Stirb, mein Prinz

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • London: Sphere, 2011, Titel: 'Cage of bones', Seiten: 531, Originalsprache
  • Berlin: List, 2013, Seiten: 576, Übersetzt: Sybille Uplegger

Couch-Wertung:

86°
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Lars Schafft
Die Hölle im Garten Eden

Buch-Rezension von Lars Schafft Jun 2013

Vergessen Sie alles, was Sie mit diesem Titel, der Cover-Gestaltung und dem Namen der Autorin assoziieren mögen - der Schein trügt gewaltig. Stirb, mein Prinz hat nichts mit dem Inhalt gemein, Schwarz wäre die richtige Farbe statt Pink gewesen und hinter "Tania Carver" verbergen sich der britische Noir-Autor Martyn Waites und seine Frau Linda. So handelt es sich dann bei unserem Volltreffer auch um einen absolut düsteren, mächtig Nerven aufreibenden Police-Thriller der neueren englischen Schule à la Billingham oder MacBride denn um Romance-Suspense, wie dem Leser suggeriert werden soll.

Ein Käfig aus Knochen - darin: ein kleiner Junge

Hier: Zwei Bauarbeiter klettern bei Abrissarbeiten in den Keller eines verlassenen Hauses. Was sie dort finden, lässt ihnen die Nackenhaare zu Berge stehen. Sie finden einen Käfig, zusammengebaut aus Knochen. Im selben Raum verwelkte Blumen, diverse blitzblank gefeilte Utensilien wie Sicheln und Spaten. An den Wänden mysteriöse Symbole. Und in dem Käfig: ein kleiner, verschreckter ausgemergelter Junge.

Da: Einer Prostituierten gelingt die Flucht vor ihrem Freier, der mehr als offensichtlich etwas anderes als Geschlechtsverkehr mit ihr vorhat. Durchs Unterholz rennt sie um ihr Leben, sticht sich den Körper blutig und glaubt schon, mit der naheliegenden Straße ihre Rettung gefunden zu haben. Sie wird dort überfahren.

Exorbitant hohes Tempo

Diese beiden Plots webt "Tania Carver" zusammen zum dritten Fall für Detective Inspector Phil Brennan und Profilerin Marina Esposito aus Exeter. 134 Kapitel (!) auf 520 Seiten. Jedes für sich endet mit einem fulminanten Cliffhanger, das Tempo ist exorbitant hoch. Nicht eines langweilt mit Ausflügen zu Nebenschauplätzen. Viele Perspektivwechsel sorgen exakt für die richtige Mischung aus Wissen, Nichtwissen und Erahnen – ergo: Spannung. Die Twists & Turns klappen bestens, bis zum Ende haben Waites & Waites eine Überraschung parat.

Natürlich ist die ganze Geschichte recht brutal, von den Taten her wie auch psychologisch – unter Letzterem muss insbesondere DI Brennan leiden, den mit dem Fall etwas ganz Persönliches verbindet und was er im Wortsinne nicht fassen kann. Jedoch übertreibt es das Autorenduo glücklicherweise nicht, der Roman trieft nicht vor Blut, sondern schildert auch die alltägliche Polizeiarbeit mit all ihren Schikanen.

Ein aufreibende Katz-und-Maus-Spiel in dunklen Farben

Das ist die große Stärke von Stirb, mein Prinz (und wahrscheinlich Marty Waites mit seiner Erfahrung als Krimiautor zu verdanken): Trotz allem angedeuteten Splatter haben wir es mit einem Polizeiroman zu tun, der konsequent in dunklen Farben das aufreibende Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tätern und Ermittlern widerspiegelt. Dass es Brennan, Esposito & Co. dabei nicht nur mit einem wirren Serienmörder zu tun bekommen, sondern in einer Gemengelage aus Korruption, Menschenhandel, durchgeknallten Hippies (die sich "Lehrer", "Missionar" oder "Gärtner" [sic!] nennen) und einer Sekte zu tun bekommen, klingt nach ein bisschen zu viel des Guten – ist es aber nicht. Sondern austariert auf einen komplexen Fall, in dem schlussendlich alles logisch zusammenläuft.

Für alle Fans der Serie und vor allem für die, die davor zurückschrecken, mit dem dritten Teil zu beginnen, soll gesagt sein: Brennan und Esposito sind ein Paar und die härteren Leser befürchten wahrscheinlich schon ausufernde Romantik-Schmonzetten. Auf die verzichtet "Tania Carver" aber fast komplett, was den Roman zu einem stringent erzählten Page-Turner macht.

Gruseln, mitfiebern, verschlingen

Es muss nicht immer hochtrabend sein (auch wenn die Autoren hier durchaus ein akutes gesellschaftliches Problem Großbritanniens aufgreifen). Manchmal reicht auch einfach "nur" ein spannendes Buch. Stirb, mein Prinz ist Thriller in Reinkultur, handwerklich perfekt gemacht – selten so gegruselt, selten so mitgefiebert, selten so die Story verschlungen.

Stirb, mein Prinz

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