Winterstarre

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2011, Seiten: 320, Originalsprache

Couch-Wertung:

75°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:73
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":1,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Andreas Kurth
Feldversuch in einem abgelegenen Tal

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2011

Vermittelt von einer eher undurchsichtigen Organisation namens IFAM steigen zwei Brüder in einem abgelegenen Hochtal in das Geschäft mit Leiharbeitern ein. Die jungen Marokkaner werden ihnen zugeteilt, in zwei kärglich eingerichteten Zimmern über dem Viehstall des Hiemer-Hofes untergebracht und fortan als billige Arbeitskräfte ins Tal gekarrt. Die Naivität der jungen Afrikaner wird nur von ihrem Fleiß getoppt, sie werden von den Firmen gerne engagiert. Das Grauen beginnt, als der erste Gastarbeiter Symptome einer hochansteckenden Virus-Erkrankung zeigt und trotz aller Bemühungen einer Krankenschwester aus dem Tal nach dem Transport ins Krankenhaus verstirbt. Die Krankheit macht schnell die Runde unter den Kollegen des Toten und im Tal, es gibt zahlreiche Tote. hohe Letalität auf, die nicht nur bei den Gastarbeitern grassiert, sondern auch unter den Bewohnern des abgeschiedenen Mägertals für deutliche Verluste sorgt. Durch einen spektakulären Leichenfund im Frühjahr – den Lesern bereits durch den Prolog bekannt - wird die Polizei auf das Ausmaß der Tragödie aufmerksam. Kommissar Brunner bindet Robert Walcher in die Ermittlungen ein und macht ihn zum Mitglied der SOKO Winterstarre. Beide ahnen nicht einmal im Ansatz, in was sie da hineingeraten sind.

Ein perfekter Protagonist

Joachim Rangnick zeigt auch in Winterstarre wieder, dass er ein brillanter Erzähler ist. Seine Geschichten sind eine gelungene Mischung aus Heimatkrimi, sozialkritischem Roman und Thriller. Die Liebe des Protagonisten Robert Walcher zu seiner kleinen Welt im Allgäu, mit Hühnern, Kater und Hund, lieben Menschen um ihn herum und der Ruhe seines Hofes steht scheinbar im Widerspruch zu seinen guten Beziehungen zu Medien und Informanten in der der "großen weiten Welt" außerhalb des Allgäus. Und der Autor schildert diesen Mikrokosmos immer wieder mit einem zwischen den Zeilen versteckten Augenzwinkern, was die Figur des Robert Walcher überaus sympathisch macht. Wobei ich zugeben muss, in dieser Hinsicht ohnehin parteiisch zu sein, denn Walcher ist mir als pfiffiger und ideenreich recherchierender Journalisten-Kollege selbstverständlich ohnehin von Beginn an als perfekter Protagonist erschienen.

Einmal mehr erschreckende Realitätsnähe

Joachim Rangnick hat sich für diesen Walcher-Krimi ein ebenso realitätsnahes wie brisantes Thema gesucht. Die Pharma- und Gesundheitsindustrie steht oft genug im Scheinwerferlicht der Medien, und die beschriebenen Machenschaften wirken zwar überzogen, aber wie nahe an der Wirklichkeit der Autor mit seinem lesenswerten und überaus spannenden Plot wirklich ist, kann man als Leser wohl kaum beurteilen. Die Gier nach immer höheren Gewinnspannen hat schon so manchen Manager zu ungesetzlichen Aktionen greifen lassen. Der Autor bleibt bei einigen Details zwar nur an der Oberfläche, aber das ist nach meiner Auffassung der höheren Spannung geschildert, denn andernfalls wäre die Gefahr der Weitschweifigkeit sehr groß gewesen. Auch so muss man als Leser schon ein großes Personaltableau und eine wahre Welle von Fakten verarbeiten. Es ist also angezeigt, aufmerksam und konzentriert zu lesen, sonst gehen schnell Zusammenhänge und gewisse Feinheiten verloren.

