Harter Schnitt

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Delacorte, 2011, Titel: 'Fallen', Seiten: 387, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri

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Almut Oetjen
Keine Blutsuppe im Menü

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2013

Faith Mitchell, Agentin des Georgia Bureau of Investigation (GBI), fährt nach einer Weiterbildungsmaßnahme zur ihrer Mutter Evelyn, um Baby Emma dort abzuholen. Faith sieht an der Haustür einen blutigen Handabdruck, Emma ist im Schuppen, Evelyn verschwunden, im Waschraum liegt ein Toter, das Haus ist verwüstet und voller Blutspuren. Im Schlafzimmer findet Faith einen Asiaten, der einen Mexikaner mit einer Waffe bedroht. Dem Asiaten verpasst sie einen Kopfschuss, den fliehenden Mexikaner erwischt sie im Garten. Der Sterbende kann ihr nicht mehr sagen, wo ihre Mutter ist.

Amanda Wagner, stellvertretende Direktorin des GBI und Freundin Evelyns, die bis zu ihrer Pensionierung vor fünf Jahren den Rang eines Captain bei der Polizei von Atlanta innehatte, setzt Faiths Partner Will Trent auf den Entführungsfall an. Unter Verdacht gerät bald das ehemalige Team Evelyns, allesamt wegen Korruption verurteilte Mitarbeiter der Drogenabteilung. Während Faith Probleme hat, mit der Situation fertig zu werden, Will und Amanda ihren Spuren nachgehen, zieht Will Traumaspezialistin Dr. Sara Linton als Beraterin hinzu und vertieft die Beziehung zu ihr.

Serienzusammenführung

Karin Slaughter schreibt seit 2001 an der Grant County-Serie und seit 2006 an der Will Trent/Atlanta-Serie. Harter Schnitt vereint beide: Faith Mitchell und Will Trent aus der Atlanta-Serie, Sara Linton aus der Grant County-Serie.

Natürlich kann jeder Eintrag in einer dieser Serien von Karin Slaughter als eigenständiger Roman gelesen werden. Da die Autorin ihre Figuren jedoch weiterentwickelt, geht ein wenig verloren, wenn man die Vorgänger von Harter Schnitt nicht kennt. Will Trent ist ein Mann zwischen vier starken Frauen: Faith, Amanda, Sara und seiner Ehefrau Angie. Er selbst hat eine sehr harte Kindheit und Jugend hinter sich, leidet an Legasthenie und ist Sammler körperlicher und seelischer Verletzungen. Auch in Harter Schnitt wird die Romanze zwischen Will und Sara fortentwickelt. Sara hat eine starke Szene in der Konfrontation mit Angie, ihrer Konkurrentin um Will. Wie nahezu alle Mitwirkenden trägt natürlich auch Faith ihr Päckchen: als Teenager brachte sie zur Schande ihrer Familie Jeremy zur Welt, der nun das College besucht. Emmas Vater hat sie nie erzählt, dass der eine Tochter hat. Faith ist Diabetikerin und bringt Beruf und Privatleben mit Hilfe ihrer Mutter in eine Art Einklang.

Die Handlung wird von Samstag bis Montag mit abnehmender Seitenzahl erzählt. Der Samstag beansprucht rund 210 Seiten, der Sonntag rund 160, der Montag 90. Dann wird für den Schluss ein Sprung zum Donnerstag vollzogen, der mit knapp 30 Seiten der Tag ist, über den es am wenigsten zu berichten gibt, an dem immerhin aber ein wenig Romantik aufscheint. Die Ermittlungsarbeit wird prozedural geschildert, wobei in passenden Momenten andere Inhalte eingefügt werden, die beispielsweise Figuren über Erlebnisse aus der Vergangenheit mit mehr gestalterischem Fleisch versehen. Dies wirkt bisweilen gekünstelt (warum an dieser Stelle genau dieser Ausflug in persönliche Probleme?), geht jedoch oft stärker in die Tiefe als in anderen Kriminalromanen. So erfahren wir viel über die Schwierigkeiten beim Produzieren von Rührei unter der Bedingung einer Mordfallerörterung. Slaughter wartet mit einigen Hintergrundgeschichten auf, von denen am wichtigsten die ist, über die wir das Verbrechen besser verstehen.

Weniger zeigefreudig

Man ist ja oft schnell dabei, wenn Autoren gewalttätig in einem Buch oder Film zu Werke gehen lassen, Gewaltverherrlichung zu unterstellen. Und wenn das Werk dann noch wenig anspruchsvoll ist, gilt dies vielleicht auch für die Leser. Die dann irgendwann ob der ständigen Unterstellungen in Kritiken oder Kommentaren darauf hinweisen, dass das neue Buch von hier: Karin Slaughter nicht sehr anspruchsvoll ist, aber man gerne so etwas zwischendurch liest. Daraus kann sich dann eine mehr oder weniger befremdliche Diskussion entwickeln. Im angelsächsischen Sprachraum wird der Genuss solcher Werke als "forbidden pleasure" beschrieben. Das trifft es ganz gut: eigentlich sollte man das betreffende Werk nicht genießen, weil es auf das mögliche Vorliegen primitiver Rezeptionsinstinkte hinweist, aber...

Man weiß, was einen erwartet, man liest es, und stellt im Zweifel indigniert fest: schon wieder wie immer. Aber die Blutsuppe, die Genitalverstümmelungen, kurz: die Zeigefreudigkeit, und den Sexismus von beispielsweise Belladonna und Verstummt sucht man in Harter Schnitt vergebens. Natürlich geschehen auch hier seltsame Dinge; so vergewaltigt ein Mann zwei Mädchen und beißt ihnen die Brüste ab. Mithin geht es recht brutal zu. Und sprachlich anspruchslos. Und auf gelegentlich primitive Weise unterhaltsam.

Fazit: Der Mordfall wird sehr detailliert beschrieben, die Ermittlungen sind minutiös nachvollziehbar. Die Charaktere sind dreidimensional und haben ihre Macken. Nur etwas für Liebhaber von Karin Slaughters Büchern, oder für Leser, die sie als Grundlage für Kritik benötigen.

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