Das Doppelgrab in der Provence

Erschienen: Januar 1988

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 1993, Seiten: 217, Originalsprache
  • Zürich: Haffmans, 1988, Seiten: 217, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1999, Seiten: 223, Originalsprache
  • Hillesheim: KBV, 2012, Seiten: 245, Originalsprache

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Lars Schafft
Knackige Rätsel aus der Zeit von Hannibal und seinen Kriegen gegen Rom

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2003

Stellen Sie sich eine Kreuzung aus Sherlock Holmes, dem Meisterdetektiv, und Justus Jonas, Chef der "Drei ???" und gerne "Pummelchen" genannt, vor. Heraus käme ein scharfsinniger, nahezu allwissender, etwas arroganter und eigenbrödlerischer, beleibter Detektiv. Einer wie Baltasar Matzbach, der in Das Doppelgrab in der Provence vor seinem dritten Fall steht.

 

"hilfe stop assassinen stop sofort kommen stop les baux stop anrufen hotel xy stop william"

 

Mehr erhält Matzbach von seinem Freund William Bronner, seines Zeichens Journalist mit besonderer Spürnase und seit einigen Wochen in der Provence auf der Spur einer großen Enthüllungsstory, nicht. Doch das reicht dafür, dass Baltasar Matzbach in Bonn alles stehen und liegen lässt und zusammen mit seiner Partnerin Ariane (PR-tätig für ein großes Unternehmen) sich auf den Weg in den Süden Frankreichs macht.

Angekommen im malerischen Les Baux, hat Bronner beim Portier doch tatsächlich einige Hinweise hinterlassen. Und tatsächlich: Bronners Spürnase hat nicht zuviel versprochen; der Reporter war auf Schatzsuche. Nicht irgendein paar Klunker, nein - der Schatz eines karthagischen Händlers, den dieser an vier unterschiedlichen Orten (offensichtlich in der Provence) vor über 2000 Jahren versteckt hat. Darauf deutet zumindest das in Latein abgefasste Testament hin, das Bronner Matzbach hinterlassen hat. Doch die Verstecke bleiben genauso rätselhaft wie das Auftauchen der finsteren Gestalten in den Ruinen von Les Baux, die dem Bonner Detektiv und Ariane an den Kragen wollen.

Die Spur des alten Karthagers - und eines Phantastikers namens Daemlickx

Gemeinsam mit Kommissar Ducros und dem Journalisten Maspoli folgen die beiden der Spur Bronners und damit gleichzeitig der Spur des alten Karthagers und kommen dabei sowohl in gefährliche Nähe der südfranzösischen organisierten Kriminalität als auch in die Nähe des Star-Phantastikers Edmund Daemlickx, der sich in seiner Freizeit auch noch mit Druiden umgibt und dessen Haushälterin an einer eigenartigen Fischvergiftung stirbt...

Das Doppelgrab in der Provence ist - unerwartet bei der Figur (im doppeldeutigen Sinn) des Baltasar Matzbach - erstaunlich actionreich (immerhin zwei Schießereien, die erste schon nach ein paar Seiten), clever und allzeit amüsant, wofür allein schon die bissigen Dialoge zwischen Matzbach und Ariane sorgen. Wie die beiden sich befehden, ärgern und foppen, macht einfach Spaß. Zudem spielt sie überzeugend die Rolle des Dr. Watson, während Matzbach selbst unerreicht seine Fäden spinnt.

Anleihen bei den Großen - von Holmes über Wolfe bis zu Poirot

Natürlich nimmt Gisbert Haefs bei seinen Charakteren deutliche Anleihen bei den ganz großen der Kriminalliteratur - ein bisschen Holmes, ein bisschen mehr Nero Wolfe, ein Schuss Hercule Poirot und fertig ist der Bonner Meisterdetektiv.

Glücklicherweise nimmt sich Haefss Roman selbst aber nicht zu Ernst und verleugnet auch gar nicht erst die Parallelen zu den Vorbildern. Und ähnlich wie bei Conan Doyle handelt es sich auch nicht um Fälle zum Miträtseln. Denn Matzbach ist nicht nur seiner Umwelt als auch dem Leser mindestens zwei Schritte voraus, präsentiert schlussendlich die Lösung aufgrund von bisher unbekannten Fakten und Indizien, und erwartet natürlich von Kompagnons und Leserschaft Anerkennung für seine geistigen Leistungen.

Gönnen wir´s ihm, diesem verschrobenen, besserwisserischen Ungetüm, das trotzdem nicht unsympathisch daherkommt und in Das Doppelgrab in der Provence sicherlich eine Bereicherung des Krimi-Genres darstellt.

Spritzige Dialoge, spannendes Thema und endlich kein Zeigefinger

Was mir allerdings am besten an diesem eigenwilligen Krimi gefallen hat, waren nicht die knackigen Rätsel aus der Zeit von Hannibal und seinen Kriegen gegen Rom, nicht die spritzigen Dialoge, nicht die interessanten Figuren, nicht das archäologsche Thema mit der Verknüpfung des alten Karthago und dem keltischen Druidentum, sondern dass dieser Roman endlich mal einer ist, der ohne gehobenem Zeigefinger daherkommt. Hier geht es "nur" um spannende, intelligente Unterhaltung - und das muss auch mal sein in Zeiten, wo vor Gesellschaftskritik triefende Krimis (schönen Gruß nach Skandinavien) an der Tagesordnung sind.

Das Doppelgrab in der Provence

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