Eine gut recherchierte Geschichte

Die kriminellen und sonstigen Netzwerke in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft werden von Joachim Rangnick einmal mehr gut nachvollziehbar und sehr authentisch dargestellt. Die Motive der kriminellen Akteure sind dabei durchaus unterschiedlich, aber die Auswirkungen im Grunde stets gleich. Es wird an Recht und Gesetz vorbei gehandelt, und die Konsequenzen werden komplett ausgeblendet und ignoriert. Der Autor hat so einmal mehr eine gut recherchierte, mit plausiblen dichterischen Elementen angereicherte Geschichte zu Papier gebracht, die den Leser mit ihrem phasenweisen Plauderstil von Beginn an fesselt. Nach Bedarf bringt der Autor aber auch immer wieder Dynamik in die Handlung, die sich vor allem zum Finale hin reichlich zuspitzt. Ein wirklich lesenswertes Buch, das weit über den Rahmen eines Regional-Krimis hinausgeht.

Winterstarre

Winterstarre

Deine Meinung zu »Winterstarre«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
16.06.2015 17:51:35
Marthe

Rangnick erinnert mich außerordentlich an Jaques Berndorf. Man spürt den Journalisten, der viel Hintergrundwissen hat und der das jetzt in einen Krimi einbinden will. Berndorf hat dazu auch einen fixen Personenstamm, seine Tochter, eine alte, lesbische berliner Tante und seinen Freund, den Kriminalkommissar a. D., nebst dessen holländischer Frau, ebenfalls Kommissarin a. D. Dann wechselnde Hunde und Katzen. Genau wie bei Rangnick. Es wirkt auf mich wie fast 1:1 eingetauscht. Was nicht heißt, daß es mir nicht gefällt. Berndorf ist Pfeifenraucher mit wechselnden Pfeifen und trockener Alkoholiker, Rangnick nennt uns jeweils die Cherry-Sorte, die er trinkt. Na ja - und Berndorf liebt die Eifel und Rangnick das Allgäu.
auch die Frauengeschichten wechseln bei beiden gleich häufig...
Da ich von Berndorf bereits alles gelesen habe, mache ich mit Rangnick gerne weiter. :-))

16.08.2012 15:19:44
anyways

Um das Überleben ihres Hofes im Mägertal zu sichern, kommen die Brüder Hiemer durch einen Bekannten, auf die Idee marokkanischen Gastarbeiter aufzunehmen und sie den umliegenden Höfen als billige Arbeitskräfte anzubieten. Alles ganz legal, anscheinend. Die große Organisation IFAM kümmert sich um alles. Gesagt, getan. Kurze Zeit später reisen die Ersten an, unter ihnen Tarik. Ein Marokkaner der kurz vor der Vermählung steht und noch einiges für die Aussteuer verdienen muss, damit er die ihm angedachte Samira auch wirklich ehelichen kann. Und wo lässt es sich leichter Geld verdienen als in Europa. Da er als einer der Einzigen seine Deutschkurse regelmäßig besucht hat, fungiert er bald als Dolmetscher zwischen seinen Landsleuten und den Hiemer-Brüder. Doch nachdem die anfänglichen Hürden wie Sprache, Essen und Unterkunft einigermaßen behoben wurden, wird ein Gastarbeiter krank und verstirbt kurze Zeit später. Die Krankheit ist äußerst ansteckend und weist eine hohe Letalität auf, die nicht nur bei den Gastarbeitern grassiert sondern auch unter den Bewohnern des abgeschiedenen Mägertales für deutliche Verluste sorgt.

