Jagd auf die Bestie

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

Taschenbuch Broschur 432 Seiten
Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger.

Couch-Wertung:

80°
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Andreas Kurth
Wenn Killer und Bulle mal beste Freunde waren, wird es ziemlich persönlich

Buch-Rezension von Andreas Kurth Nov 2019

Die Kritik an Chris Carter ist bekannt. Er schreibe zu brutal, seine Fälle seien unrealistisch, und überhaupt. Naja. Kann man als Rezensent so sehen, der Erfolg beim Publikum ist ein ganz anderes Thema. Während die Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia von meinen Kollegen bescheiden bewertet wurde, liegen die Publikumsbewertungen im Durchschnitt immer über 80 Grad, manchmal sogar deutlich höher. Von den Lesern kontinuierlich so sehr geschätzt zu werden, ist zumindest ein Beleg für dauerhaft hohen Unterhaltungswert der Bücher - literarisch mag man das ja als versierter Literatur-Kritiker ganz anders bewerten.

Robert Hunter und Carlos Garcia bilden die sogenannte Ultra-Violent-Unit des Los Angeles Police Department, sind also mit besonders brutalen und skrupellosen Killern im Zuständigkeitsbereich des LAPD befasst. Die Empfehlung ist also klar: Wer zu brutale Einzelheiten und perfide Tötungsmethoden verabscheut, sollte auf jeden Fall die Hände von den Büchern von Chris Carter lassen.

Wenn man sich dagegen von der enormen Spannung mitreißen lässt, ist übrigens eine Doppelausstattung zuweilen hilfreich. Ich höre gerne die Hörbuch-Produktionen der Carter-Bücher aus dem HörbuchHamburg-Verlag. Da ich aber einen kurzen Arbeitsweg habe, will ich zwischendrin schon wissen, wie es weitergeht. Also greife ich dann auch zum Buch, um am nächsten Tag wieder der eindringlichen Stimme von Uve Teschner zu lauschen, der die Geschichte mit großer Professionalität vorträgt.

Serienkiller ist aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommen

“Jagd auf die Bestie” ist nach Aussage von Carter die erste Fortsetzung eines Romans in dieser Reihe. Mit dem zehnten Band knüpft er an “Die stille Bestie” an, die sechste Folge in der Serie um Hunter und Garcia. In seinem Nachwort gibt der Autor die Empfehlung, diesen Vorgänger-Band bei Gelegenheit ebenfalls zu lesen, sofern noch nicht geschehen. Diesem Rat kann ich mich nur anschließen, es lohnt sich.

Carter-Fans kennen Lucien Folter also schon. Er war zu Studenten-Zeiten der beste Freund von Robert Hunter, und später einer der schlimmsten Serien-Killer des FBI. Hunter war maßgeblich daran beteiligt, ihn hinter Gitter zu bringen, doch durch seine schier unglaublichen Manipulationskünste ist Folter jetzt aus einem Hochsicherheitsgefängnis entkommen.

Sofort pflastern wieder Leichen seinen Weg, und er beginnt ein ebenso perfides wie tödliches Spiel mit Hunter. Als Folter nach etlichen Morden sogar in Los Angeles auftaucht, gewinnt die Handlung abermals an Dynamik, den Hunter und Garcia läuft die Zeit davon. Der Killer kündigt in seinem perversen Spiel, das er vor allem mit Robert Hunter treibt, eiskalt an, neue Mord-Methoden ausprobieren zu wollen. Die Ermittler finden heraus, dass es Folter um Massenmord geht, und er eine Bombe gebaut hat. Die Uhr tickt herunter….

“Grashüpfer” muss seinen analytischen Verstand konzentriert einsetzen

Das Duell der Super-Psychologen, so kann man die Auseinandersetzung zwischen Lucien Folter und Robert Hunter nennen, hält den Leser in schier atemloser Spannung. Wie persönlich es wird in diesem Thriller, lässt sich daran ablesen, dass Folter den Polizei-Psychologen nur mit “Grashüfer” anspricht, also Hunters alten Spitznamen aus Universitätszeiten benutzt. Der Ermittler muss seinerseits alle Nerven anspannen, um die Ruhe zu bewahren, und den Killer mit kühlem Herzen und allen Fähigkeiten seines analytischen Verstands zu jagen.

Durch diese besondere Konstellation wird Carlos Garcia in diesem Roman stark in den Hintergrund gerückt, genau wie die FBI-Ermittler, die an dem Fall mitarbeiten. Die Dynamik wird auch durch die wechselnde Perspektive von Ermittlern und Killer beflügelt. Überhaupt hat der Roman eine hohe Handlungsdichte, aber das ist bei den Thrillern von Chris Carter im Grunde genommen Standard. Psychopath Folter treibt Hunter und seine Kollegen vor sich her, die mit ihren Ermittlungsansätzen kaum voran kommen und die meiste Zeit nur reagieren können.

Fazit:

Chris Carters Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia ist wie eine durchgängige Erzählung. Der Leser begleitet die beiden erfahrenen Profiler bei ihrer schwierigen, psychisch durchaus belastenden Arbeit. Dabei ist es stets möglich, an den ermittlerischen Überlegungen teilzuhaben und selbst mitzurätseln. Und so einfach es klingt, so einfach ist es auch: Man mag diese Art von Thrillern - oder eben nicht. Ich habe mich von “Jagd auf die Bestie” wieder ausgezeichnet und kurzweilig unterhalten gefühlt. Deshalb schließe ich mich dem Wunsch des Autors an, auch ich würde einen oder mehrere seiner Romane gerne als Film sehen. Ich wäre gespannt, wie ein Regisseur die harte Kost auf der Leinwand umsetzt.

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