Lenz

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2018, Seiten: 256, Originalsprache

Couch-Wertung:

80°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

9 x 91°-100°
0 x 81°-90°
2 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
1 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
1 x 1°-10°
B:83.384615384615
V:12
W:{"1":1,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":1,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":1,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":1,"93":0,"94":0,"95":0,"96":1,"97":2,"98":0,"99":1,"100":4}
Jörg Kijanski
Der beste Freund ein Terrorist?

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2019

Drei Monate war Kommissar Eschenbach nicht im Dienst, sondern mit seiner Tochter Kathrin in Amerika. Zurück in Zürich erfährt er vom aktuellen Fall: Walter Habicht, der tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Ivy Köhler, die in Eschenbachs Abwesenheit die Mordkommission leitete, war offenbar besonders fleißig, denn der Fall wurde bereits zu den Akten gelegt. Nierenversagen, keine Fremdeinwirkung.

Eschenbach sucht dennoch die Wohnung des Toten auf und wundert sich. Offenbar wurde jüngst ein Parkettboden verlegt, doch es lässt sich keine Firma finden, die diesen Auftrag durchgeführt haben will. Die Nachbarn haben Habicht nie gesehen, überhaupt schien dieser keine Freunde gehabt zu haben. Dabei war Habicht ein bekannter Wissenschaftler, der vor langer Zeit an der ETH Zürich als Professor Vorträge hielt bevor er in die USA zog.

Auf Nachfrage teilt man Eschenbach an der ETH mit, dass Habicht offiziell dort nie unterrichtet habe. Anweisung der Bundesanwaltschaft. Eschenbach will nochmals die Spurensicherung in Habichts Wohnung schicken, doch am Tag zuvor brennt das gesamte Haus nieder. Überrascht erfährt Eschenbach, dass das Mehrfamilienhaus Ewald Lenz gehört, seinem Freund, der lange Zeit bei der Züricher Kripo das dortige Archiv leitete. Aber woher sollte Lenz das nötige Geld für das Haus haben? Und noch wichtiger: Wo ist Lenz überhaupt?

Je länger man liest, desto besser wird es

Michael Theurillat gehört in der Schweiz zu den beliebtesten Krimiautoren, Kommissar Eschenbach ist dort Kult. Dabei erscheint der kauzige Kommissar vollends aus der Zeit gefallen zu sein, was seine Popularität maßgeblich erklären dürfte. Eschenbach geht noch zu Fuß durch seine Stadt, befragt mögliche Zeugen, trinkt aber auch gerne mal einen Kaffee oder raucht am See eine Brissago, obwohl er eigentlich im Büro arbeiten sollte.

Aber dort steht ein Computer und mit dem kann er nun mal nichts anfangen. Eschenbach ist „old school“ und dementsprechend ist auch der Roman angelegt. Ruhig, beschaulich und doch muss man aufpassen, denn die einzelnen Kapitel spielen zeitversetzt. Die angegebenen Daten zu Beginn jeden Abschnitts verdienen also durchaus die Aufmerksamkeit des Lesers.

Und plötzlich geht es um den Krieg in Syrien

Die Geschichte handelt von drei Freunden, die geniale Wissenschaftler hätten werden können. Walter Habicht, der zuletzt krankheitsbedingt seine Wohnung nicht mehr verlassen konnte oder wollte, dem titelgebenden Ex-Archivar und Isabel Cron, die gemeinsame Freundin der beiden Herren, wenngleich Lenz sie seit rund 40 Jahren nicht mehr gesehen hat. Lenz, daher der Titel des Romans, ist die eigentliche Hauptfigur und nimmt entsprechend viel Platz ein.

Er besucht unter denkwürdigen Umständen auf Wunsch von Habicht seine frühere Partnerin und erfährt mehr über deren und Habichts Leben als ihm lieb ist. Isabel war in vielen Ländern des Nahen Ostens für eine geheime, amerikanische Organisation tätig und so erfährt Lenz auch die wahren Hintergründe des Konflikts in Syrien. Oder zumindest das, was Isabel für wahr hält.

„Im Syrien-Krieg geht es weder um Religion noch um den eruptiven Aufstand eines Volkes gegen seinen Herrscher. Das ist alle Mumpitz. Demokratisierungsüberlegungen spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie der Terrorismus per se. Beim Konflikt in Syrien geht es im Wesentlichen um die Versorgung Europas mit Erdöl und Erdgas, um die Vormachtstellung Russlands in dieser Sache und um das Interesse einiger Golfmonarchien und der USA, hier ein Wörtchen mitreden zu wollen.“

Demnach ist hier die Nato aktiv, vor allem aber Amerika mit seinen Partnern Türkei, Katar und Saudi-Arabien. Es geht um Einfluss in Europa, genauer um Erdgas und somit auch um den Einfluss der Russen über Gasprom. Wer sich für aktuelle politische Themen, hier der „Krieg gegen Assad“, interessiert, erfährt eine neue Variante der Geschehnisse. Und deren mögliche Ursachen, denn wer weiß schon, was Wahrheit ist?

