Tödliche Nachbarschaft

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Forum, 2014, Titel: 'I maktens skugga', Originalsprache
  • Hamburg: GoyaLiT, 2016, Übersetzt: Stephan Schad

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Jörg Kijanski
Für Fans der Serie sicher ein Genuss

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2016

Der zwielichtige Risikoinvestor Carsten Jonsson baut sich auf Fyrudden / Sandhamn ein Sommerdomizil, doch dieses ist vielen Inselbewohnern ein Dorn im Auge, da das gewaltige Haus sich nicht ins traditionelle Bild der Insel einfügt. Auch sonst sieht Jonsson die Vorschriften recht gelassen, schließlich ist er gewohnt, dass man sich mit viel Geld alles kaufen kann. Noch bevor er mit seiner Frau Celia und den beiden Kindern das Anwesen beziehen kann, gibt es allerdings erste Anzeichen, dass er nicht willkommen ist. Eine eingeworfene Fensterscheibe, eine tote Möwe mit durchgeschnittenem Hals vor der Haustür zeugen vom Unmut zumindest eines Inselbewohners. Um die Nachbarn zu beruhigen lädt Jonsson rund hundertfünfzig Insulaner zur Hauseinweihung ein, allerdings wird diese zu einem Fiasko. Nachdem die Gäste heimgekehrt sind, brennt das fast fertig gestellte Gästehaus vollständig nieder mit Hilfe eins Brandbeschleunigers. Als dann auch noch eine verkohlte Leiche entdeckt wird, ist der geplante Urlaub für Kriminalkommissar Thomas Andreasson schon am ersten Tag zu Ende. Gemeinsam mit Aram Gorgis übernimmt er die Ermittlungen, doch allein schon die Identifikation der Leiche zeigt sich als äußerst schwierig, zumal niemand der Partygäste vermisst wird. Da Nora ihren Sommerurlaub auf Sandham verbringt, kann sie einmal mehr Thomas bei seinen Recherchen behilflich sein...

Privatleben und Krimiplot nehmen sich nichts

Wer die Serie nicht kennt wird sich zunächst vermutlich fragen, wer ist Nora? Tatsächlich wird für Unkundige der Serie die Frage, in welcher Beziehung Nora und Thomas zueinander stehen, erst auf Seite 210 beantwortet. Bis dahin tappt man als Einsteiger im Dunkeln. Jedenfalls ist Nora auf Sandham so gut wie zuhause, kennt viele der Insulaner und arbeitet zudem als Sonderanklägerin zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität, wobei vor allem Letzteres im weiteren Verlauf noch von Bedeutung sein wird. Carsten Jonsson ist ja ein Risikoinvestor, der sich aktuell auf ein großes Geschäft mit einer russischen Firma eingelassen hat. Was dies für unerwünschte Folgen haben kann und wie die entsprechenden Mechanismen greifen, zeigt der Roman sehr anschaulich.

Viveca Sten, die mit Tödliche Nachbarschaft bereits den siebten Teil der erfolgreichen Thomas-Andreasson-Reihe vorlegt, dürfte bei ihren Fans auch deshalb so beliebt sein, da sie dem Privatleben ihrer Figuren sehr viel Raum gibt. Nora lebt nun mit Julia und deren Vater Jonas zusammen. Jonsson ist ein polternder und arroganter Großkotz. Seine Ehe ist zerrüttet, Celia greift regelmäßig zu Tabletten und überlässt die beiden Kinder der Nanny. Dass die russischen Aktiengeschäfte ins Wanken geraten trägt dabei nicht zum Hausfrieden bei, schließlich bilden sie die hölzerne Grundlage von Jonssons Lebensstil.

 

"Hier auf Sandhamn gibt es gewisse Regeln, die respektiert werden müssen, alte Traditionen. Wenn man dazu nicht bereit ist, sollte man sich besser woanders ein Haus kaufen. Im Schärengarten gibt es vierundzwanzigtausend Inseln, auf denen man sich niederlassen und benehmen kann, wie es einem passt."

