Die Tote im See

Erschienen: Januar 1949

Bibliographische Angaben

  • New York: A. A. Knopf, 1943, Titel: 'The Lady in the Lake', Seiten: 216, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Ullstein, 1959, Titel: 'Einer weiß mehr', Seiten: 189, Übersetzt: Mary Brand
  • Nürnberg: Nest, 1949, Titel: 'Einer weiß mehr', Seiten: 304, Übersetzt: Mary Brand
  • Frankfurt am Main: Das goldene Vlies, 1955, Titel: 'Einer weiß mehr', Seiten: 189, Übersetzt: Mary Brand
  • Berlin: Verlag Das Neue Berlin, 1967, Titel: 'Die Frau im See', Seiten: 204, Übersetzt: Mary Brand
  • Zürich: Diogenes, 1976, Seiten: 271, Übersetzt: Hellmuth Karasek
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1979, Titel: 'Einer weiß mehr', Seiten: 181, Übersetzt: Mary Brand
  • Berlin: Volk und Welt, 1982, Seiten: 257, Übersetzt: Hellmuth Karasek
  • Zürich: Diogenes, 2009, Seiten: 272

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Almut Oetjen
Gewalttätige Femme fatale und korrupte Polizisten

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2003

Derace Kingsley aus Beverly Hills, Geschäftsführer eines großen Kosmetik-Unternehmens in Los Angeles, beauftragt Marlowe mit der Suche nach seiner Ehefrau Crystal. Sie ist von einem Aufenthalt in San Bernardino, wo das Ehepaar nahe dem Puma Lake ein Wochenendhaus und den Privatsee Little Fawn Lake besitzt, nicht zurückgekehrt. Letzte Nachricht von ihr ist ein Telegramm aus El Paso, in dem sie ihm mitteilt, dass sie nach Mexiko fahre, um sich scheiden zu lassen und ihren Liebhaber Chris Lavery zu heiraten. Doch Lavery erzählt Kingsley, er habe Crystal seit zwei Monaten nicht gesehen.
Marlowe fährt zum Little Fawn Lake und spricht mit Kingsleys Verwalter Bill Chess, dessen Frau Muriel zur selben Zeit wie Crystal verschwand. Zufällig findet Marlowe eine stark verweste Leiche in dem See. Sie wird anhand der Kleider als Muriel identifiziert. Da ihr Wagen und ihre Kleider in einem einsamen Holzschuppen gefunden werden, liegt nahe, dass sie ermordet wurde. Bill wird verhaftet. Marlowe erfährt von der Lokalreporterin, dass ein Polizist namens De Soto nach Mildred Haviland suchte. Das Foto zeigte Muriel Chess. In Chess' Haus findet Marlowe eine Kette, "Von Al für Mildred." Marlowe ist überzeugt, dass Muriel alias Mildred nicht von Chess, sondern von jemandem aus ihrer Vergangenheit ermordet wurde.

Ermittlungen an der Heimatfront

Chandler hatte vier Jahre an Die Tote im See gearbeitet und dabei auf einige seiner Storys (Bay City Blues, 1937, Die Tote im See, 1939, Kein Verbrechen in den Bergen, 1941) zurückgegriffen. Die Resonanz auf den Roman war durchgehend positiv bis überschwänglich, obwohl der Plot recht kompliziert und die zentrale Entdeckung, wer die Tote ist, keine allzu große Überraschung ist. Chess erwähnt früh, dass seine Frau und Crystal sich sehr ähnlich sahen. Als Marlowe Mrs. Fallbrook trifft, gibt er sich als Philo Vance aus, den Superdetektiv aus den Romanen von S. S. Van Dine, dessen Werk er abschätzig als Häkelkrimis bezeichnete. Van Dines Romane entsprachen nicht seinem ästhetischen Konzept von Kriminalliteratur. Vance wäre sicher nicht auf Mildreds Trick hereingefallen, aber er ist, anders als Marlowe, auch keine realistische Figur. Darauf verweist diese Szene.

Die Ereignisse führen Marlowe wieder nach Bay City aus Lebwohl, mein Liebling zurück. Und hieß es da noch am Ende, in der Stadt würden nun andere Besen kehren, was eine Verbesserung der Zustände implizierte, so sind hier die alten Verhältnisse wieder hergestellt: die Stadt sei gerade so sauber gemacht worden, dass ein friedlicher Bürger sich abends ohne kugelsichere Weste auf den Straßen bewegen könne.

