Pass auf dich auf

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: William Heinemann, 2008, Titel: 'Cold in hand', Seiten: 405, Originalsprache
  • München: dtv, 2012, Seiten: 432, Übersetzt: Sophie Kreutzfeld

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Dieter Paul Rudolph
Mittelprächtiges von Charlie Resnick

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Mai 2011

Nottingham ist längst nicht mehr der Ort, an dem Robin Hood die Reichen ausraubt und die Armen beschenkt. Nottingham ist eine englische Stadt des 21. Jahrhunderts, in der Rassenkonflikte schwelen, ganze Stadtteile zerfallen, mit Menschen gehandelt wird, sich die Elenden gegenseitig umbringen und die Polizei nicht mehr fein säuberlich die Guten von den Schlechten trennen kann, nicht einmal in den eigenen Reihen. Zu dieser Truppe gehört auch Charlie Resnick, ein alternder Polizist kurz vor der Rente, Liebhaber des Jazz und seiner Kollegin Lynn Kellogg, mit der er zusammenwohnt. Für Lynn kommt es knüppeldick. Sie gerät in den Streit zweier Jugendbanden, ein Mädchen mit einem Messer bedroht sie, als Lynn es entwaffnet, fallen Schüsse. Das Mädchen ist tot, Lynn verletzt. Sofort verbreitet sich das Gerücht, die Polizistin habe das Mädchen als Schutzschild benutzt. Der Vater der Toten schwört Rache.

Mit diesem Fall beginnt John Harveys Roman und wie in den meisten Polizeiromanen bleibt es nicht dabei. Während Resnick Licht ins Dunkel des Attentats auf die junge Frau zu bringen versucht (wobei er in manches Fettnäpfchen tappt), macht Lynn ein anderer Fall zu schaffen, in dem sie ermittelt hatte und der jetzt zur Verhandlung ansteht. Ein albanischer Zuhälter hat eine Prostituierte ermordet, es gibt zwei Zeugen, aber die Verhandlung wird aus undurchsichtigen Gründen vertagt, der Angeklagte auf freien Fuß gesetzt, die Zeugen verschwinden. Und wäre dies noch nicht genug, löst Lynn nebenbei auch noch einen Doppelmord.

Das alles liest sich weder langweilig noch besonders aufregend. Harvey ist kein Reginald Hill, hier gibt es keine Doppelbödigkeiten, kein Satz muss zweimal gelesen werden. Bei einigen wünscht man sich gar, man hätte sie gar nicht gelesen. Das Deutsch der Übersetzung ist immer ein wenig holprig, was aber durchaus auch am Gehalt des Originals liegen kann, das auch ziemlich banal daherkommt, vor allem in den zahlreichen Details zum Privatleben der Protagonisten. Der erste von zwei Teilen des Romans ist also ein Dutzenderzeugnis aus der Abteilung englischer Polizeikrimi, wobei der routinierte Harvey seine Leserinnen und Leser wohl bei der Stange hält, aber es gibt stärkere Werke von ihm.

Dann aber, zum Ende dieses ersten Teils, geschieht etwas. Eine Überraschung, natürlich, und sie erlaubt Harvey, eine weitere Person in die Handlung einzuführen. Solche "Turns" kennt man von ihm und auch hier bringen sie etwas frischen Wind in das Geschehen. Die Geschichte erhält eine neue Dimension, eine neue Perspektive, was aber nicht ungeschehen macht, dass Harvey etliche seine handelnden Personen schlicht verschenkt. Die Familie des ermordeten Mädchens beispielsweise, dunkelhäutige Einwanderer, in denen genügend Potential zur Differenzierung steckt, die aber strikt in ihrer Holzschnittform agieren oder einfach nur "da" sind.

Jedenfalls: Der Roman nimmt noch einmal Fahrt auf, weg vom allzu zaudernden Resnick, hin zu mehr Wirklichkeit auch. Leider wirkt die Lösung zu aufgesetzt, so etwas in der Art hatte man erwartet. Nein, Pass auf dich auf gehört nicht zu den Highlights der Resnick-Serie, der Text balanciert quasi auf einer Mittellinie, ein guter Einfall bewahrt ihn vor dem Absturz in die Belanglosigkeit. Lesbar? Das wohl. Ein heißer Lesetipp? Eher nicht.

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Letzte Kommentare:
17.02.2013 21:46:21
krimitante

nichts was man wirklich gelesen haben muss. die etwas magere story wird aufgefüllt mit zu viel privatleben der ermittler. wobei die zwei ineinander verschachtelten fälle sehr realitätsnah sind, ebenso wie die polizeiarbeit. einen teil der auflösung erahnt man schon viel zu früh, worunter die spannung leidet. sprachlich ist das buch ebenfalls eher mittelmass. dieser band der reihe um den detective charlie resnick erweckt jedenfalls keinerlei neugierde auf den rest.