Auch diese Frage ist ein zentraler Aspekt des Romans. Wahrheit, Beeinflussung, fake news. Nach und nach führen die beiden Handlungsebenen (Lenz bei Isabel, Eschenbachs Recherchen) zueinander. Die Spannung steigt, das Lesetempo nicht. Hintergrundinfos statt Actionspektakel, geistiger Input statt hirnlose Ballerei.

Fazit:

„Lenz“ ist ein Roman, der nachwirkt. Sind wir wirklich – einmal mehr – richtig desinformiert worden, was die Hintergründe des Syrienkrieges betrifft? Böse Erinnerungen an die Griechenlandkrise werden wach, wo nicht die Griechen, sondern (nicht zuletzt deutsche) Banken gerettet wurden. Es gibt viele Fragen für Lenz und Eschenbach. Nicht viele der Antworten werden ihnen gefallen.

Lenz

Lenz

Deine Meinung zu »Lenz«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
10.06.2019 11:06:32
Oldman

Dieser Autor aus der Schweiz ist für mich eine Neuentdeckung. Er schreibt mit einer gewissen Gemütlichkeit, dennoch versteht er es Spannung aufzubauen und diese auch zu steigern. Was die Beschreibung der Entstehung des Syrienkrieges anbelangt, so bin ich nicht ganz sicher, ob der Autor hier zu Verschwörungstheorien neigt oder seine Darstellungen einen realen Bezug haben. Dafür fehlt mir als Normalbürger einfach das Hintergrundwissen, man ist halt nur auf öffentlich zugängliche Informationen angewiesen. Unter dem Strich aber ein lesenswerter Krimi der etwas anderen Art, werde mal sehen, ob mir auch noch andere Bücher von Theurillat in die Hände fallen.

26.05.2019 13:54:45
pele42

Ich habe alle Theurillat-Krimis gelesen und bin ungebrochen begeistert, von diesem vielleicht sogar am meisten. Denn "Lenz" ist nicht einfach nur ein Kriminalroman sondern ein Polit-Thriller der allerbesten Güte. Auch wenn der Autor von "frei erfunden" schreibt - in vielen weltpolitischen Analysen scheint er mir der Realität sehr, sehr nahezukommen. Ein Roman, der nachdenklich stimmt, in vielen, vielen Details. Dies mein erster Eindruck - ich werde den Roman gleich noch ein zweites Mal lesen, denn wahrscheinlich entdecke ich dabei noch weitere bedenkenswerte Details....

25.01.2019 17:17:01
Miss Marple

Eschenbachs 6. Runde
Als Kommissar Eschenbach nach seiner längeren Auszeit in den USA in die Schweizer Heimat zurückkehrt, stehen alle Zeichen auf Sturm:
Seine Vertretung im heimatlichen Kommissariat möchte ihren Platz nicht räumen, ein neuer Fall, der kurz vor dem Abschluss stand, wird von ihm neu aufgerollt und sein Kollege und Freund Ewald Lenz ist scheinbar auf die schiefe Bahn geraten und soll die Seiten gewechselt haben, was für Eschenbach unvorstellbar ist. In seiner ruhigen und bedächtigen Art macht er sich auf die Suche nach dem vermissten Freunde und taucht dabei tief ein in brisante Verwicklungen ein, bei denen der Autor viele der aktuellen politischen Themen bedient.
Wer einen reißerischen Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Der Autor präsentiert seinen Helden, wie bisher immer, durch ruhiges und wohldurchdachtes Herangehen an die Probleme in seinem Schweizer Polizeialltag. Das zeichnet die Reihe aus, die viel Wert auf die Entwicklung der Figuren in den einzelnen Bänden legt. Die Kenntnis der vorherigen Teile ist hilfreich, aber kein Muss. Schnell steigt man auch als Neuentdecker des Autors ein und bekommt vielleicht sogar Lust, das bisher Versäumte nachzuholen.