Kommissar Brunner bittet Walcher sich den Hiemer-Hof mal genauer anzusehen, nicht wegen der Gastarbeiter, sondern weil ein Nachbar die Brüder verdächtigt, ihren Vater vielleicht ermordet zu haben. Brunner selbst kann nicht, da es nicht sein Einsatzgebiet ist. Na da Walcher dem Kommissar freundschaftlich verbunden ist, schnallt er sich die Ski unter und macht sich auf den beschwerlichen Weg, denn selbst das Allgäu erlebt einen sehr frühen, strengen und schneereichen Winter. Weit kommt er nicht und eh er sich versieht liegt er mit Waden- und Schienbeinbruch im Krankenhaus.

Währenddessen spitzt sich die Lage auf dem Hof zu und auch im Dorf kommt es zu unzähligen Erkrankten. Erst im Frühjahr wird das Ausmaß der Tragödie sichtbar, als in einer alten Berghütte unzählige Leichen gefunden werden. Doch was verbirgt sich dahinter? Brunner und Walcher nehmen die Ermittlungen gemeinsam in der neu gegründeten SOKO „Winterstarre“ auf.





Mein „dritter“ Fall mit Walcher und er wird mir zunehmend sympathischer. Sein Hang zu bizarren Storys, seiner Liebe zu Hof und Getier, Bewohner eingeschlossen, und sein Hang zum guten Tropfen haben einen hohen Wiedererkennungswert. Auch der, ich will meinen, leicht schnoddrige Erzählstil des Autors gefällt mir zunehmend.

Ragnick greift auch in seinem neuesten Walcher-Krimi ein brisantes Thema auf, die Panikmache der Pharma- und Gesundheitsindustrie und deren maßlose Gier nach immer höheren Profiten ausgelöst durch die Angst vor gefährlichen Krankheiten. Man denke da wirklich nur an die letzte Welle ausgelöst durch die Schweinegrippe.Leider muss ich Ragnick, trotz seiner guten Recherche über die sensiblen Bereiche auch ein paar Pünktchen abziehen, da er mir leider nur zu oberflächlich die Details schildert. Warum erkranken nur Männer an Ragnicks Virus. Das ist unlogisch und wird von Autor leider nicht näher erklärt. Auch das ein Infizierter gar keine Symptome zeigt entspricht nicht der Realität. Hervorragend dargestellt finde ich allerdings die Vetternwirtschaft in Politik, Wirtschaft, der Executive wurde infiltriert. Auch seine fulminante Steigerung der Geschichte zum Ende hin ist spannend und sehr unterhaltsam. Also bis auf ein paar kleine Schwächen ein sehr empfehlenswerter Krimi.

06.05.2012 09:19:27
Daniela

Nachdem ich von Joachim Rangnick bereits "Bauernfänger" gelesen hatte und sehr begeistert war, freute ich mich auf den dritten Band rund um den Journalisten Walcher und einen spannenden Allgäuer Krimi.
Der Klappentext klang auch recht vielversprechend: in einer Hütte werden mehrere Leichen gefunden, die mit einem bisher unbekannten Virus infiziert wurden.
Womit ich in diesem Buch am wenigsten klar gekommen bin war der Schreibstil Rangnicks. Entweder war es mir in seinem zweiten Buch nicht aufgefallen, weil der Plott einfach packender war oder er hat sich erheblich verschlechtert. Meiner Meinung nach wurde zu viel erzählt, statt direkt erlebt. Die Handlungen wurden aneinenader gereiht und nicht aktiv durch den Protagonisten miterlebt.
Was mich außerdem gestört hat, war die Handlung. Im Nachwort behauptet der Autor zwar, dass seine Phantasien um Längen von der Realität geschlagen werden, aber als Leser konnte ich dem Autor die Geschichte einfach nicht abkaufen. Da gibt es Intrigen, die sich vom kleinen Allgäu über die ganze Welt entspannen und von der Polizei, über die Politik, den Forschern und den Industriellen alle involviert sind. Nur der Journalist Walcher und sein Freund der Hauptkommissar Brunner sind nicht beteiligt und decken die ganze Geschichte auf. Eine Tatsache, die auch nicht sehr realistisch erscheint, dass Polizei und Presse so eng miteinander arbeiten und Brunner jede Neuigkeit der Ermittlung an Walcher weiterträgt.
So hat mich dann am Ende einfach alles gestört an diesem Buch und ich musste mich so wie noch nie zuvor bei einem Buch zwingen es zu Ende zu lesen. Dies wollte ich aber unbedingt tun, in der Hoffnung, der Autor würde mich vielleicht doch noch überzeugen können. Vom Gefühl her, wurde es aber von Seite zu Seite schlimmer. Am Ende konnte ich es nicht mehr ertragen, wie der Journalist von allen Seiten gelobt wurde, wie gut er doch wäre. Als Leser hatte man eher das Gefühl, das Wissen wurde an Walcher nur so herangetragen, ohne dass dieser groß etwas dafür tun musste.
Für mich war dies definitiv das letzte Buch was ich von Rangnick gelesen haben werde. Es gibt einfach so viele gute und spannende Krimis auf dem Büchermarkt, dass ich es als Zeitverschwendung sehe weitere Bücher von ihm zu lesen.

