Der Wald ist Schweigen

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2006, Seiten: 390, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2005, Seiten: 364, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2008, Seiten: 390, Originalsprache
  • Berlin: List, 2010, Seiten: 364, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Überzeugender Debütroman mit glänzenden Charakterzeichnungen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2008

Auf einem Hochsitz findet die Försterin Diana Westermann eine grausam entstellte Leiche, von der sich bereits zahlreiche Krähen ernährt haben. Da die zuständigen Polizisten im Bergischen Land mit Mordfällen kaum Erfahrung haben, wenden sie sich an ihre Kölner Kollegen. Dabei vertraut der Leiter der Mordkommission diesen Fall ausgerechnet der Kommissarin Judith Krieger an, die psychisch schwer angeschlagen ist, nachdem vor rund zwei Jahren ein eng mit ihr befreundeter Kollege bei einem Einsatz ums Leben kam. Daher soll ihr noch junger Partner Manfred Korzilius ein Auge auf ihre Arbeit werfen. Nach einiger Zeit stellen die Ermittler fest, dass der Tote mit einer Schrotflinte erschossen wurde und es sich um den bei seinen Schülerinnen sehr beliebten Lehrer Andreas Wengert handelt. Leider war der Lehrer offenbar so beliebt, dass er seine Rolle als Vertrauensperson ein wenig zu ernst nahm und sogar einmal von seiner Frau Juliane in flagranti daheim ertappt wurde. Noch dazu mit der erst siebzehnjährigen Laura, die kurz danach die Schule verlies und nun im "Sonnenhof" lebt, einem alten Gutshof, der jetzt als Aschram für Meditation und Yoga genutzt wird. Dieser befindet sich nur unweit vom Tatort entfernt und diente Laura und Wengert auch nach dem heimischen Zwischenfall als Liebesnest.

Judith, die sich auf die Ermittlungen nur halbherzig konzentrieren kann, meint, dass sie sich auf den Sonnenhof konzentrieren sollten. Hingegen glaubt Korzilius in der sich höchst merkwürdig verhaltenden Witwe die Mörderin bereits gefunden zu haben. Bei einem Verhör verliert Judith für einen kurzen Moment die Kontrolle über sich und wird kurzerhand beurlaubt. Sie solle sich einer Therapie unterziehen, doch wählt sie ohne Wissen ihres Chefs hierfür ausgerechnet den Sonnenhof aus. Im weiteren Verlauf vertraut sich Diana, die Försterin, Judith an und teilt dieser mit, dass sie sich unter anderem von anonymen Anrufen bedroht fühle. Sollte es auf dem Hochsitz womöglich zu einer folgenschweren Verwechslung gekommen sein und der Anschlag ihr gelten? Und wer ist die geheimnisvolle Darshan, die wie vom Erdboden verschwunden ist?

In ihrem Debütroman stellt Autorin Gisa Klönne gleich mehrere Frauen in den Fokus der Handlung. Judith Krieger, die sich nach zwei Jahren noch immer die Schuld für den Tod ihres Kollegen gibt und im Alltagsleben keinen festen Halt findet. Stattdessen raucht und trinkt sie zu viel und kommt zudem mit ihrem neuen Partner Manfred Korzilius nicht klar. Nur sehr mühsam und erst nachdem Judith schon längst von dem Fall abgezogen wurde finden die so unterschiedlichen Ermittler zueinander. Laura, die minderjährige Geliebte ihres Lehrers, die es kaum erwarten kann endlich volljährig zu werden. Ihre eigene Familie ist zerstört, nachdem ihr Vater vor einigen Jahren in Afrika verschwand und als verschollen gilt und ihre Mutter seit Kurzem einen neuen Lebensgefährten hat. Diana Westermann, die Försterin, die einige Zeit in Afrika gelebt hat und nun seit wenigen Monaten wieder in Deutschland ist. Ihr Revier hätten auch andere Kollegen gerne gehabt, von denen sie – als Quereinsteigerin – misstrauisch beäugt und geschnitten wird. Da sie sich verfolgt fühlt, setzt ihr die Einsamkeit ihres Forsthauses zusätzlich zu. Juliane Wengert, die gehörnte Ehefrau, will nicht akzeptieren, dass ihr Mann außer einem einmaligen Ausrutscher noch weitere Affären hatte und macht sich so selbst zur Hauptverdächtigen. Welch ein Skandal, was sollen nur die Nachbarn denken? Also lieber Vertuschen und auf heile Welt machen.

Die glänzend gelungenen Charakterzeichnungen sind es vor allem, die Der Wald ist Schweigen lesenswert machen. Detailverliebt zieht einen die Autorin in die Handlung hinein und sorgt mit mehreren Handlungssträngen, die sich vor allem an den oben genannten Frauen orientieren, für Lesetempo. Deswegen gleich von einem Frauenroman zu reden, wäre jedoch mehr als ungerecht. Dazu versäumt es Gisa Klönne nicht, gleich mehrere Verdächtige aufzubauen. War es die eifersüchtige Ehefrau oder führt die Spur doch zu den Bewohnern des Aschrams wie Judith vermutet?

Die Ermittlungsarbeit wird authentisch beschrieben, wenngleich man beachten muss, dass der Roman bereits 2006 erschien. Nur so lässt sich (wenn überhaupt) erklären, dass die Kölner Kripobeamten keinen eigenen Internetzugang haben, sondern sich jedes Mal der Hilfe eines extra dafür abgestellten Kollegen bedienen müssen, was zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen führt. Dennoch überzeugt dieser Debütroman durchgängig, wenn man(n) vielleicht einmal von den letzten Seiten absieht. Alles was vorher beziehungstechnisch in Schutt und Asche lag, löst sich in Wohlwollen auf. Nichts gegen ein Happyend, aber…

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