19.01.2019 16:42:20
Hiclaire

Mir ist nicht klar gewesen, dass es sich um den sechsten Teil einer Reihe handelt. Aber das hat mein Vergnügen an diesem großartig geschriebenen Roman in keiner Weise getrübt. Tatsächlich freue ich mich darauf, alsbald die vorangegangenen Bände zu lesen und habe mir den ersten bereits gekauft.
Ich weiß ja nicht, wie es sich bei den anderen „Fällen“ verhält, aber selbst wenn ein Kommissar ermittelt, gibt es in diesem hier keinen spannungsgeprägten klassischen Krimiplot,. Von daher sind die enttäuschten Erwartungen mancher Leser durchaus verständlich.
Kommissar Eschenbach kehrt zurück aus einer dreimonatigen Auszeit in Kalifornien und sieht sich völlig frustrierten Kollegen gegenüber, die mit seiner überraschend eingesetzten Stellvertreterin so gar nicht zurechtkommen. Hastige und schlampige Ermittlungen in einem Todesfall geben ihm zu denken. Er ist nicht bereit, sich mit den vorschnellen Ergebnissen zufrieden zu geben und bohrt nach. Möglicherweise ist ein guter Freund in die Sache verwickelt – Lenz – den er gerade jetzt vergeblich zu kontaktieren versucht. Die einzelnen Handlungsstränge, jeder für sich interessant, werden wechselweise fortgeführt und ergeben am Ende ein schlüssiges Ganzes.
Der mir bis dato unbekannte Autor entwickelt hier eine ziemlich komplexe Geschichte, die immer wieder tief in die Vergangenheit der Hauptfiguren zurückgeht um die aktuellen Geschehnisse verständlich zu machen. Was mir hier so gut gefallen hat, sind die Inhalte und die Erzählweise. Seine klugen Protagonisten lässt er entsprechend kluge, jedoch stets unterhaltsame Gespräche führen, und offenbart dabei ein illusionsloses, bisweilen zynisches Bild der heutigen Gesellschaft und der politisch-wirtschaftlichen Verstrickungen. U. A. bietet er einen (für mich) anderen Blick auf die Konflikte in Syrien und die dortige Interessenlagen. Keine Ahnung, ob das jetzt genau den Tatsachen entspricht, aber ich bin sicher, der Autor hat das recherchiert und leider klingt es für mich so gar nicht nach reiner Fiktion.
Und weil all das so rund und flüssig und jederzeit verständlich erzählt, dazu mit erfrischenden, heiter-unterhaltsamen Momenten aufgelockert wird, wie z. B. das Zusammenspiel von Kommissar Eschenbach und zwei jungen Angehörigen der „digitalen Generation“ bei einer nicht ganz legalen Aktion, hat mir das Lesen ungeheuren Spaß gemacht.

19.01.2019 16:14:40
mrsrabes bookaccount

Kommissar Eschenbach hat sich eine Auszeit gegönnt. Doch als er in den Zürcher Polizeidienst zurückkehrt, ist alles ganz anders als früher. Bald hat er das Gefühl, dass er von wichtigen Informationen abgeschnitten wird. Kein Wunder, denn sein Freund Ewald Lenz, ehemals Leiter des Polizeiarchivs, wird als Terrorist verdächtigt.
Es ist ein sehr geschickt konstruierter Kriminalroman, den Michael Theurillat vorgelegt hat. Es ist mittlerweile der sechste Band, in dem Kommissar Eschenbach ermittelt. Das spielt aber für Quereinsteiger in diese Reihe keine Rolle. Theurillat schildert diesen Fall in zwei Erzählsträngen und verschiedeneren Zeitebenen. Wie gut kennt Lenz seine Freunde? Ewald Lenz ist eine Einzelgänger. Für den gesundheitlich stark angeschlagenen Walter Habicht, einem Studienkollege, den Lenz seit mehr als 40 Jahren kennt, erfüllt er einen Freundschaftsdienst und gerät unversehens unter Terrorverdacht.
Dieser literarisch ansprechende Kriminalroman ist keine durchschnittliche Massenware, kein Reißer. Subtil, mit Schweizer Gründlichkeit, ja nahezu beschaulich erzählt Theurillat. Aber deswegen ist die Handlung nicht weniger spannend und bedrohlich. Der Autor betont zwar in seinem Nachwort, dass es sich bei seinem Werk um reine Fiktion handelt. Aber was er erzählt, könnte genausgut wirklich so passiert sein. „Manchmal ist die Realität noch verrückter als meine Fantasie.“, erklärt er. Dem kann, muss man zustimmen. Theurillat geht mit der Mittelmäßigkeit, dem Mainstream zu Gericht, mit der digitalen Generation, die beeinflussbar geworden ist durch gezielte Falschinformationen, alternativen Fakten in (Sozialen) Medien, die denkfaul geworden ist, die sich bestätigt fühlt, deren Ängste künstlich geschürt wird, die den Wahrheitsgehalt von Informationen nicht mehr hinterfragt, weil sie sich nur mehr in der Blase bewegt, die ihr recht gibt. Es ist ein brandaktuelles Thema, großartig umgesetzt.

27.11.2018 10:05:19
TochterAlice

Der Lenz ist da! Zumindest im Bewusstsein seines ehemaligen Kollegen Kommissar Eschenbach - aber jetzt, wo er dringend gebraucht wird, ist er nicht aufzufinden. Es geht nämlich um einen mysteriösenTodesall, bei dem alle Indizien auf Lenz, den ehemaligen Archivar der Kantonspolizei und Eschenbachs engen Freund hindeuten. Dieser bekommt alle Hände voll zu tun und das gerade jetzt, wo er ganz andere Probleme hat: nach der Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten hat man ihm eine jüngere Kollegin an die Seite gestellt - und das, obwohl er doch eigentlich der alleinige Chef seiner kleinen, aber feinen Truppe ist. Und mehr noch: er hat das ungute Gefühl, man versuche ihn auszuhebeln: warum nur?

