Rotwild

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Berlin: DAV, 2013, Seiten: 5, Übersetzt: Petri, Nina

Couch-Wertung:

81°
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Lars Schafft
Deutsche Zombies sterben Märtyrermord

Buch-Rezension von Lars Schafft Aug 2013

Ein Schwedenkrimi aus Deutschland – kann das? Klappt das? Im Fall von Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson durchaus. Nicht obwohl, sondern weil sie sich der Tradition schwedischer Kriminalliteratur bewusst sind. Ihr zweiter Roman Rotwild knüpft entsprechend weniger bei Stieg Larsson an, denn bei Maj Sjöwalls und Per Wahlöös Martin-Beck-Reihe. Und vor allem bei Henning Mankell und seinem Kurt Wallander. Daraus macht das junge Autorenduo auch gar keinen Hehl.

Doch ist die Figurenkonstellation eine andere: Voosen & Danielsson schicken zwei Frauen ins Rennen: Ingrid Nyström, Kommissarin aus Växjö, und die Deutsch-Schwedin Stina Forss, die es aus Berlin nach Småland verschlagen hat. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die grantelnden, depressiven Ermittler fehlen. Natürlich, ohne private Probleme geht es auch nicht. Nyström befürchtet, an Krebs erkrankt zu sein, Forss kämpft mit einem Vater-Trauma. Aber dies nimmt nicht den Platz ein wie bei anderen Autoren. Stattdessen erzählen Voosen & Danielsson stringent einen ausgeklügelten Fall, der von Beginn an packt – Plaudertaschen sind die beiden wahrlich nicht.

Auf seinem morgendlichen Spaziergang mit seinem Hund durch die Wälder Smålands wird der Lehrer Dahlin erschossen. Mit Aluminium-Pfeilen, und nicht nur mit einem. Als ob das nicht reichte, wird sein Leichnam zur Schau gestellt, nackt an einen Baum gebunden. Dass in unmittelbarer Nähe ein Bogenschützenverein eine Veranstaltung abhält, scheint die Sachlage recht klar zu machen. Doch Pustekuchen: Dahlin wurde wie ein frühchristlicher Märtyrer hingerichtet. Er soll nicht das letzte Opfer nach dieser Methode bleiben. Die wenigen Spuren führen Nyström und Forss nicht nur bis nach Nordschweden, sondern auch in eine doch eher unbekannte Facette der jüngeren deutsch-schwedischen Geschichte. Und schließlich nach Berlin...

Solide und sachlich ist Rotwild geschrieben, unterteilt in viele kurze Kapitel mit entsprechend vielen Perspektivwechseln. Der Mittelteil, in dem fast schon obligatorisch bis auf die aufreibende Ermittlungsarbeit wenig passiert, zieht sich, ist aber notwendig, um den komplizierten Plot aufzulösen. Der ist nämlich die große Stärke des Romans: Bei weitem nicht so platt wie angesichts der doch sehr drastischen Mordschilderungen zu befürchten, kann man Voosen & Danielsson zu den sauber recherchierten Hintergründen und damit den Motiven zu den Märtyrermorden nur gratulieren. Da hat alles Hand und Fuß, ist nichts überkonstruiert, überzeugt durch Tiefgang. Dass es die beiden Autoren nicht für notwendig halten, wirklich alles bis ins letzte Detail zu erklären, lässt Rotwild zudem intelligent nachwirken.

Bleibt die Sache mit Henning Mankell. Ja, von ihm kennen wir es zu genüge, Kapitel mit einem Blick aufs Wetter ausklingen zu lassen. Muss eigentlich nicht mehr sein. Aber Voosen & Danielsson nehmen´s mit einem Augenzwinkern: Einen Ermittler lassen sie tatsächlich scherzhaft mit "Wallander" ansprechen, Stina Forrs darüber philosophieren, ob der Umstand, dass eine fünfte Frau (sic!) vermisst wird, nicht auch ein guter Titel für einen Krimi gewesen wäre. Gut, dass sich die beiden selbst nicht zu ernst nehmen, ohne dem Roman dadurch selbst seine Ernsthaftigkeit abzusprechen.

Voosen & Danielsson haben mit Rotwild die Klippe des "second album syndrome" überzeugend umschifft und einen sehr guten Nachfolger von Später Frost zusammengeschrieben. Wenn es den beiden gelingt, das inhaltliche wie sprachliche Niveau zu halten und ihre Hauptfiguren Ingrid Nyström und Stina Forss mit noch mehr Konsequenz auszuarbeiten, dürfen wir uns ganz bestimmt auf weitere gute Schwedenkrimis made in Germany freuen.