Leute wie der Promi-Drogendoktor Almore oder Roulettekönig Lou Condy bestimmen, brutale und bestechliche Cops wie Lieutenant Degarmo und seine Handlanger, die Streifenpolizisten Cooney und Dobbs, wahren an ihrem ahnungslosen Vorgesetzten Captain Webber vorbei deren Interessen. Sie sorgen dafür, dass Leute wie Almore und Condy unbehelligt ihren illegalen Aktivitäten nachgehen können und werden darüber hinaus auch in eigener Sache kriminell. Marlowe durchdringt als Außenstehender dieses Gestrüpp aus Korruption und Verbrechen. Ihm ist bewusst, dass den Bürgern die dunkle Seite ihrer Stadt verborgen bleibt.

Das Verbrechen ist nicht auf Bay City konzentriert. Vielmehr ist es ein nicht geographisch begrenztes Phänomen, das selbst vor den einsamen San Bernardino Mountains nicht haltmacht. Chandler wurde oft vorgeworfen, dass er den Zweiten Weltkrieg ignorierte. Er machte in der Tat den Krieg nicht zum Thema, wohl aber die Gleichgültigkeit der amerikanischen Bürger, die, soweit sie nicht persönlich betroffen sind, weder an dem Krieg interessiert sind, der außerhalb ihres Landes stattfindet, noch am "Krieg" im eigenen Land. Jeden Tag findet Marlowe ein Mordopfer, Brutalitäten sind an der Tagesordnung. In Die Tote im See zieht der Detektiv einen direkten Vergleich zum Bürgerkrieg, nachdem er das Haus eines Mordopfers verlassen hat. Der Tod eines Cops wird so beschrieben, als gäbe es keinen Unterschied zwischen dem Krieg und der Marloweschen Welt.

1945 kaufte MGM für 35.000 Dollar die Filmrechte an dem Roman und beauftragte Chandler mit dem Drehbuch. Chandler arbeitete bereits seit geraumer Zeit für Hollywood, doch dies war das erste Mal, dass er einen eigenen Roman adaptierte. Das Drehbuch war jedoch schlecht aufgebaut und mit seinen 175 Seiten zu lang, so dass Produzent George Haight seinen eigenen Autor Fisher mit einer Überarbeitung beauftragte.

Raymond Chandlers Die Tote im See spielt in einer Welt, die durchsetzt ist mit Korruption, in der das Verbrechen Alltag ist. Die Charaktere und die Dialoge sind ökonomisch auf den Punkt entwickelt. Der Plot hält einige Wendungen bereit und ist derart komplex, dass Häkelkrimis daneben beinahe eindimensional aussehen. Wie die Auflösung eines Häkelkrimis liest sich am Ende aber die Erklärung, in der der Text zum glasklaren Labyrinth wird. Einer der besten Marlowe-Krimis mit einem Chandler auf der Höhe seines Schaffens, zumindest in der Originalversion.

Die Tote im See

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Letzte Kommentare:
16.06.2010 19:38:14
Harry

Weder langatmig noch langweilig erzählt Raymond Chandler eine großartige Kriminalerzählung.
Mir hat das Buch gefallen. Weder Christie noch Doyle noch sonstwen können sein Werk vergleichen.
Meiner Meinung nach ein wahnsinns Krimi, mit verblüfften Lösungen und überraschene Wendung.
Das empfehle ich für jeden.
Raymond Chandler gehört zur einer der besten Kriminalschriftsteller aller Zeiten! Seine Bücher sind ein MUSS!!!

21.09.2006 22:29:47
Gesine

Ray Chandler verwendet eine wundervolle bildhafte Sprache. Ohne langweilig oder langatmig zu werden, beschreibt er detailliert die einzelnen Schauplätze der Handlung, aber auch die agierenden Personen. Er spielt mit den Worten und fügt sie zu einer exellent formulierten Geschichte zusammen.
Man liest seine Bücher das erste Mal wegen der Geschichte und das zweite Mal wegen der tollen Sprache.
Ray Chandler\'s Philipp Marlowe ist ein desillusionierter müder Mann, der sich dennoch im Innersten etwas Romantik bewahrt hat. Am Ende des Buches ist er zu einer realen Person mit echten Gefühlen geworden.
Ein tolles Buch. Es lohnt sich, es in Englisch zu lesen. So kann man die Feinheiten der Sprache, den Erzählstil Chandler\'s und seine liebevolle Ausgestaltung der Figuren und Beziehungen noch viel besser genießen.

09.01.2006 21:13:12
Fabian

Der beste Chandler -Krimi nach dem langen Abschied und der kleinen Schwester.Dieser Roman hat alles was der härtere Kriminalroman braucht.Die Rahmenhandlung ist gut ausgedacht und nach ein paar Seiten weiß man warum Chandler als einer der besten Kriminalautoren gilt. Weder Agatha Christie noch Conan Doyle können mit ihm mithalten.Auch Amerikaner wie Dashiell Hammett schreiben nicht so gut wie er.Höchstens Ross Macdonald reicht an Chandler heran.

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