In einem zweiten Erzählstrang erfährt der Leser, was Eschenbach nicht weiß: Lenz war auf dem Weg nach Deutschland zu einer alten Bekannten, um einen überaus geheimnisvollen Auftrag zu erfüllen.

Wie hängt das alles zusammen und was hat der große weltpolitische Kontext, auf den der Fokus auch irgendwann gerichtet wird, damit zu tun? Mit den Ereignissen in Syrien in den letzten Jahren beispielsweise.

Ein großer Bogen ist es, den der Schweizer Michael Theurillat hier schlägt, doch ist ihm dieser durchaus gelungen. Alle Zusammenhänge lösen sich auf die überraschenste Weise auf und das in einem Kriminalroman, der eher langsamen, nachdenklichen Art, was sich sowohl auf den Schreibstil als auch auf die Entwicklung der Geschehnisse bezieht. Für diese Lektüre sollte man definitiv Geduld sowie Gründlichkeit mitbringen, denn obwohl der Band eher kurz ist, erfordert er einen bedächtigen und vor allem umsichtigen Lesestil, man sollte jeden kleinsten Aspekt, jeden Hinweis beachten und im Zuge der weiteren Vorgänge berücksichtigen.

Ich bin sehr angetan von meiner erstmaligen Lektüre eines Theurillat-Krimis, der sicher nicht der Letzte dieses Autors sein wird, den ich zur Hand nehme. Obwohl die Eschenbach-Krimis eine Reihe bilden, hatte ich überhaupt keine Probleme mit dem Einstieg. Eine Empfehlung für Krimifreunde, die Literarisches und Tiefgründiges lieben!

22.11.2018 07:26:59
anyways

Kommissar Eschenbach kehrt nach einer dreimonatigen Auszeit auf Kommissariat zurück. Dass ihm deswegen rote Teppiche ausgerollt werden, hat er gar nicht erwartet, dass aber seine Vertretung Ivy Köhler jetzt auch noch seine Stellvertreterin wird geht ihm gehörig gegen den Strich. Erschwerend kommt hinzu, dass sie den Tod eines Wissenschaftlers sofort als Selbstmord einstuft und sämtliche Ermittlungen boykottieren will. Eschenbachs Neugier ist geweckt. Der Tote, Walter Habicht, hat keine Bekannten, Verwandten oder Freunde. Eine Assistenzprofessur an der Uni Zürich ist ein Hinweis, aber kaum will Eschenbach diesem Hinweis nachgehen, wird er ausgebremst. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet und verhindert die Herausgabe von Informationen seitens der Universität. Nur eins kann Eschenbach noch herausfinden, der Tote war wohl aktiver Teil eines Terrornetzwerkes. Das ist alles höchst mysteriös.
Unterdessen erweist Edward Lenz, langjähriger Kollege und Freund Eschenbachs, einem anderen Freund einen großen Freundschaftsdienst. Lenz möchte doch bitte einer gemeinsamen Freundin, die Lenz jedoch vor über vierzig Jahren das letzte Mal sah, ein Päckchen nach Deutschland überbringen. Lenz soll sich dabei an einen bestimmten Zeitplan und eine bestimmte Reiseroute halten. Für eine lange Zeit verschwindet Lenz von der Bildfläche und Eschenbach kann ihn nicht erreichen. Dabei ist die Lage etwas heikel, denn Eschenbachs Nachforschungen haben ergeben, dass Lenz ein Kommilitone Habichts war. Standen sie eventuell noch in Verbindung? Für Ivy Köhler wird Lenz jetzt zum Hauptverdächtigen.


„Die Wahrheit – sofern sie sehr unwahrscheinlich erscheint – glaubt einem niemand. Sie ist besser als jede Lüge.“

