Nachtkrater

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: ariadne, 2008, Seiten: 472, Originalsprache

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Ines Dietzsch
Krimi mit kosmischem Know-How

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Okt 2009

Im süddeutschen Raum, in Schwaben spielen die Krimis um die unerschrockene Journalistin Lisa Nerz von Christine Lehmann. Die Heldin mit bisexueller Orientierung ist Reporterin mit Leib und Seele und riskiert ihr Leben für die Wahrheit. Auch in Nachtkrater schont Lehmann die Protagonistin nicht und schießt sie kurzerhand auf den Mond.

Lisa Nerz begleitet Oberstaatsanwalt Richard Weber zu einem Spargelessen im Hause des Geschäftsführers einer Firma für Raumfahrttechnik. Beim Tischgespräch erörtert man den Tod eines Astronauten auf der internationalen Mondstation Artemis.

Offiziellen Verlautbarungen nach war der deutsche Raumfahrer Torsten Veith bei einem Mondspaziergang verunfallt, weil sein Anzug Beschädigungen aufwies. Die Tatsache, dass der Astronaut entgegen den Vorschriften den Außeneinsatz allein bestritt, lässt die schwäbische Journalistin Sabotage vermuten. Lisa Nerz stattet der Witwe einen Besuch ab und beginnt zu recherchieren.

"Tja, zur Not muss ich halt auf den Mond!"

Die lax formulierte Feststellung soll für die Schwabenreporterin schon in Kürze zur Realität werden. Lisa erwacht aus einer Bewusstlosigkeit und findet sich in der Raumfähre zur Artemis wieder. Ausgestattet mit der Identität des französischen Journalisten und Ameisenexperten Michel Ardan nimmt Lisa mit der Transponderuhr auch die Herausforderung an, die Umstände die zum Tod von Torsten Veith führten an Ort und Stelle aufzudecken. Dabei macht sie die Erfahrung, dass die Menschen auf der Mondstation nur allzu irdischen Gefühlen und Begierden erlegen sind.

Christine Lehmann und Lisa Nerz - ein Dream-Team

Vor zwölf Jahren stellte Lisa Nerz als Reporterin der Amazone in Der Masochist/ Vergeltung am Degerloch ihre ersten Ermittlungen an. In der langen gemeinsamen Zeit lernte Christine Lehmann ihre Hauptfigur richtig gut kennen, weshalb im vorliegenden Buch der Charakter der Lisa Nerz rund und stimmig gezeichnet ist.

Im siebten Fall für Lisa Nerz kehrt die Autorin hinlänglich bekannten regionalen Schauplätzen den Rücken und schickt ihre Leser/innen an einen Ort, von dem wohl keiner behaupten kann, schon mal da gewesen zu sein. Lehmann ist eine Schreiberin mit Visionen, erfindet mal eben eine Raumstation auf dem Mond und präsentiert diesen Ort so anschaulich, dass man ihr seine Existenz ohne Zögern abkauft. Die Darstellung der Abläufe und des Alltags auf dem beengten Raum in einem abgeschlossenen System gelingt überzeugend. Mit Interesse verfolgt man Lisas Aufenthalt in diversen Modulen und begleitet sie beim Mondspaziergang. Die zentrale Frage des Romans, wie die Journalistin denn überhaupt zu ihrer Mondreise kam, wird am Ende ausreichend plausibel beantwortet.

Im Ergebnis aufwendiger Recherchearbeit überrascht Christine Lehmann in ihrem Buch mit fundierten fachwissenschaftlichen Fakten, welche die Krimihandlung bereichern. In manchen Passagen meint sie es aber zu gut und verliert über sachverständigen Erläuterungen ein wenig den Krimi aus den Augen. Nachtkrater ist unterhaltsam zu lesen, jedoch nicht hochgradig spannend.

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