Dampfnudelblues

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Der Audio Verlag, 2011, Seiten: 4, Übersetzt: Christian Tramitz

Couch-Wertung:

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Jürgen Priester
A rechter Schmarrn

Buch-Rezension von Jürgen Priester Feb 2011

Der Dampfnudel-Blues könnte auch "Die Albernheiten des Franz Eberhofer" heißen und ein Stück aus dem Komödiantenstadl sein. Sollten der Vorgänger Winterkartoffelknödel und das im Herbst drohende Schweinskopf al dente ähnlichen Kalibers sein, dann hat Autorin Rita Falk im Krimi-Genre nichts zu suchen und sollte schnellstens ihren Platz auf der Krimi-Couch räumen. Das würde den Rezensenten auch von der undankbaren Aufgabe entbinden, über diesen Schmarrn wohlfeile Worte zu finden. Aber wenn´s denn sein muss.

Ein Titel wie Dampfnudel-Blues sollte eigentlich als Warnhinweis ausreichen, dass mit einem ernstgemeinten Krimi nicht zu rechnen ist. Aber auch Krimi-Parodien haben durchaus ihren Reiz und können recht unterhaltsam sein. Erwartet und unerwartet ist der Dampfnudel-Blues weder das eine noch das andere, sondern seichte Unterhaltung (das Wort Literatur kommt mir nicht in die Tastatur) in bayrischer Mundart ohne Dialekt, so dass es auch nördlich des Weißwurstäquators verstanden werden kann, wenn es denn etwas zu verstehen gibt.

In Dampfnudel-Blues erzählt der Eberhofer Franz, der unglücklicherweise Polizist ist, aus seinem ereignislosen Leben, das zwischen Mahlzeit und Brotzeit, zwischen Bett und Büro pendelt und einen ekstatischen Höhepunkt beim Feierabendbier in der Dorfkneipe findet. Als hätte er nicht schon genug Stress am Hals, wird doch glatt der Rektor der Realschule umgebracht. Aber der war wirklich ein Garstiger. Wie das wohl in Niederbayern so üblich ist, kümmert sich nicht eine Mordkommission um den Fall, sondern der jeweilige Dorfpolizist, also der Franz. Der hat eh von Nichts eine Ahnung, deshalb versucht er es halt mit seinen beschränkten Mitteln, in steter Hoffnung, dass dem Täter sein schlechtes Gewissen so sehr drückt, dass er sich hoffentlich selber stellt. Ob der das tut oder nicht, wird natürlich nicht verraten. Wenden wir uns lieber der einzig spannenden Frage zu. Nein, nein, nicht was am Abend auf den Tisch kommt, sondern kriegt der Franz am Ende seine Susi, denn die hat Reißaus vor ihm genommen. (Wer könnte sie nicht verstehen).

Geschmäcker sind verschieden und darüber streiten kann man auch nicht. Die viel zitierten Binsenweisheiten treffen umso mehr auf den Humor zu. Wir möchten dem Kollegen Franßen, der den Winterkartoffelknödel" besprochen hat, gerne glauben, dass er dort bissigen Witz und leicht anarchischen Humor entdeckt habe, nur im Dampfnudel-Blues ist nichts davon zu lesen. Sollte die Autorin ihr humoristisches Feuerwerk schon im ersten Teil abgebrannt haben? Nichts davon, wenn man die vielen begeisterten Leserkommentare anderswo berücksichtigt. Es muss am Rezensenten liegen, der, wie man munkeln hört, auch fast alle deutschen Comedians zum Kotzen findet. Der wendet jetzt ein, das es hier auf der Krimi-Couch doch um Krimis geht und nicht um Quatsch-Comedy à la Ätzend Schröder. Platte Witzchen erzählen – gut und schön – aber bitte woanders.

Wenn ihm schon die Geschichte selbst kein Lächeln abringen konnte, so hat der Rezensent sich wenigstens über das angehängte Glossar und über Omas Rezepte köstlich amüsiert. Das 19-Wörter-Glossar verklärt u.a. so ur-bayrische Begriffe wie Kelly Family oder Schniedl in der romaneigenen Schlichtheit, dass man eigentlich wieder ein Glossar bräuchte.... aber lassen wir das. Durch Schlichtheit zeichnen sich auch Omas Rezepte aus, die ohne weiteres aus der Hand eines Gourmetkoches, wenn nicht gar aus Dr. Oetkers Kochbuch für Anfänger stammen könnten. Das ist ein Surplus, das jeden Euro mehr für das Softcover rechtfertigt.

Dampfnudel-Blues ist als großformatiges Softcover (Klappenbroschur) zu erwerben. Schon die äußere Gestaltung des Buches lässt auf ein folkloristisch heiteres Interieur schließen. Es verwundert nur ein bisschen, dass der Deutsche Taschenbuch-Verlag (dtv) dafür seine Premium-Serie desavouiert, die bisher auch für inhaltliche Qualität stand. Aber Akzeptanz und Verkaufszahlen geben dem Verlag im Nachhinein Recht. Was macht es schon, dass das Krimigenre mit solchen Machwerken weiter in Verruf gebracht wird. Profit ist heute. Und Dampfnudeln muss man essen, solange sie heiß sind – sonst bekommt man den Blues.

Frau Falks Speisekarte lässt einiges zu wünschen übrig. Das Angebotene ist selbst bei unterkühlten 5° kaum genießbar, deshalb sollten alle Krimi-Gourmets die Finger davon lassen.

Dampfnudelblues

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