Es ist mein erster Krimi von Michael Theurillat und so brauchte ich ein wenig Zeit, um mich mit seinem Schreibstil vertraut zu machen. Kurze prägnante Sätze, Dialoge denen zu folgen für mich nicht immer ganz einfach waren, unterbrochen von großzügigen Absätzen. Die Gewöhnungszeit nahm ungefähr ein Drittel des Buches ein, dann hatte ich mich mit allen Haupt- und Nebenakteuren bekannt gemacht. Erleichtert haben dies der stetige Spannungsaufbau und die ungemein interessante Entwicklung der Story.
Lenz ist in meinen Augen kein klassischer Krimi, denn hier liegt der Fokus eindeutig auf einer politischen Abhandlung über den Bürgerkrieg in Syrien, seine Entstehung, die Rolle der westlichen, östlichen und nahöstlichen Staaten und seine Auswirkungen auf den weltweiten Terrorismus. Auch die mediale Manipulation wird thematisiert.
Michael Theurillat ist nicht der erste Autor, der den Syrienkonflikt aktiv in seine Handlungen einbezieht. Für mein politisches Verständnis ist er jedoch der Erste der in seinen Aussagen der Wahrheit ziemlich nahe kommt.
„Im Syrien-Krieg geht es weder um Religion noch um den eruptiven Aufstand eines Volkes gegen seinen Herrscher. Das ist alles Mumpitz. Demokratisierungsüberlegungen spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie der Terrorismus per se…….Beim Konflikt in Syrien geht es im Wesentlichen um die Versorgung Europas mit Erdöl und Erdgas, um die Vormachtstellung Russlands in dieser Sache und um das Interesse einiger Golfmonarchien und der USA, hier ein Wörtchen mitreden zu wollen.“

Fazit: Ein fast politischer Krimi mit einer sehr realistischen Abhandlung.

16.11.2018 16:19:06
subechto

Eine Frage der Perspektive

Was für ein Prolog. Sehr mysteriös. Der Biologe Walter Habicht diktiert einen Brief an einen Freund. Handelt es sich um Ewald Lenz? Danach wird eine Nobelpreis-Medaille versteigert. Warum hat der Besitzer, James Watson, sie verkauft? Und was hat Lenz mit der Sache zu tun?
Etwa ein halbes Jahr später erhält Lenz einen Anruf von Habicht, der ihn um einen Gefallen bittet: Lenz soll ein Päckchen zu Isabel nach Freiburg bringen.
„Lenz“ von Michael Theurillat ist bereits der 6. Fall für den Leiter der Zürcher Kriminalpolizei, Kommissar Eschenbach (ohne Vornamen). Nichtsdestotrotz hatte ich als Neueinsteiger keine Verständnisprobleme.
Zwei komplexe Handlungsstränge, zeitlich versetzt, gilt es zu verfolgen. Zum einen der Besuch von Lenz bei Isabel. Eine Reise in die Vergangenheit. Es geht unter anderem um ihre Rolle im Syrienkonflikt. Zum anderen die Ermittlungen von Eschenbach. Denn Habicht wurde inzwischen tot aufgefunden und sein Freund Lenz steht nun unter Terrorverdacht.
„Lenz“ ist ein unblutiger Kriminalroman, der Terrorismus und den Syrienkrieg thematisiert. Auch eine wertvolle und seltene Münze spielt eine Rolle. Ein bisschen Politthriller, anspruchsvoll und inhaltlich vertrackt mit einem dramatischen Ende. Gelungener Mix aus Fakten und Fiktion. Ein Krimi, der für meinen Geschmack etwas spannender hätte sein können.

Fazit: Band 6 der Kommissar Eschenbach-Reihe. Empfehlung an alle, die es gern komplexer mögen.

14.11.2018 14:56:50
Gelinde

Lenz, von Michael Theurillat

Cover:
Sehr nüchtern. (passt).

Inhalt:
Kommissar Eschenbach kommt gerade von einer Auszeit in USA zurück.
Sein langjähriger Freund, Ewald Lenz, ein brillanter Kopf, der nie wirklich Karriere gemacht hat, sondern im Polizeiarchiv gearbeitet hat, verschwindet und gerät ins Fadenkreuz internationaler Ermittlungen: Terrorverdacht.

Meine Meinung:
Dies ist mein erster Krimi um Kommissar Eschenbach.
An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, er ist zwar flüssig und gut zu lesen, aber die Zeitsprünge (obwohl immer das Datum und die Uhrzeit dabei steht) verwirrten mich doch manchmal.
Der Krimi beginnt spannend, doch dann wird es immer mysteriöseres, wird immer politischer und durch die kaum zu durchschauende Weltpolitik und das mehr oder weniger gelenkte Chaos im Nahen Osten, wird es für mich immer zäher und undurchschaubarer.
Das Ende kommt dann sehr abrupt.

Die Spannung vom Anfang ist bei mir relativ schnell verpufft.
Die Protagonisten waren für mich undurchschaubare Einzelkämpfer, das Thema Terror ist zwar allgegenwärtig (und ja auch aktuell), aber hier zu verwirrend (und evtl. zu dick aufgetragen) um mich zu berühren.

In meinen Augen hat Kommissar Eschenbach auch nicht groß ermittelt, sowie auch Lenz die ganze Zeit über manipuliert und gelenkt wurde.

Autor:
Michael Theurillat, geb. 1951 in Basel, studierte Wirtschaftswissenschaften, Kunstgeschichte und Geschichte und arbeitete jahrelang im Bankgeschäft. Die Romane mit Kommissar Eschenbach sind einer der beliebtesten Krimiserien der Schweiz.

