Nacht ohne Schatten

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Maren Eggert
  • Berlin: Ullstein, 2009, Seiten: 367, Originalsprache

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Peter Kümmel
Zwischen Künstlern und Menschenhändlern

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jan 2008

In einer regnerischen Januarnacht wird Hauptkommissarin Judith Krieger aus dem Schlaf geklingelt. An einer S-Bahn-Haltestelle in einem tristen Kölner Industriegebiet wurde der Fahrer der Bahn erstochen aufgefunden. Wurde er Opfer eines gewalttätigen Fahrgastes? Einziger Zeuge ist ein Betrunkener, der glaubt, einen Mann am Tatort beobachtet zu haben. Über den Ermordeten ist nicht viel herauszufinden. Ein einsamer, alleinstehender Mann, der sich gerne Pornofilme angeschaut hat.

Auch in der folgenden Nacht wird Judith Krieger wieder geweckt. Die Pizzeria gegenüber der S-Bahn-Haltestelle steht in Flammen. Das kann kein Zufall sein. Der Besitzer der Pizzeria war am Vortag bei der Befragung der Anwohner seltsam nervös. Im Gebäude wird eine verkohlte Leiche gefunden, die später als der Inhaber identifiziert wird. Der Mann war mit Handschellen an das Bett gefesselt. Aus einem abgeschlossenen Kellerraum des Gebäudes kann eine junge Frau mit schweren Rauchvergiftungen geborgen werden. Nach ihrer Kleidung zu urteilen könnte sie eine Prostituierte gewesen sein, die gefangen gehalten wurde. Die Frau liegt im Koma und ringt mit dem Tode. Eine Identifizierung scheitert zunächst.

Alles, was den Ermittlern bleibt, sind Hypothesen. Hat Berger zusammen mit dem Pizzeriabesitzer die Frau gefangen gehalten und zur Prostitution gezwungen? Wollte Berger sie vielleicht befreien und wurde deshalb getötet? Judith Krieger und ihre männlichen Kollegen sind unterschiedlicher Auffassung über den Tathergang und so gehen Judith und ihr Partner Manni Korzilius, dessen neue Beziehung Anlaufschwierigkeiten macht, getrennte Wege...

Mysteriöse Figuren

Recht zäh startet der Roman, obwohl man unmittelbar zu Beginn mit zwei Verbrechen konfrontiert wird. Doch die Ermittlungen treten auf der Stelle.

Dem Leser werden einige Charaktere vorgeworfen, die allesamt etwas mysteriös wirken, aber keine wirkliche Beziehung zum Geschehen haben. Da ist zum einen Ekaterina Petrowa, aus Russland stammende Mitarbeiterin im Rechtsmedizinischen Institut und Leiterin des Projektes "Häusliche Gewalt". Fachlich eine Spitzenkraft, aber sehr unsicher in ihrer neuen Stellung und sehr verschlossen. Und da ist die geheimnisvolle Ines, die sich Ekaterina anvertraut. Die Ärztin untersucht Ines und stellt Würgemale sowie Spuren einer Vergewaltigung fest. Doch Ines ist nicht zu einer Aussage bereit. Ekaterina lässt die Frau wieder gehen, doch sie macht sich Vorwürfe, denn sie glaubt, nicht richtig gehandelt zu haben.

Auch Theodora Markus scheint ein Geheimnis zu umgeben. Die gehbehinderte Künstlerin arbeitet in der Künstlerfabrik, von der aus man direkte Sicht auf die S-Bahn-Haltestelle hat. Hat sie oder ihre unauffindbare Nachbarin aus dem Atelier in der Tatnacht etwas beobachtet? Welche Rolle spielt der Unfall, der vor über zwanzig Jahren zu ihrer Verletzung führte?

Tiefgründige Charaktere, die sich dem Leser nicht aufdrängen

In ständigen Orts- und Perspektivwechseln, die die Ermittlungen nicht so recht vorantreiben, werden immer neue Fragen aufgeworfen, ohne Klarheit in die bisher bestehenden bringen zu können. Alle Personen haben ihre Ecken und Kanten und man wird einfach nicht warm mit ihnen. Dies sehe ich jedoch durchaus als positiven Aspekt, denn dadurch wirken die tiefgründigen Charaktere glaubhaft und lebensecht.

Die Ermittler verfolgen unterschiedliche Theorien und feinden sich bei den Besprechungen an. Sie arbeiten nicht mit-, sondern gegeneinander wie in einem Wettkampf und das Kompetenzgerangel sorgt auch nicht gerade für gute Stimmung. Während die männlichen Mitglieder die Täter im Rotlichtmilieu suchen, geht Judith von einer Beziehungstat aus. Dieses Konfliktpotential sollte eigentlich für Spannung bürgen, wenn nur für den Leser nicht so klar wäre, wer am Ende Recht behalten wird.

Die Autorin vermittelt dem Leser anhand ihrer weiblichen Protagonistin sehr gut ihre Einstellung zu Prostitution und Menschenhandel, zur Gewalt gegenüber Frauen. Die unwürdigen Zustände und die Missachtung der Frauen werden en detail geschildert. Da kommen nicht nur bei weiblichen Lesern Hassgefühle auf. Doch irgendwann wird die ständige Wiederholung zuviel. Man muß der Autorin hier vorwerfen, dass in dieser Hinsicht auch etwas weniger genügt hätte, um ihre Ansicht eindeutig klarzustellen.

Gegen Ende des Buches spitzt sich die Handlung dann schlagartig zu. Endlich ist die langerwartete Spannung da, die schließlich in einem furiosen Showdown kulminiert.

Ich benutze ungern den Begriff Frauenkrimi, zeugt er doch von Schubladendenken, doch appelliert dieser Roman eindeutig an die weibliche Leserschaft, ist aber auch für männliche Leser durchaus lesenswert.

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