Der Dominoeffekt

  • Grafit
  • Erschienen: Januar 2005
  • Dortmund: Grafit, 2005, Seiten: 282, Originalsprache
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Thomas Kürten
62°

Krimi-Couch Rezension vonAug 2005

Dominoeffekt - oder Halma, oder Mühle...

Ein frustrierter Wachmann, der viel lieber Polizist geworden wäre und seinen Frust darüber nun an seiner Lebensgefährtin und deren Kind auslässt. Eine Verbrecherbande, die gerade einen neuen Coup plant. Eine Polizistin, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten ein Haus beinahe geschenkt bekommen hat und nach 11 Jahren Beziehung auf einmal zögert, ihn heiraten zu wollen. Ein Privatdetektiv, der die von ihm beschatteten Ehebrecherinnen erpresst. Zwei ehrenwerte Gentlemen, die sich in einem Café treffen, um die Fäden in einem Netz von Gaunerbanden zu ziehen.

Dies sind die Ansätze, denen Theo Pointner in seinem Roman "Der Dominoeffekt" folgt. Personen, die zunächst einmal überhaupt nicht zusammen passen wollen und deren Einzelschicksale auf den ersten Blick nichts gemein haben. Aber dann versteht es Pointner, all diese Personen in ein kleines Boot zu setzen. Und damit dieses Bötchen nicht untergeht, müssen natürlich einige Insassen vorläufig und unfreiwillig aussteigen - sie werden ermordet.

Der erste Fehler in einer langen Reihe

Die Gangsterbande arbeitet sehr professionell. Noch nie ging irgendetwas schief, aber als eines Nachts bei dem Überfall auf einen Juwelier in Bochum der Sheriff vom privaten Wachdienst auf einmal nichts ahnend um die Ecke kommt, bringt ihn der Fahrer der Ganoven kurz entschlossen um die selbige: Zwischen der Stoßstange des Kleinlasters und einer Schaufensterscheibe endet sein Leben. Am Tatort bleiben etliche Spuren zurück. Der Fahrer, der sich bei der Aktion verletzt hat, wird kurz darauf ebenfalls sterben müssen, weil er für seine Kumpanen ein zu hohes Risiko geworden ist.

Der Polizei um Hauptkommissarin Katharina Thalbach ist schnell klar, dass es sich um organisierte Kriminalität handeln muss und tatsächlich, sehr bald sind zwei Beamte vom BKA in Bochum. Entgegen allen Erwartungen reißen sie jedoch nicht den Fall an sich, sondern wollen die Bochumer Polizei ermitteln lassen und deren Arbeit lediglich beaufsichtigen. Tatsächlich hat man bald Anhaltspunkte, die nach Wesel an den Niederrhein führen, während gleichzeitig der eingangs erwähnte Detektiv durch seine Beschattungsarbeit in das unweit gelegene Städtchen Geldern getrieben wird...

Zigarette, Glimmstängel, Tabakstäbchen...

Anfangs erschließt sich dem Leser nicht unmittelbar, was der Autor eigentlich von einem will. Man bekommt den Eindruck, mit jedem Kapitel beginne er eine neue Geschichte. Und wenn er so viele Fässer aufmacht, kann er natürlich nicht alle gleichberechtigt abzapfen. Die Story um den zwielichtigen Privatdetektiv gerät zeitweise in Vergessenheit und bei der Erzählung über Thalbachs Privatleben vergisst er zwischenzeitlich schon mal den Hahn zu schließen. Außerdem muss man erst mal das erste Drittel des Romans überstehen. Denn in den ersten rund zwanzig Kapiteln lautet die einzig konstant auflodernde Frage: Wer steckt sich diesmal die erste Zigarette an und mit welch abgedroschenem Vokabular umschreibt der Autor es nun schon wieder.

Aber Pointner ist kein Anfänger. Er schafft es letztendlich, alles unter einen Hut zu bringen, auch wenn dem Team um Thalbach einige Zufälle in die Hände spielen. Das Ende gerät dann zu einem gewagten Show-Down in Wild-West-Manier. Hier gelingt es dem Autor, die nötige Spannung durch die Handlung zu erzeugen. Was allerdings auch nicht übersehen werden darf: der Roman strotzt vor Klischees und sprachlich kann Pointner seine Heimat wohl auch nicht verbergen. Er kolportiert zwar nicht die Ruhrgebietsprache, erzählt aber auch einem relativ phantasielosen Level (wie es auch die Umschreibungen für "Zigarette" belegen). So wird seine Heldin Thalbach immer wieder schlicht "die Blonde" genannt. Noch mehr amüsieren kann man sich jedoch über ihren Kollegen, der als "der Stoppelhaarige" nicht ganz so gut davon kommt. Aber darauf darf der Leser dieses Romans eigentlich schon gefasst sein, denn schließlich war das in den sieben Vorgängerromanen nicht anders.

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