Scheinheilige Samariter

  • Grafit
  • Erschienen: Januar 1994
  • Dortmund: Grafit, 1994, Seiten: 215, Originalsprache
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Thomas Kürten
50°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Ein Krimi mit zu wenigen Akteuren

Der Bochumer Theo Pointner ist mit seinen Kriminalromanen seit langer Zeit fester Bestandteil des Programms des renommierten Grafit-Verlages. Die meisten hier vertretenen Autoren schreiben unterhaltsame, einfache und leicht zugängliche Kriminalstorys. Und da dieser Dortmunder Verlag vermutlich seine treuesten Leser im Ruhrgebiet hat, sind Romane, die hier spielen, bei der Stammleserschaft immer wieder gern gesehenes Lesefutter.

Nachdem Pointner mit seinem Debütroman Tore, Punkte, Doppelmord einen in den Medien beachteten Erfolg landen konnte, legte er zwei Jahre später mit "Scheinheilige Samariter" nach. Der Verwaltungsangestellte in einem Bochumer Krankenhaus begab sich damit auf vertrautes Terrain, denn nach seinem Erstling, einem Sportkrimi, verlegte er Verbrechen und Ermittlungen auf ein Hospital und dessen Dunstkreis.

Mordsspaß auf dem Betriebsfest

Nach einer heftigst alkoholdurchtränkten Belegschaftsfeier im Krankenhaus erwacht der Verwaltungsangestellte Ulli Zander am nächsten Morgen aus dem Promillekoma. Er hat weder Ahnung, was am vorangegangenen Abend alles geschehen, noch wie er nach Hause gekommen ist. In der Klinik wird Schwester Martina vermisst, die zufällig in der Wohnung direkt über Ulli wohnt. Da er schon mal ihre Blumen gießt, hat er einen Schlüssel und schaut nach, entdeckt aber nur zwei große Einkaufstaschen voller Pillen. Martina bleibt verschwunden, bis 1 Woche später ein Rentner ihre Leiche an einem Stausee entdeckt. Da die Bochumer Polizei von der Fahndung nach einem Kindermörder beinahe lahmgelegt ist, erhält Berthold Hofmann den Fall und somit seine erste echte Bewährungsprobe. Einzige Hilfe ist ihm eine neue Kollegin, die junge und äußerst attraktive Katharina Thalbach.

Etliche Indizien sprechen gegen Ulli Zander, aber die jungen Polizisten müssen einsehen, dass er von unverhoffter Seite ein einwandfreies Alibi erhält. Sie sträuben sich zwar, aber an den hanebüchenen Erklärungen des Verwaltungsangestellten könnte doch etwas Wahres hängen. Und als sie endlich mit dem Druck ihres Vorgesetzen im Nacken in der Vergangenheit der Toten wühlen, finden sie eine erste Spur.

Der Mörder ein Kaninchen?

Unterhaltsam ist dieser Roman, zufrieden stellend kann man ihn aber nicht bezeichnen. Es fehlen ihm einfach die Figuren, die ihn zu einem durchschnittlich gutem Krimi machen würden. Vier Akteure (Ulli Zander und seine neue Freundin Katrin, die Kommissare Hofmann und Thalbach), ein paar Randfiguren, aber keine Verdächtigen. Der Mörder wird dann auf den letzten Seiten wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Wie hätte es anders sein sollen, wenn der Autor keine Alternativen anbietet?

Dabei zeigt Pointner durchaus auch in diesem seinen zweiten Roman Talent zum Schreiben. Das Polizeiduo hat Potenzial, da kann sich was entwickeln. Der Autor hat da das Grundgerüst der Charaktere zweier Interessanter Ermittler aufgebaut. Dialoge sind lebendig und flachen nicht ab. Leider treten aber auch zwei Nebenrollen auf, die sich in plumper Umgangsprache verständigen müssen. Seit dem Büchern von Elke Heidenreich aka Else Stratmann sollte das höchstens noch als schlechter Scherz durchgehen.

Man hat das Gefühl, einen jungen Gouda verkostet zu haben. Diesem Roman fehlt es an Reife, obwohl die Story durchaus Hintergrund zu mehr hätte bieten können. Vielleicht wäre die Handlung um 100 Seiten aufgebläht worden, wenn der Autor auch noch das Handeln der Bösewichte deutlicher eingebaut hätte. Diese "Reife" fehlt dem Werk jedoch deutlich.

Scheinheilige Samariter

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