Der Ahnhof

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: List, 2010, Seiten: 284, Originalsprache

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Andreas Kurth
Brutale Morde in idyllischer Umgebung

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2011

Der Bauernhof von Martin Korbach, der seit gut einem Jahrhundert im Besitz der Familie ist, soll verkauft werden. Eine junge Bäuerin möchte das Gehöft kaufen und gemeinsam mit ihrem Mann wiederbeleben. Sie bittet ihre Cousine Mathilde – die findige und ungewöhnliche Haushälterin des Journalisten Robert Walcher – um spirituellen Rat. Bei einem Rundgang über den Hof hat Mathilde den nachhaltigen Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt. Und Mathildes Gefühl trügt nicht. Zwar erwirbt ihre Cousine den Hof, aber bei ihren Recherchen über die Geschichte des Hofes stößt Mathilde bei der Polizei auf Vermisstenanzeigen, die weit zurückreichen. So sollen sieben junge Frauen und Männer über die Jahrzehnte im Umfeld des Korbach-Hofes spurlos verschwunden sein.Martin Korbach ist ein jähzorniger und gewalttätiger Bursche – und es geht das Gerücht um, dass die Vermissten von den Korbach-Männern ermordet wurden. Walcher und Mathilde recherchieren weiter und stoßen auf eine Familiengeschichte, die offenbar zahlreiche Opfer gefordert hat – und geraten selbst ins Visier des Täters.

"Ein Allgäu-Krimi" – es gibt genug Rezensenten-Kollegen hier bei der Krimi-Couch, die einen Roman mit diesem Aufdruck erst gar nicht in die Hand nehmen. Da bin ich anders, bei mir überwiegt die vorurteilsfreie Neugier – glücklicherweise. Sonst wäre mir ein wirklich lesenswertes Buch entgangen. Nun reizt mich natürlich die Geschichte um einen Journalisten besonders, schließlich bin ich selbst so ein Schreiberling. Und diese ist nun auch noch spannend und doch amüsant geschrieben, mit Charakteren, die man gerne ein Stück auf ihrem Lebensweg begleitet. Wobei man sich durchaus darüber streiten kann, wer in diesem Buch eigentlich die Hauptperson ist.

Die 69-jährige Mathilde hat besondere spirituelle Fähigkeiten. Sie ist mit einer Art Wahrnehmungsfähigkeit ausgestattet, und diese soll sie nun auf dem Korbach-Hof auf Bitten ihrer Cousine einsetzen. Die Schilderung ihres Rundgangs erinnert augenzwinkernd ein wenig an "Spökenkiekerei", wie wir das in Norddeutschland nennen. Aber immerhin stellt Mathilde fest, dass es auf dem Hof reichlich Unrecht und handfeste Gewalt gegeben hat – und so wird der Ball ins Rollen gebracht. Schon auf den ersten Seiten versteht es Joachim Rangnick, den Leser für die Geschichte zu interessieren, die er wortgewandt zu erzählen hat. Da spielt allerdings auch der Prolog eine wichtige Rolle, in dem ein Verbrechen vor über 100 Jahren geschildert wird. Dieser Einstieg ist insgesamt außerordentlich gelungen.

Hoch amüsant ist zu lesen, wie die findige Haushälterin den zunächst äußerst skeptischen Journalisten Walcher in ihre privaten Ermittlungen einspannt. Sie führt ein charmantes Regiment im Walcher-Haushalt, und der gerade in frische Liebes-Wirren gestürzte Hausherr wird von ihrem Enthusiasmus mitgerissen. Ein wenig Action streut der Autor auch noch ein, denn der ehemalige Besitzer des Korbachhofs taucht auf, und zeigt eindrucksvoll , dass er wie seine Vorfahren gewaltbereit ist. Und das müssen die Protagonisten dann auch am eigenen Leib spüren. Die Figur des brutalen und rücksichtslosen Bauern ist überaus gelungen und wirkt sehr authentisch.

Robert Walcher als eigentlicher Protagonist bleibt nicht wirklich farblos, aber durch die starke Persönlichkeit seiner Haushälterin streitet er mit ihr um die Hauptrolle in der Geschichte. Er ist ein typischer Journalist, mit berufsmäßiger Neugier ausgestattet, und daher der ideale Partner für Mathildes Nachforschungen. Die beiden Figuren ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften hervorragend, man freut sich schon auf weitere Romane mit diesem Duo.