Mein Fazit:
Ein Krimi den ich mehr als Thriller sehe, wenn mich der Nahe Osten und die (gelenkten) politischen Machenschaften dort interessieren.
Von mir 3 Sterne.

13.11.2018 16:52:05
leseratte1310

Kommissar Eschenbach kehrt nach einer Auszeit wieder an seinen Arbeitsplatz zurück, wo eine bedrückte Stimmung herrscht. Seine Stellvertreterin Ivy Köhler hat keine Lust ihren Platz wieder zu räumen und macht es Eschbach nicht leicht. Sein Freund und Kollege Ewald Lenz ist verschwunden. Er steht unter Terrorverdacht. Der Todesfall des 62-jährigen Walter Habicht wird schnell als Selbstmord zu den Akten gelegt, doch Eschbach mag das nicht glauben und beschäftigt sich intensiv mit der Sache.
Es ist ein ungewöhnlicher Krimi, den Michael Theurillat uns in einem klaren Schreibstil mit Schweizer Einschlag präsentiert. Ich wusste nicht, dass dieses Buch Teile eine Reihe um Kommissar Eschenbach ist.
Obwohl es eigentlich ruhig zugeht, ist die Geschichte dennoch spannend. Die Charaktere sind gut dargestellt. Kommissar Eschbach ist ein guter Polizist, der beharrlich an einer Sache dranbleibt, wenn er Zweifel hat. In diesem Fall ist er sogar persönlich betroffen, da sein alter Freund Lenz involviert ist.
Es ist schon merkwürdig, dass der Tote in seiner eigenen, allerdings leergeräumten Wohnung gefunden wird. Scheinbar hatte er keine Bekannten oder Freunde, doch Lenz und Habicht haben sich aus Studienzeiten gekannt. Gibt es einen Zusammenhang?
Es ist ein gesellschaftskritischer Roman, der aktuelle Themen aufgreift, wie Terrorismus, Meinungsmache und kriegerische Konflikte. Einige Elemente beruhen auf wahren Situationen.
Ein anspruchsvolles und tiefgründiges Buch.

12.11.2018 10:09:24
Odenwaldwurm

Ewald Lenz ist ein brillanter Geist. Trotzdem hat er nie wirklich Karriere gemacht. Er arbeitete im Polizeiarchiv Zürich und führt ein unauffälliges Leben. Kommissar Eschenbach ist einer der wenigen Freunde, die er hat. In der Vergangenheit hat lenz dem Kommissar immer wieder Informationen zugespielt, ohne die Quellen preiszugeben. Nun ist lenz selbst ins Fadenkreuz internationaler Ermittlungen geraten. Eschenbach hält das für einen großen Irrtum. Als er seinen Freund damit konfrontierten will, ist Lenz verschwunden… (Klappcovertext vom Buch)
Ich bin sehr gut in die Story gekommen. Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig geschrieben. Die Charaktere sind sehr bildlich beschrieben. Besonders Eschenbach hat mir sehr gut gefallen, aber auch Lenz als zweite Hauptfigur ist sehr interessant. Die Story spielt auf der einen Seite in Zürich und der andere Teil im Schwarzwald. Die Story fängt ganz harmlos an, Eschenbach kommt nach ein paar Monaten Auszeit nach Zürich zurück und gleich mach ihn seine Sekretärin auf einen Fall aufmerksam. Er solle sich den Fall doch genauer ansehen, da seine Vertretung die Akte zu schnell schließen will. Eschenbach findet den Fall auch sehr seltsam, besonders was um den Toten herum passiert. Er bekommt keine Info von der Uni wo der Tote gearbeitet hat, das Wohnhaus brennt ab und …. Eschenbach hat Fragen über Fragen. Wird er sie lösen können? Besonders da der Tote der Mieter seines Freundes Lenz ist, aber wo ist letzt und was macht er? In was ist Lenz da hinein gekommen? Ein überraschendes Ende wartet auf euch. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen und es hat mir gut gefallen. Da ich auch viele bekannte Orte wieder sehen durfte und mein Kopfkino sehr aktiv war.
Ich kann den Krimi nur sehr empfehlen. Er war kein Krimi mit vie Aktion, aber sehr unterhaltsam geschrieben und wir wurde eine Minute langweilig. Ich werde sicherlich jetzt noch ein paar alte und neue Fälle mit Eschenbach lesen.
4,5 Sterne für den Krimi

12.11.2018 08:32:19
kkarin

„Die Bedeutung des Einzelnen für die Welt“ oder „Wo ist Lenz, wenn man ihn braucht?“

