Falkenjagd / Frische Hühnchen

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Weingarten: Rangnick, 2007, Titel: 'Frische Hühnchen', Seiten: 452, Originalsprache
  • Berlin: List, 2012, Seiten: 368, Originalsprache

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Andreas Kurth
Verstörende Allianz von Gier und Perversion

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2011

Journalist Robert Walcher hat durch gute Kontakte die Möglichkeit, in der Schweiz ein Gespräch mit einer jungen Russin zu führen. Sie wurde in den Westen verschleppt und zur Prostitution gezwungen. Seine Recherchen zu einem Artikel über das Thema Menschenhandel führen Walcher in der Folgezeit in die Kreise von Mädchen- und Kinderhändlern. Bei einem Undercover-Einsatz, der von der Polizei gedeckt wird, retten der Journalist und sein Kollege Johannes in Frankreich zwei junge Mädchen vor den Menschenhändlern, indem sie die beiden freikaufen. Der Händlerring verkauft nicht nur Frauen aus Osteuropa, sondern auch Jugendliche und Kinder. Je weiter Walcher in die Szene vordringt, umso gefährlicher werden seine Nachforschungen, denn offenkundig steht er bald auf der Abschussliste eines skrupellosen Verbrecherrings. Kommissar Brunner versucht Walcher und seine Familie zu schützen, doch die Kontakte des Europaweit agierenden Kartells reichen bis hinauf in höchste Kreise.

Joachim Rangnick hat mit Falkenjagd einen spannenden Kriminalroman geschrieben, der weit über den Horizont seiner bisherigen Allgäu-Bücher hinaus geht. Sein Protagonist, der routinierte Journalist Robert Walcher, ist eine wirklich interessante Persönlichkeit. Belesen, gut vernetzt, und überaus zielgerichtet in der Recherche. Da ist es kein Wunder und wirkt für mich auch glaubwürdig, wenn Walcher bei seinen Recherchen zu durchaus großen Themen – schließlich schreibt er nicht für die Provinz-Gazette im Allgäu – auf mehr als brisante Fakten stößt. Der Undercover-Einsatz mit Wissen und Billigung der Polizei ist ziemlich dick aufgetragen, aber für den Fortgang der immens spannenden Geschichte unabdingbar. Walcher ist eine sympathische Persönlichkeit, hin- und hergerissen zwischen der Sorge um seine Familie und seine Freunde, die schon mehr als einmal in Gefahr geraten sind, und dem scheinbar unbändigen Drang, die Wahrheit über die unsäglichen Verbrechen herauszufinden, denen er auf die Spur gekommen ist.

Walcher sammelt aber auch Sympathie-Punkte, wenn er einfach mal auf der Terrasse sitzt, einen guten Wein trinkt und über seine journalistische Arbeit und das Leben als solches reflektiert. Die gesamte Art, wie er in seine ländliche Umgebung eingebunden ist, in die er rein intellektuell überhaupt nicht passt, lässt den Leser an vielen Stellen schmunzeln. Das bedeutet allerdings nicht, hier werde die Spannung in der Kriminalgeschichte vernachlässigt. Es ist eher nur ein kurzes Atem holen, bevor es mit Recherchen und merkwürdigen Vorfällen weiter geht.

Den Rahmen des Provinz-Krimis sprengt Joachim Rangnick nicht nur durch Walchers Einsätze in Frankreich und Italien, sondern auch durch die wirklich gut eingebauten Nebenhandlungen in Berlin und Ost-Europa. Kriminalromane zum Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt es schon zahlreich, der Charme dieses Buches besteht darin, dass hier abermals aufgezeigt wird, wie diese perfide Form des Verbrechens in den ganz normalen Alltag der Menschen hineinreicht, weil scheinbar unbescholtene und honorige Männer daran beteiligt sind. Als perfekt eingebauten erzählerischen Bonbon empfand ich beim Lesen, dass eine der "Guten" auch noch in die "Honig-Falle" geht – aber mehr will ich hier nicht verraten. Das passte aufgrund der Ironie dieses kleinen Nebenaspekts ausgezeichnet in die Erzählung hinein.

Überhaupt zeigt Joachim Rangnick mit diesem Roman einmal mehr, dass er eine Geschichte routiniert und spannend erzählen kann. Nahezu alle Nebenhandlungen werden so in die Erzählung eingebaut, dass sie den Fortgang der Handlung nicht stören, sondern eher befördern. Die Dialoge sind kurzweilig und authentisch, es wird zwischen verschiedenen Orten und Perspektiven schnell umgeschaltet, manche Szenen sind kurz und schlaglichtartig. Und dennoch ist man ständig ausreichend orientiert, und auch Überraschungen werden relativ schnell aufgelöst. Der flüssige und sprachlich angenehme Stil des Autors macht seine Bücher wirklich angenehm lesbar, aber seine eindeutige Stärke sind die Charaktere.

Walcher ist schon enorm dominant, aber seine Familie kommt auch nicht zu kurz, sein knorriger Polizisten-Freund Brunner passt in die Welt. Nur Joachim wird mir hier zu sehr auf die Rolle des Chauffeurs reduziert, aber neben dem dominanten Walcher kann kein zweiter Journalist eine wichtige Rolle spielen. Aber auch bei den Spitzbuben und Schwerverbrechern hat der Autor einige interessante Figuren eingestreut – etliche werden selbst zu Opfern des bösen Spiels. Insgesamt also ein überaus lesenswertes Buch – für mich war Falkenjagd der bisher beste Roman, den ich von Joachim Rangnick gelesen habe.

Falkenjagd / Frische Hühnchen

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