Joachim Rangnick arbeitet mit häufigen Perspektiv-Wechseln, die allerdings nicht immer gelungen sind – ein Minuspunkt. Aber das ist eine kleine Schwäche, die den Erzählfluss nur jeweils kurzfristig durcheinander bringt. Angenehm fällt auf, dass bei diesem "Allgäu-Krimi" die Beschreibungen von Land und Leute nicht aufdringlich oder aufgesetzt wirken. Der Autor baut diese Passagen gekonnt in den Text ein, und auch die Mischung aus Mundart und Hochdeutsch fällt gemäßigter aus, als bei anderen Allgäu-Romanen. Der Anfangsschwung aus den ersten Seiten des Buches geht unterwegs etwas verloren, aber es bleibt durchgehend eine lesenswerte Geschichte, mit einem – für mich jedenfalls – durchaus überraschenden Finale. Joachim Rangnick ist ein Autor, den ich jedenfalls im Auge behalten werde, denn seine Figuren haben noch einiges an Entwicklungspotenzial.

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Letzte Kommentare:
07.06.2012 13:11:33
anyways

Tief im Allgäu ist man noch sehr gläubig und da wo Glaube herrscht, ist Aberglaube nicht weit. Das muss Mathilde resümieren als sie von ihrer Großnichte (im Buch noch der alte Name „Base“ verwendet) gebeten wird, ein Gehöft zu besichtigen, das sich die Nichte und ihr Mann zulegen wollen. Denn es gibt im Allgäu auch einige Menschen, die das zweite Gesicht haben, Menschen die Schwingungen spüren, die in gewisser Weise hellseherisch begabt sind. Mathilde zählt zu diesen, und das spricht sich nicht nur in der Verwandtschaft herum. Sie trifft also auf dem alten Gut der Korbachs ein und erkennt sofort das hier „Böses“ am Werk war und ist. Nur greifbar ist es ihr nicht, und so kann sie ihrer Verwandtschaft zwar abraten hier her zu ziehen aber nicht vehement genug.

Zurück in der „Hofburg“, dem Anwesen des Journalisten Walchers, das dieser zusammen mit seiner Stieftochter und der Haushälterin Mathilde bewohnt, bekommt auch der Hausherr von Mathildes Besuch die Kurzversion erzählt. Beide ermitteln mit unterschiedlichen Ansätzen, was auf diesem alten Anwesen passiert ist oder sein könnte. Die Dorfgemeinschaft berichtet, dass der Familie Korbach schon immer das „Böse“ anhaftete, über Generationen hinweg und das verhältnismäßig viele Bedienstete, Knechte, Mägde ja sogar ein Hütebub nach Amerika ausgewandert sein sollen. Nur ein Erbe der Korbachs lebt noch und gegen den lehnt man sich nicht auf, die Folgen wären katastrophal…so erzählt man sich, den beweisen kann man nichts.





Mein erster Krimi von Rangnick mit dem Journalisten Walcher und irrtümlich nahm ich an das die Haushälterin Mathilde schon länger mit Walcher zusammen „ermittelt“ das ist aber ein Trugschluss, den der Klappentext da vermittelt.

Dieser Krimi hat mir gefallen, weil er anspruchsvoll ist. Die Geschichte und die Darstellung des „Bösen“, die Beschreibung paranormaler Ereignisse und die durchweg sympathisch wirkenden Bewohner der Hofburg trugen dazu bei. Trotzdem ist es kein seichter „Mundartkrimi“ sondern verfügt trotz längerer Pausen über einige gut gesetzte Spannungsbögen.

Die Geschichte der Region und deren Bevölkerung, die Ausbeutung der Fronarbeiter durch die Adligen und den Klerus sind nicht nur ein zentrales Thema sondern werden auch gut wiedergegeben. Den Dialekt, den Rangnick oft anklingen lässt, ist für mich zwar langsamer zu erfassen, aber nicht unverständlich und gibt allem eine besondere Note.

Schade war für mich wiederum nur, das ich so mittendrin in der Reihe angefangen habe und mir ein gewisses „Vorleben“ der Hauptprotagonisten fehlte. Man kann diesen Krimi aber durchweg ohne Vorkenntnisse der Reihe lesen.