05.04.2012 20:51:16
tigerbea

Marcus und sein Sohn Willi wollen ihren Urlaub in ihrer einsamen Berghütte verbringen. Bei ihrer Ankunft bekommen sie einen nicht sehr schönen Empfang geboten: Sie finden fünf verwesende Leichen, in Müllsäcken verpackt.
Mathilde, eine alte Frau, die auf dem Hof von Journalist Walcher mitwohnt und sich sehr gut mit Heilkräutern auskennt und hellsichtige Visionen bekommt, berichtet diesem von einem Hilferuf. Diesen hat sie angeblich aus einer Wüste oder aus einer verschneiten Gegend empfangen.
Ein anderer Hof wird von Karl und Jakob Hiemer, Erben dieses Hofes, sowie deren Tante Amalie, in der Rolle der Haushälterin bewohnt. Karl und Jakob beschließen, auf ihrem Hof illegale Marokkaner zu beherbergen..

Dann stirbt der erste Marokkaner an einem unbekannten Virus, das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Ich habe dieses Buch verschlungen, es ist sehr schön und leicht zu lesen. Die Kapitel sind nicht zu lang, also Ideal. Der Schreibstil ist schön flüssig,

Alles in allem auch ein Buch, das einen zum Nachdenken bringt, wie manche Menschen behandelt werden.

04.04.2012 16:14:52
Lillibaer

Eines der besten und spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, nicht nur für Leser, die das Allgäu mögen!
Rasante Handlung, interessantes Thema ohne zu tief oder zu moralisierend zu werden (Focus bleibt auf dem Kriminalistischen) aber zum Denken anregend, sympatische Charaktäre,klasse Umgebeung... einfach ein superklasse Krimi.

31.01.2012 12:07:52
Literatur

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Joachim Rangnick bezieht sich auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, als er dieses Zitat seinem Kriminalroman "Winterstarre" voranstellt. Dieses Zitat verdeutlicht, wie schnell dieses wichtige Grundgesetz von den Figuren seines Romans, sowohl von einfachen Menschen als auch von großen Institutionen, verletzt wird und wie wenig ein Menschenleben in unserer Welt zählt.

Der Journalist Robert Walcher unterstützt die SOKO "Winterstarre" bei deren Ermittlungen zu einem grauenvollen Leichenfund: In einer abgelegenen Hütte im Mägertal, einem Hochtal in den Allgäuer Alpen, werden im Frühjahr mehrere zu Bündeln verschnürte verweste Leichen gefunden. Todesursache ist ein bislang unbekanntes Virus, das im Winter auch einige Menschenleben der Mägertaler Bevölkerung gekostet hat. Schnell wird deutlich, dass hinter diesen Todesfällen ein riesiger Skandal steckt, den mächtige Institutionen vertuschen möchten.