Ein Schwedenkrimi aus Deutschland – kann das? Klappt das? Im Fall von Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson durchaus. Nicht obwohl, sondern weil sie sich der Tradition schwedischer Kriminalliteratur bewusst sind. Ihr zweiter Roman Rotwild knüpft entsprechend weniger bei Stieg Larsson an, denn bei Maj Sjöwalls und Per Wahlöös Martin-Beck-Reihe. Und vor allem bei Henning Mankell und seinem Kurt Wallander. Daraus macht das junge Autorenduo auch gar keinen Hehl.

Doch ist die Figurenkonstellation eine andere: Voosen & Danielsson schicken zwei Frauen ins Rennen: Ingrid Nyström, Kommissarin aus Växjö, und die Deutsch-Schwedin Stina Forss, die es aus Berlin nach Småland verschlagen hat. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die grantelnden, depressiven Ermittler fehlen. Natürlich, ohne private Probleme geht es auch nicht. Nyström befürchtet, an Krebs erkrankt zu sein, Forss kämpft mit einem Vater-Trauma. Aber dies nimmt nicht den Platz ein wie bei anderen Autoren. Stattdessen erzählen Voosen & Danielsson stringent einen ausgeklügelten Fall, der von Beginn an packt – Plaudertaschen sind die beiden wahrlich nicht.

Auf seinem morgendlichen Spaziergang mit seinem Hund durch die Wälder Smålands wird der Lehrer Dahlin erschossen. Mit Aluminium-Pfeilen, und nicht nur mit einem. Als ob das nicht reichte, wird sein Leichnam zur Schau gestellt, nackt an einen Baum gebunden. Dass in unmittelbarer Nähe ein Bogenschützenverein eine Veranstaltung abhält, scheint die Sachlage recht klar zu machen. Doch Pustekuchen: Dahlin wurde wie ein frühchristlicher Märtyrer hingerichtet. Er soll nicht das letzte Opfer nach dieser Methode bleiben. Die wenigen Spuren führen Nyström und Forss nicht nur bis nach Nordschweden, sondern auch in eine doch eher unbekannte Facette der jüngeren deutsch-schwedischen Geschichte. Und schließlich nach Berlin...

Solide und sachlich ist Rotwild geschrieben, unterteilt in viele kurze Kapitel mit entsprechend vielen Perspektivwechseln. Der Mittelteil, in dem fast schon obligatorisch bis auf die aufreibende Ermittlungsarbeit wenig passiert, zieht sich, ist aber notwendig, um den komplizierten Plot aufzulösen. Der ist nämlich die große Stärke des Romans: Bei weitem nicht so platt wie angesichts der doch sehr drastischen Mordschilderungen zu befürchten, kann man Voosen & Danielsson zu den sauber recherchierten Hintergründen und damit den Motiven zu den Märtyrermorden nur gratulieren. Da hat alles Hand und Fuß, ist nichts überkonstruiert, überzeugt durch Tiefgang. Dass es die beiden Autoren nicht für notwendig halten, wirklich alles bis ins letzte Detail zu erklären, lässt Rotwild zudem intelligent nachwirken.

Bleibt die Sache mit Henning Mankell. Ja, von ihm kennen wir es zu genüge, Kapitel mit einem Blick aufs Wetter ausklingen zu lassen. Muss eigentlich nicht mehr sein. Aber Voosen & Danielsson nehmen´s mit einem Augenzwinkern: Einen Ermittler lassen sie tatsächlich scherzhaft mit "Wallander" ansprechen, Stina Forrs darüber philosophieren, ob der Umstand, dass eine fünfte Frau (sic!) vermisst wird, nicht auch ein guter Titel für einen Krimi gewesen wäre. Gut, dass sich die beiden selbst nicht zu ernst nehmen, ohne dem Roman dadurch selbst seine Ernsthaftigkeit abzusprechen.

Voosen & Danielsson haben mit Rotwild die Klippe des "second album syndrome" überzeugend umschifft und einen sehr guten Nachfolger von Später Frost zusammengeschrieben. Wenn es den beiden gelingt, das inhaltliche wie sprachliche Niveau zu halten und ihre Hauptfiguren Ingrid Nyström und Stina Forss mit noch mehr Konsequenz auszuarbeiten, dürfen wir uns ganz bestimmt auf weitere gute Schwedenkrimis made in Germany freuen.

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