 

Bliebe noch Thomas. Er bläst vor allem Trübsal, hinterfragt den Sinn seiner Arbeit, zumal sowohl seine zu ihm zurückgekehrte Exfrau Pernilla ebenso Karriereaussichten hat wie Nora. Nur er tritt auf der Stelle und so bringt ihn ein verlockendes Angebot noch mehr ins Grübeln. Soll er hinschmeißen und zu einer privaten Sicherheitsfirma wechseln? Dort winkt das große Geld, aber ist er deswegen Polizist geworden?

Der kriminelle Plot ist durchaus packend und mitreißend geschrieben. Zunächst passieren kleinere Zwischenfälle, nach der Leiche im Gästehaus gibt es immerhin einen Hauptverdächtigen und da dieser viel zu offensichtlich ist bleiben die spannenden Fragen, wer denn der Brandstifter sein könnte und wo dessen Motiv liegen könnte? Ist es ein Insulaner oder gar die Russen? Tödliche Nachbarschaft ist bester Krimi-Mainstream, bei dem man hin und wieder aber auch mal ein Auge zudrücken muss. Nicht von ungefähr fragt sich der in sich gekehrte Protagonist (auf Seite 339), "... warum er diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen hatte". Und der Verfasser dieser Zeilen wunderte sich mitunter, warum der private und berufliche Hintergrund von Jonsson von der Polizei nicht untersucht wurde? Schließlich galt der Brandanschlag ja offensichtlich ihm und seiner Familie. Wie gut, dass Nora hier behilflich sein kann.

Von den gewöhnungsbedürftigen Prioritäten bei der polizeilichen Ermittlungsarbeit abgesehen ist Tödliche Nachbarschaft ein grundsolider Thriller, der den Plot mit kurzen, die Szenarios oft wechselnden Kapiteln ordentlich vorantreibt und eine durchaus überraschende Auflösung parat hat. Allerdings erfährt man auf den ersten hundert Seiten überwiegend den aktuellen Stand der Privatleben von Nora, Thomas und Jonsson, was aber zum weiteren Verständnis der Geschichte weitgehend unerlässlich ist. Und die Fans wollen es schließlich sowieso wissen.

Tödliche Nachbarschaft

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Letzte Kommentare:
01.01.2019 14:55:35
michi_52

Die Beliebtheit der Krimis von Viveca Sten lasssen mich etwas ratlos aussehen. Das geht schon bei den Inhaltsangaben los. Wer braucht 100 bis 140 Kapitel? In der e-book Leseprobe bin ich bis Seite 50 gekommen. Dann konnte ich nicht mehr, mir fielen fast die Augen zu. Von Krimi keine Spur, dreht es sich bis dahin doch nur um Banalitäten. Ausufernde Beschreibungen der einzelnen Protagonisten, ihre diversen Empfindlichkeiten und Tagesabläufe. Erinnert mich sehr an Rosamunde Pilcher. Wer´s mag. Vielleicht schafft es die Autorin ja wirklich, einen Plot zu entwickeln. Ich weiß es nicht. Das Interesse, weiterzulesen, tendiert bei mir und bei diesem Schreibstil gegen null.

29.05.2017 07:08:28
Christian

Habe bis jetzt alle gelesen und finde, dass der Schreibstil, die Handlung und die Logik von Mal zu Mal schlechter wird. Es scheint so, als wäre Frau Sten nicht mehr bei der Sache und alles nur noch eine Pflichtübung.

Echt Schade, denn die ersten Krimis waren noch voller Spannung...

Wieso muss ich mindestens 300 Zeichen eingeben um meinen Kommentar freizuschalten?

28.05.2016 13:29:13
Regula

Wie alle Krimis von Viveca Sten. Spannend von der ersten zur letzten Seite.

Nachvollziehbare Beziehungen unter den immer wieder gleichen Menschen, das fand ich vertraut und gut.

Tolle Inszenierungen der Handlung. Interessante Hintergründe. Und dazu kommt bei mir die Lust, Sandhamn mal kennenzulernen.

Zu empfehlen, absolut.

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