Der Kriminalroman ist fesselnd und informativ geschrieben, wobei er sich in zwei Handlungsstränge aufteilt: In der ersten Hälfte erlebt der Leser nach einem Kapitel über den Leichenfund die Ereignisse des Winters hautnah mit. In kurzen Kapiteln, die den Fokus auf die einzelnen Protagonisten legen, erfährt der Leser von der illegalen Arbeitsvermittlung einer marokkanischen Reisegruppe im Mägertal, von der Erkrankung eines Mannes, der innerhalb kürzester Zeit seine Kollegen und Teile der Mägertaler Bevölkerung tödlich infiziert. Man spürt die Angst der Marokkaner vor Krankheit, Tod und Abschiebung, die Angst der Brüder, die die Marokkaner beherbergen, vor Entdeckung und Bestrafung, die Angst der Bevölkerung vor dem Fremden. Und es wird deutlich, dass die Ereignisse sich rasch zuspitzen und sofort vertuscht werden. Die Menschenrechte und das Grundgesetz werden trotz besseren Wissens schnell aufgrund der eigenen Ängste verdrängt. Erst in der zweiten Hälfte wird die SOKO aktiv und entdeckt die wahren Hintergründe der Allgäuer Ereignisse des Winters, die noch skandalöser und unmenschlicher sind als bereits die schockierenden Taten im Winter. Diese Aufteilung ist dem Autor sehr gut gelungen und bietet dem Leser zwei interessante Perspektiven, wobei der Leser jederzeit bereits viel mehr weiß als die einzelnen agierenden Figuren. Das Thema ist sehr gut gewählt, aktuell und sehr gut erarbeitet. Dennoch habe ich drei Kritikpunkte, die mein Gesamturteil etwas mindern: Erstens erinnert mich der Computerspezialist und dessen wichtige Rolle bei der Enttarnung der Drahtzieher zu sehr an Lisbeth Salander. Zweitens fällt die Spannung am Übergang zwischen der ersten und der zweiten Hälfte kurz ab, da die Ermittler sich zunächst Wissen aneignen müssen, das der Leser bereits hat. Drittens hat mich der Bezug zu den Menschenversuchen der Pharmaindustrie wiederum an Henning Mankells "Kennedys Hirn" erinnert.

Winterstarre ist ein hervorragender Kriminalroman, der Spannung, interssante Charaktere und informative Hintergründe mit brisanter Aktualität in sich vereint, und ist folglich sehr zu empfehlen.

10.01.2012 20:15:27
Krimitante

Dieses Buch ist kein Krimi. Keine Ahnung was es ist, aber auf jeden Fall ärgerlich.
Der Autor will ganz viel und schafft nichts davon. Er will eine spannende Handlung, der Leser weiss allerdings ganz schnell worauf es hinausläuft. Er will sozialkritisch sein, schmeisst aber nur so mit Klischees um sich.
Er versucht verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verbinden, ufert aber in jedem dermassen in seiner Erzählweise aus, dass es einen oft genug dazu bringt ganze Passagen zu überlesen. Er will seinen Personen einen plastischen Charakter geben und beschreibt deshalb jede noch so unwichtige Nebenfigur bis ins Kleinste. Dazu noch einen Hauch Esoterik, in Person einer "sehenden" Alten und zu guter letzt versucht er sich auch noch in Sachen Erotik und driftet dabei auf`s schlimmste Arztromanniveau ab ("schnaufte dabei lustvoll wie ein feuriger Hengst"). Spätestens da sollte man aufhören zu lesen (ziemlich am Anfang des Buches!) oder besser noch man sollte dieses Buch gar nicht lesen und die 8,99Euro in einen wirklich guten Krimi investieren!

