Finaler Rettungskuss

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Hillesheim: KBV, 2012, Seiten: 177, Originalsprache

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Lars Schafft
Der große Drecksack ist wieder da!

Buch-Rezension von Lars Schafft Jan 2012

Damit hat wohl kaum jemand gerechnet: Nicht nur, dass der KBV-Verlag die Matzbach-Krimis von Gisbert Haefs wieder herausbringt - nein, der in so vielen Genres beheimatete Autor legt nach etwa neun Jahren Pause einen neuen nach. Baltasar Matzbach, knurriger Detektiv aus Laune in bester Tradition nach Nero Wolfe bekommt es mit Geheimdiensten und Afghanistan-Veteranen zu tun. Und mit einem vorlauten Gnom sowie einem Eifelaner Plappergeist.

Den Niederrheiner Gisbert Haefs muss man eigentlich zu den Großen der deutschen Kriminalliteratur zählen. Bereits 1981 begann er mit den Romanen um Baltasar Matzbach, einer Figur, die man bis dato eigentlich nur aus englischen Whodunits kannte. Kombiniert mit viel Ironie und Gefühl für kunstvolle Sprache stand und steht Haefs im krassen Kontrast zu allem, was man sonst vom deutschen Krimi kennt. In den frühen 80ern stemmte er sich so gegen den Sozio-Krimi und hebt sich so heute auf wunderbare Art vom 08/15-Blödsinn ab, der uns derzeit über Bedarf von den Verlagen aufgetischt wird. Das meiste vom letzteren brauchen wir nicht, Haefs wollen wir!

Der Bonner erzählt die Geschichte von Bodo Bongartz, eines jungen Afghanistan-Veterans, der nichts besseres zu tun hat als – zurück in Deutschland – Homesitter zu spielen. Irgendwo in die westdeutsche Provinz hat es ihn verschlagen. Aber dort bricht die Hölle los: Ein Haus wird in Brand gesteckt, eine Schießerei in einer gemütlichen Kneipe sorgt für Aufregung und zu allem Überfluss taucht auch noch Baltasar Matzbach auf, der, Serienfigur und Genie des Kriminellen wie der Sprache, zwar deutlich gealtert ist, aber immer noch der gleiche Drecksack wie vor dreißig Jahren. Mit einer Vorliebe für Rethorik und allem, was nicht gesund für ihn ist, lässt er es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Bodo Bongartz die Auklärung der Ereignisse in Angriff zu nehmen. Immer mit breiter Stirn sich ins Risiko stürzend, bringt er nicht nur Bodos Leben aus den Fugen, sondern unterhält noch einen aberwitzigen "Ureinwohner" und eine durch den Brandanschlag schwer traumatisierte Frau auf seine knorrische Weise.

Und alles gipfelt in dieser Einöde, womit weder Beteiligte noch Leser rechnen durften: ein Shoot-Down wie im Kino.

Es ist ein wunderbarer Moment, dass sich KBV-Verleger Ralf Kramp und Autor Gisbert Haefs – in letzter Zeit eher durch historische Romane aufgefallen – zusammengetan haben, um dessen Krimis wieder auf den Markt zu bringen. Das war schon lange überfällig. Dass Haefs noch einen nachlegt, ist mehr als erfreulich, ist er doch eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Krimiautoren. Nicht nur, dass seine schräg-skurrilen Figuren zu begeistern wissen, sondern auch sein "Watson" Bodo Bongartz ist nach alten englischen Regeln des Krimis mehr als passend mit einem Afghanistan-Veteran besetzt und zeigt, dass Haefs sein Handwerk von Grund auf beherrscht.

Aufgrund seiner Wortwahl mag es für manche Leser antiquiert klingen, aber Haefs´ Sprache ist kunstvoll, sein Wortschatz schier unbegrenzt. Keine Seite überschlägt der Leser, sondern erfreut sich an jedem neuen Wortwitz des Niederrheiners. Dazu baut der Autor eine tagesaktuelle Thematik ein und weder nervt, noch langweilt er mit mit seiner Vorliebe für Sprachspiele. Ganz im Gegenteil: Mit ungefähr 200 Seiten ist dieser Roman nicht nur knackig kurz, sondern auch äußerst kurzweilig und überrascht mit Action, die so zu einem Whodunit gar nicht gehört.

Ein großes Kompliment an den Verlag, dass Haefs´ Krimis wieder erhältlich sind und noch mehr dafür, dass die Geschichte weitergeht. Sprachwitzig, intelligent, humorvoll, kurzweilig, schlichtweg gekonnt!

Finaler Rettungskuss

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Letzte Kommentare:
09.10.2012 17:47:20
reskal

Komisch! Die bibliographischen Angaben verzeichnen 240 Seiten, in der Rezension heißt es "ungefähr 200 Seiten"; aber meine Ausgabe hat nur 177 Seiten (die acht Seiten Reklame nicht mitgerechnet). Vielleicht fehlen bei mir ja Seiten, was erklären würde, daß man als Leser am Ende nicht mehr durchblickt. Diesen Roman zu lesen, lohnt m.E. nur wegen der frechen Sprüche von Baltasar Matzbach, für einen Krimi ist mir der Plot doch etwas zu hanebüchen. Zum Glück ist man schnell durch und zum Glück gibt es noch die acht Vorläufer dieser Serie; vielleicht hat aber der für Frühjahr 2013 angekündigte zehnte Matzbachroman wieder die alte Qualität. Zu wünschen wäre es.