Rütlischwur

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2011, Seiten: 304, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2012, Seiten: 384, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Immer wieder auf der Schweizer Bestsellerliste - Kommissar Eschenbach

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2010

Kommissar Eschenbach nimmt mit seiner Familie eine mehrwöchige Auszeit in Vancouver. Dort besucht ihn Jakob Banz, ein ehemaliger Schulkollege und inzwischen Chef der Privatbank Duprey in Zürich. Der extra nach Kanada geflogene Banz macht Eschenbach ein traumhaftes Angebot, denn er möchte diesen als neuen Chief Compliance Officer verpflichten, nachdem der bisherige Jobinhaber Peter Durbach spurlos verschwunden ist. Banz befürchtet, dass Durbach vertrauliche Kundendaten entwendet hat und bittet daher Eschenbach intern zu ermitteln - bei Verdopplung seines bisherigen Gehaltes. Eschenbach, studierter Jurist und daher für den Job grundsätzlich geeignet, lehnt zunächst ab, doch nachdem er nach Zürich zurück kehrt muss er feststellen, dass sich in seiner Behörde einiges geändert hat.

 

"Wie es bei Fachsimpeleien gelegentlich vorkommt, blieben am Ende nur noch zwei abstrakte Worthülsen übrig: Gesetz und Wirklichkeit, von jeher zwei weit auseinander liegende Ufer, zwischen denen ein Meer brandete."

 

Zu viel um genau zu sein und so geht er auf das Angebot von Banz ein, der nur wenige Tage später in seinem Büro ermordet aufgefunden wird. Verdächtigt wird Banz neue Sekretärin Judith, die seitdem ebenfalls verschwunden ist. Dummerweise kann sich Eschenbach in Folge eines Unfalles kaum noch erinnern als er im Kloster Einsiedeln wieder zu Kräften kommt. Gemeinsam mit Bruder John versucht er, den mysteriösen Fall aufzuklären und muss entdecken, dass Judith ihm nicht nur nach dem Unfall das Leben gerettet hat, sondern auch sonst einige Geheimnisse mit sich bringt ...

Ein vertrackter Plot aus der undurchschaubaren Welt der Großfinanz

Michael Theurilliat hat mit der Kommissar-Eschenbach-Reihe offenbar den Nerv seiner eidgenössischen Landsleute getroffen, denn die Romane um den Kommissar ohne Vornamen finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten der Schweiz. Nicht zu Unrecht wie auch der vorliegende (vierte) Band eindrucksvoll belegt. Allerdings muss man bei Rütlischwur schon aufmerksam dem Geschehen folgen, denn die Geschichte ist nicht nur anspruchsvoll und inhaltlich vertrackt, sie spielt auch in verschiedenen Zeitebenen, die teils bunt durcheinander gewürfelt sind. Überraschend findet der Autor allerdings immer wieder den roten Faden und selbst die Auflösung lässt keine Fragen offen. Gerade wegen der ungewöhnlichen Struktur des Plots ist Rütlischwur eine Empfehlung an alle Krimifans, die es gerne komplexer haben.

Es ist ein für die Serie ungewöhnlicher Plot, denn der Kommissar ist gesundheitlich und geistig stark angeschlagen, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. In der Bank Duprey verschwindet seit längerer Zeit Geld, viel Geld, rund zehn Milliarden, doch niemand weiß wohin. Von fragwürdigen internationalen Waffengeschäften ist die Rede.

 

"Das Spektrum geht von der Pistole bis zur Panzerfaust. Alles, was man so ohne größere Ausbildung bedienen kann. Grob gerechnet, sind 700 Millionen davon in Umlauf. Dazu werden jährlich 14 Milliarden Schuss Munition geliefert - macht zwei Kugeln für jeden auf diesem Planeten."

 

Daher wird Judith in Folge einer Polizeiaktion in die Bank eingeschleust, um der Spur des verschwundenen Geldes zu folgen. Doch die junge Frau birgt einige Geheimnisse, zumal ihre familiäre Situation und Geschichte nahezu unbekannt ist. Klar ist nur, dass Bruder John sie damals als fünfjähriges Mädchen im Kloster Einsiedeln aufgenommen hat.

Der Plot spannt den Bogen von Hawala bis zu General Guisan

Wer erschoss Jakob Banz? Was geschah mit Peter Durbach? Wo sind die verschwundenen Milliarden der Bank? Wer ist Judith und was hat ein geheimnisvoller Ire mit der Sache zu schaffen? Fragen über Fragen, die für reichlich Spannung bis zum Schluss sorgen. Daneben gibt es intensive Einblicke in das oftmals verwirrende Arbeitsleben der international operierenden Banken sowie ein Banksystem, welches sich Hawala nennt und rein auf Vertrauen basiert. Was wäre, wenn dies zum Geschäftsmodell für Banken würde?

 

"Deine AuMs gehen den Bach runter."
"Meine was?"
"Assets ... die under Management."

 

Klar ist nur, dass dann auch noch die letzte Kontrollmöglichkeit verloren ginge. Der Rütlischwur führt übrigens zurück auf General Henri Guisan, der im Zweiten Weltkrieg für die Verteidigung der Schweiz eine recht zweifelhafte Strategie entwickelte...

Am Ende ein paar "Zufälle" zu viel

Wie in guten Serien üblich gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Figuren. Rosa, die Sekretärin, wechselt wie durch Zufall ebenfalls zur Bank und Claudio Jagmetti, der Stellvertreter Eschenbachs, ermittelt den Fall Banz für die Polizei. Eschenbachs Frau Corina und Tochter Kathrin machen sich einmal mehr rar, allerdings sind sie mit ihrem weiteren Aufenthalt in Kanada auch bestens entschuldigt.

Rütlischwur ist ein komplexer und dennoch sehr unterhaltsamer Thriller, der nicht zuletzt aufgrund seiner inhaltlichen Themenvielfalt eine klare Empfehlung ist. Allerdings muss festgehalten werden, dass vor allem in Bezug auf Judith ein bisschen zu viel des Guten konstruiert wurde.

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