30.07.2011 08:19:00
ryanmalloy

Mir hat "Der Ahnhof" nicht gefallen; hätte ich das Buch nach kurzer Ansicht in der Buchhandlung gekauft, hätte ich mich schon sehr geärgert. Das Design, der Untertitel "ein Allgäu-Krimi" und der Klappentext lassen in keiner Weise darauf schließen, dass ein großer Teil der Ermittlung mit übersinnlichen Wahrnehmungen der Haushälterin und anderer Personen einhergeht. Nichts, was ich in einem so gestalteten Regionalkrimi ohne Vorwarnung erwarten würde.
Einzelne Passagen und Episoden sind schon gut erzählt, aber in Summe gibt es zuviel Geplänkel und Geisterhaftes.

06.07.2011 20:53:58
Moehrchen

Der rote Faden fehlt

Mathilde wird von ihrer Großbase gebeten den Korbach-Hof, den sie zusammen mit ihrem Mann Jakob kaufen möchte, auszupendeln. Im Lauf der Geschichte des Korbach-Hofes verschwanden immer wieder Frauen und Männer von dort, die später nie wieder gesehen wurden. Mathilde spürt, dass an diesem Ort das böse lauert. Sie macht sich zusammen mir dem Journalisten Robert Walcher, bei dem sie als Haushälterin arbeitet, daran die alten Vermisstenfälle aufzuklären, was aber nicht ganz ungefährlich ist...

Joachim Rangnick hat zwei völlig verschiedenen Hauptfiguren geschaffen, die sich aber trotz aller Verschiedenheit bestens ergänzen. Zum einen ist da Mathilde, die auch "G’sundbeterin und Kassandra aus dem Allgäu genannt" wird. Sie pendelt Häuser aus, hat immer wieder Visionen, die sich dann oft Bewahrheiten und ist ziemlich hartnäckig. Zum anderen ist da der Journalist Robert Walcher, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und nicht so recht an die Gaben seiner Haushälterin glauben mag aber immer wieder erfahren muss, dass evtl. doch was dran sein könnte. Leider wird der Autor seinen Figuren nicht ganz gerecht.

Der Autor sagt selber in seinem Nachwort, dass nirgendwo Glaube und Aberglaube so nahe beieinander liegen wie im Allgäu und genau dies beschreibt er recht gut in seinem Roman. Die Leute werden als recht kauzig beschrieben, sie halten zusammen gegen Außenstehende und führen ein nicht immer ganz so leichtes Leben. Leider schafft es der Autor nicht halb so gut, einen spannenden Krimi zu schreiben. Ich würde das Buch nicht mal als einen solchigen bezeichnen, dafür hat das Buch zu wenig Spannung und es passiert auch zu wenig. Am Schluss dreht er zwar kurz noch mal auf aber ob damit aus dem Buch schon ein Krimi wird? Mir war auch der Anklang von mysteriösen Andeutungen, die nie wirklich hinterfragt bzw. aufgelöst werden, einfach zu viel.

Leider ist es dem Autor nicht gelungen einen roten Faden zu spinnen, der einen durchs ganze Buch führt. Die Erzählweise ist recht oberflächlich. Situationen und Personen werden selten näher betrachtet, was auch dafür sorgt, dass man zu keinem der Protagonisten eine Beziehung aufbauen kann. Zudem wird immer wieder zwischen den verschiedenen Personen ohne Sinn hin und her gesprungen, dabei verzettelt sich der Autor doch ziemlich und man hat eigentlich keine Lust mehr sich das weiter anzutun.

Das Buch hat gute Ansätze - man hätte z.B. aus dem Duo Mathilde und Robert viel machen können - aber leider hat es mich überhaupt nicht überzeugt. Kann man lesen, man verpasst aber auch nichts, wenn man es nicht tut.

04.07.2011 20:41:31
Barbara

Ein wenig Übersinnliches, ein guter Blick für die Eigenheiten der Bewohner dieser Region, eine spannende Geschichte, glaubwürdige und größtenteils sympathische Personen: ein insgesamt empfehlenswertes Buch.
Leider sind die Gewaltszenen für meinen Geschmack zu ausführlich und brutal geraten. Hier hätte Herr Rangnick besser auf die Phantasie der Leser gesetzt und Ihnen die detailgenaue Schilderung erspart.