Zum Inhalt:
Kommissar Eschenbach kehrt nach seiner mehrmonatigen Auszeit bei der Tochter in den USA nach Zürich zur Kantonspolizei zurück. Doch während seiner Abwesenheit hat sich das Klima in seiner Abteilung, der er als Leiter der Zürcher Kriminalpolizei vorsteht, massiv verschlechtert. Maßgeblich daran beteiligt: Dr. Christine Saager, Polizeichefin, die eine Ivy Köhler als interimistische Leiterin aus dem Hut gezaubert hat, die zudem nach Eschenbachs Rückkehr nicht wieder ausscheidet, sondern als dessen Stellvertreterin im Team bleiben soll!
Und dann der gerade am Tisch liegende Fall eines erst nach mehreren Tagen in seiner Wohnung tot aufgefundenen Siebzigjährigen! Wieso drängt Ivy Köhler derart, den Fall als „natürlichen Tod“ zu schließen, zumal Eschenbach beim „ersten Hinsehen“ Ungereimtheiten auffallen?
Er beschließt, dem Ganzen unter dem Radar von Saager/Köhler nachzugehen und sein Netzwerk vertrauenswürdiger Personen zu nutzen! Doch wo ist einer seiner wichtigsten Freunde und Informationsquellen, Ewald Lenz, der pensionierte Polizeiarchivar? Was für eine Weltentdeckung macht er in seiner Mühle? Und wieso sieht Ivy Köhler in Lenz plötzlich ein Bedrohungspotential mit internationalen terroristischen Verbindungen?

Meine Meinung:
Plot:
Da ich bislang bis auf Martin Suter keine Schweizer KrimiautorInnen oder in der Schweiz spielende Krimis gelesen habe, war ich auf Michael Theurillats LENZ schon sehr gespannt, da sowohl der Klappentext als auch die Leseprobe eine Reise in die Schweiz und Pharmaindustrie versprachen.

Schnell erahnte ich, dass meine literarische Reise noch viel weiter gehen wird, denn ich wurde Dank des flüssigen und inspirierenden Erzählstils Theurillats mit einer außergewöhnlichen Freundschaft dreier ehemaliger Studienkollegen, dem weltweiten Streben nach Geld, Macht und Einfluss inklusive der damit einhergehenden militärischen Verstrickungen bishin zum Syrien-Krieg und brillanten gesellschafts-politischen und philosophischen Betrachtungen zur Informations-(Un-)Kultur unserer heutigen Zeit überrascht. Und ich war auch erstaunt, wie allein man in einem westlichen Land dastehen kann und zu welchen „Stilblüten“ man sich genötigt sieht …

Besonders spannend fand ich dabei, die weltweiten Geschehnisse aus der Sicht eines „neutralen“ Schweizers präsentiert zu bekommen, der zudem kritisch den Anteil seines Heimatslandes am weltweiten Geschehen hinterfragt.

Protagonisten:
Theurillats beschreibt seine Charaktere derart gut, dass ich mich schnell in sie einfühlen konnte. Besonders gelungen ist ihm die Skizzierung von Kommissar Eschenbachs, der mir von Beginn an sympathisch war, nicht zuletzt, weil er sich treu bleibt, weiter „schnüffelt“, auch wenn andere ihn davon abhalten wollen: einerseits, weil er es als seine polizeiliche/gesellschaftliche Pflicht ansieht und andererseits, weil er persönlich am Verbleib seines Freundes interessiert ist und last but not least wegen seines Lebensmottos „Es komme schon alles gut.“
Zudem – im Vergleich zu vielen anderen Krimi-Kommissaren - erfrischend, dass er sich eine Aus-Zeit gegönnt hat, eine innige Beziehung zu seiner Tochter führt und auf langjährige Freunde zurückgreifen kann.

Auch Ewald Lenz, der die Wahrheit der Bibliotheken liebt, wird wunderbar charakterisiert, weshalb auch gut nachvollziehbar ist, weshalb Eschenbach den Austausch mit ihm schätzt, wenngleich sowohl er als auch ich als Leserin nicht jedem Gedankengang von Lenz inhaltlich zustimmen können, Lenz uns aber zumindest dazu bringt, nachzudenken und einen eigenen Standpunkt zu schärfen oder überhaupt erst einzunehmen.

Neben Eschenbach und Lenz sind es auch die NebendarstellerInnen wie zB Rosa Mazzoleni (Sekretärin mit italienischen Wurzeln) und Claudio Jagmetti (team-intern als Eschenbachs Vertretung Auserkorener) sowie der Pathologe, die mir Lust machen, die gesamte Eschenbach-Reihe kennenzulernen.

Schweizer Lebensgefühl:
Am Alltagsleben der Protagonisten lässt sich neben geographischen Details Zürichs auch gut in die hiesige Lebensart einfühlen, wie zB ins Sprüngli oder Tabaklädeli zu gehen oder sich Friandises zu gönnen. Die Viersprachigkeit – vor allem Schweizer-Deutsch, Italienisch und Französisch – blitzt vielerorts auf, erschließt sich jedoch bei mangelnden Schweiz- oder den jeweiligen Sprachkenntnissen nicht gänzlich. Dafür wird man mit einer internationalen Note – dem Umgangs-Englisch Eschenbachs, der gerade aus den USA zurückkehrt, versöhnt (holy shit).

