Nichts als Erlösung

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2011, Seiten: 352, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Gute Fortsetzung der Serie, aber enttäuschendes Ende.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2011

Judith Krieger wird von Albträumen geplagt und so erwacht sie auch mitten in der Nacht des 1. August. Kurzentschlossen nutzt sie die sommerhaften Temperaturen für eine nächtliche Joggingtour entlang des Kölner Rheinufers, wo sie plötzlich Schreie hört. Ein amerikanisches Touristenpaar ist förmlich über eine männliche Leiche gestolpert. Mehr recht als schlecht gelingt es der nur spärlich bekleideten Krieger den Tatort zu sichern, was am nächsten Tag ein aufreizendes Foto von ihr am Tatort im Boulevardblatt KURIER zur Folge hat.

KHK Krieger und ihr Kollege Manni Korzilius übernehmen die Ermittlungen, treten jedoch zunächst auf der Stelle, da sich die Identität des Opfers nicht feststellen lässt. Diesem wurde aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss selbiger weitestgehend entfernt. Als endlich feststeht, dass es sich bei dem Ermordeten um Jonas Vollenweider handelt, erhält der Fall eine interessante Entwicklung, denn Vollenweider stand schon einmal im Fokus von Ermittlungen der Kölner Mordkommission. Damals, im Jahr 1986, soll er seine Eltern und seine Schwester Miriam ermordet haben. Doch außer zahlreichen Blutspuren im Elternhaus, die auf ein brutales Verbrechen hinwiesen, konnten die Leichen nie gefunden werden. Hat Jonas wirklich seine eigene Familie abgeschlachtet und wenn ja, wo sind deren Leichen? Und warum wurde er nach über zwanzig Jahren selbst Opfer eines Kapitalverbrechens? War vielleicht ein anderes Familienmitglied der Mörder, beispielsweise Miriam, die - wie sich herausstellt - einen heimlichen Geliebten hatte, den sie vor ihren Eltern geheim hielt?

Eine weitere Spur führt die Ermittler zu einem Erziehungsheim, in dem Jonas Vater als Kriegswaise aufgewachsen ist. Dort lernte er seine Frau kennen mit der er später die Heimleitung übernahm. Da die Heimkinder unter sehr fragwürdigen Erziehungsmethoden, die noch aus der Zeit des Dritten Reiches herrührten, aufwuchsen, könnte auch dort der Schlüssel zur Lösung des Falles liegen? Aber warum musste dann der Sohn der Vollenweiders nach so langer Zeit sterben?

Der fünfte Band der "Krieger-Korzilius-Reihe" spart nicht mit tatverdächtigen Personen und so macht es lange Zeit großen Spaß mitzuraten, wobei die "Rückblenden" in die Erziehungsmethoden im Kinderheim "Frohsinn", dessen Name einen beachtenswerten Zynismus enthält, verhältnismäßig erträglich dargestellt werden. Das hätte man brutaler haben können, aber keineswegs müssen. Die Erziehungsmethoden der Johanna Haarer, die schon von Hitler verehrt wurde, bilden einen maßgeblichen zeithistorischen Bezugspunkt in dem Fall, wobei es der Autorin gut gelingt darzustellen, dass die mehr als diskutablen Erziehungsmethoden noch weit über das Kriegsende hinaus angewandt wurden. Haarer schrieb unter anderem den zweifelhaften Erziehungsratgeber "Die Mutter und ihr erstes Kind", welches selbst viele Jahre nach Kriegsende noch (wenngleich in "bereinigter Fassung") verkauft wurde und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1965 in verschiedenen Gesundheitsämtern. Unfassbar – aus heutiger Sicht.

Nichts als Erlösung ist für Fans der Krieger-Korzilius-Reihe eine gelungene Fortsetzung, zumal die alten Streithähne sich zunehmend sympathisch finden und tatsächlich zu einem Team zusammenwachsen. Wer hätte dies noch für möglich gehalten? Dass die Figurenbildung einmal mehr der große Pluspunkt des Romans ist, versteht sich bei Gisa Klönne ja fast von selbst. Eine spannende Geschichte mit zeithistorischen Bezügen, mehrere Verdächtige, was will man mehr? Im Falle des Rezensenten eine "vernünftigere" Auflösung, über die an dieser Stelle der Mantel des Schweigens geworfen wird.

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