30.12.2011 16:50:23
Synapse11

Todesfalle Geldfieber

Inhalt:
Vorbei ist der Traum von ein paar idyllischen Vater-Sohn-Tagen, als diese in ihrer Almhütte mehrere Leichen entdecken. Der weitere Verlauf des Krimis erklärt, wie diese Leichen in die Hütte gelangten. Im 2. Teil des Buches wird durch weitere Hintergrundinformationen die ganze Bandbreite der Handlung deutlich. Durch den Bezug zur Gegenwart ist der Leser plötzlich mittendrin im Geschehen und erfährt mehr, als er vielleicht wissen möchte.

Meine Meinung:
Joachim Rangnick weckt mit dem Prolog große Spannung. Der Leser will unbedingt wissen, woher die Leichen in der Hütte stammen und wer dahinter steckt. Kurze Kapitel und der fließende Schreibstil machen das Buch lesefreundlich. Man findet nach einer Pause schnell wieder in die Handlung rein. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Hier und da noch etwas mehr psychologische Charakterbeschreibung, hätte das Buch sicherlich noch besser gemacht. Sehr spannend ist Tariks Überlebenskampf in der abgelegenen Berghütte geschildert.
Nach ca. der Hälfte des Buches wird auch der Bezug zum Titel deutlich. Die ganze Bandbreite der Handlung spitzt sich zu und der Spannungsbogen steigt durch vorher ungeahnte Informationen weiter an. Plötzlich geht es nicht nur um ein paar Tote. Wer geht aus Profitgier über Leichen und schreckt selbst vor Massenvernichtung nicht zurück? Genial ist dieser Bezug zur Realität (Schwarzarbeit, Gastarbeiter, Grippeepidemie etc.) so dass es nicht nur ein Krimi ist, sondern beinahe greifbar wird, und, obwohl erfunden, einem Tatsachenbericht ähnelt. “So gesehen ist dieser Roman kein Phantasieprodukt, sondern erschreckende Realität.” (S. 396 - Nachwort von J. Rangnick)
Etwas mehr Realitätsbezug habe ich allerdings bei Walchers “Entführung” vermisst. Er begibt sich in die “Höhle des Löwen” und hat dabei selbst nichts zu befürchten? Hier erwartet der Leser mehr Nervenkitzel und psychologische Charakterzeichnung.

Meine Lieblingstextstelle:
“Wir überleben nur, wenn wir nicht gegen die Natur kämpfen, sondern ihre Kraft nutzen.” (S. 85)

Fazit:
Ein Krimi, den ich gern gelesen habe, weil die Spannung durchweg erhalten bleibt, obwohl Gewalt, brutale und blutrünstige Handlungen nicht im Vordergrund stehen. Die Spannung entsteht durch nicht vorhersehbare Hintergrundinformationen und dem indirekten Bezug zur Realität

26.12.2011 15:32:58
jule

Winterstarre
4

Diese ist das erste Buch von diesem Schriftsteller, das ich gelesen habe. Es hat mich gleich in seinen Bann gezogen und ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, ja, quasi "verschlungen" . Sehr angenehm fand ich auch die kurzen Kapitel.

Auch wenn ziemlich bald geklärt war, wie diese Leichen in die Hütte gekommen waren, war die Hintergrundgeschichte sehr spannend, denn sehr viele Personen, von den Hiemers und anderen Bauern im Mägertal bis hin zu den "Großkopferten" in Verwaltung und Unternehmensführung waren in diesen Fall verwickelt. Hinter diese Machenschaften kam man erst so nach und nach. Maffiastrukturen wurden sichtbar und Vertuschungsmorde wurden begangen. Am meisten taten mir die Marrokaner leid, die wie eine Ware gehandelt wurden und total ausgenutzt wurden und schließlich ihr Leben lassen mußten, damit geldgierige "Saubermänner" daraus ihren Vorteil ziehen konnten. Ich möchte hier nicht zuviel von der Geschichte preisgeben und anderen damit die Lesefreude nehmen.

Es ist jedenfalls ein Buch, das ich sehr empfehlen kann.