Fazit:
Ein Schweizer Krimi, der sich über die Genre-Grenze hinaus als überraschend geistreicher, unterhaltsamer und inspirierender Roman entpuppt. Eine klare Leseempfehlung an alle, die sich mit weltweiten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen auseinandersetzen wollen.

04.11.2018 09:05:51
buchleserin

Kommissar Eschenbach ermittelt diesmal auf eigene Faust. Sein Freund Ewald Lenz ist verschwunden und nach ihm wird gefahndet. Eschenbach glaubt nicht daran, dass Lenz die Seiten gewechselt haben soll. Ein Biologe nimmt ein Gespräch, Erläuterungen zum Verhalten der Menschen, für einen Freund mit dem Diktiergerät auf. Im Auktionshaus Christies bietet ein anonymer Mann fast 5 Millionen Dollar für eine vergoldete Medaille von Alfred Nobel. Was hat Lenz mit der Sache zu tun?

Dieser Kriminalroman fängt interessant an und lässt sich gut lesen. Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht auf die weitere Handlung. Wird Kommissar Eschenbach seinem Freund helfen können und die Wahrheit aufdecken? Ich war gespannt auf die Ermittlungen.
Die Idee dieses Romans hat mir ganz gut gefallen, jedoch fand ich die Umsetzung nicht so ganz gelungen. Einige Kapitel fand ich doch sehr langatmig und zäh zu lesen. Ich hatte auf etwas mehr Spannung gehofft. Kommissar Eschenbach hat mir als Ermittler ganz gut gefallen und auch seine nervenden Nachfragen. Nach einer Auszeit ermittelt er nun wieder . Die anderen Charaktere fand ich nicht so interessant. Der Anfang dieses Kriminalromans war ganz interessant, der Mittelteil sehr zäh und langatmig. Der Schluss hat mir wiederum ganz gut gefallen. Die Verknüpfung der Erzählstränge ist gut gelungen. Insgesamt konnte mich die Handlung leider nur so mittelmäßig begeistern. Aber das ist meine Meinung. Ich kenne auch die vorherigen Kommissar Eschenbach Romane nicht.

02.11.2018 10:27:12
TochterAlice

Der Lenz ist da: Zumindest im Bewusstsein seines ehemaligen Kollegen Kommissar Eschenbach - aber jetzt, wo er dringend gebraucht wird, ist er nicht aufzufinden. Es geht nämlich um einen mysteriösenTodesall, bei dem alle Indizien auf Lenz, den ehemaligen Archivar der Kantonspolizei und Eschenbachs engen Freund hindeuten. Dieser bekommt alle Hände voll zu tun und das gerade jetzt, wo er ganz andere Probleme hat: nach der Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten hat man ihm eine jüngere Kollegin an die Seite gestellt - und das, obwohl er doch eigentlich der alleinige Chef seiner kleinen, aber feinen Truppe ist. Und mehr noch: er hat das ungute Gefühl, man versuche ihn auszuhebeln: warum nur?

In einem zweiten Erzählstrang erfährt der Leser, was Eschenbach nicht weiß: Lenz war auf dem Weg nach Deutschland zu einer alten Bekannten, um einen überaus geheimnisvollen Auftrag zu erfüllen.

Wie hängt das alles zusammen und was hat der große weltpolitische Kontext, auf den der Fokus auch irgendwann gerichtet wird, damit zu tun? Mit den Ereignissen in Syrien in den letzten Jahren beispielsweise.

Ein großer Bogen ist es, den der Schweizer Michael Theurillat hier schlägt, doch ist ihm dieser durchaus gelungen. Alle Zusammenhänge lösen sich auf die überraschenste Weise auf und das in einem Kriminalroman, der eher langsamen, nachdenklichen Art, was sich sowohl auf den Schreibstil als auch auf die Entwicklung der Geschehnisse bezieht. Für diese Lektüre sollte man definitiv Geduld sowie Gründlichkeit mitbringen, denn obwohl der Band eher kurz ist, erfordert er einen bedächtigen und vor allem umsichtigen Lesestil, man sollte jeden kleinsten Aspekt, jeden Hinweis beachten und im Zuge der weiteren Vorgänge berücksichtigen.

Ich bin sehr angetan von meiner erstmaligen Lektüre eines Theurillat-Krimis, der sicher nicht der Letzte dieses Autors sein wird, den ich zur Hand nehme. Obwohl die Eschenbach-Krimis eine Reihe bilden, hatte ich überhaupt keine Probleme mit dem Einstieg. Eine Empfehlung für Krimifreunde, die Literarisches und Tiefgründiges lieben