flüssig lesen.
Die Charaktere sind sehr gut und individuell dargestellt. Sara und Will sind ein sympathisches Paar. Ich finde, dass die beiden gut zusammenpassen. Aber in ihrer Beziehung ist Saras damaligem Mann, Jeffrey Tolliver, immer noch sehr präsent. Außerdem ist Sara nicht wirklich offen zu Will. Das belastet ihre Beziehung natürlich. Dazu kommt natürlich der Fall, in dem Tolliver eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Für Sara wird dieser Fall also zu einer Reise in die Vergangenheit. Aber auch für Will ist es sicherlich nicht einfach, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, aber er lässt nicht locker.
Wie immer bei Slaughter gibt es Passagen, die ziemlich detailliert und drastisch beschrieben sind.
Die Geschichte ist spannend und die Auflösung war für mich auch überraschend.
Mir hat dieser Thriller gut gefallen.

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