Die Lebenstrinker

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Rotbuch, 2009, Seiten: 319, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Viel zu sehr mit den Hormonen beschäftigt

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2009

Wenn eine Kommissarin in Wien in ihrem fünften Fall fast in eine Straßenbahn läuft und bei der Rettung mit dem Kopf an der Bordsteinkante aufschlägt und das Gedächtnis verliert, klingt das schon so aberwitzig, dass man versucht ist, an einen weiblichen Inspektor Kottan zu denken. Aber diese Kommissarin Maria Kouba hat beileibe nichts vom Witz des legendären Fernsehinspektors, sie hat viel mehr Torschlusspanik und ist für ihre Mitmenschen eine ziemliche Nervensäge und nur, wenn sie versucht ihrer Arbeit nachzugehen ist sie halbwegs zum Aushalten.

Und Arbeit gibt es für die kräftig angeschlagene Dame mehr als genug, denn zum Einen häufen sich die Fälle von Kindesweglegung und zum Anderen wird ein toter Pfleger bei einer Alzheimer Kranken gefunden und weil Frau Kommissarin so clever ist, klärt sie so nebenbei zwischen Sex und Alkohol die grausigen Geschehnisse.

Abgesehen davon, dass eine Autorin, die schon ihren fünften Krimi auflegt, eigentlich wissen sollte, dass es im kriminalpolizeilichen Dienst in Österreich keine Kommissare gibt, sondern Gruppen- und Bezirksinspektoren und im höheren Dienst die militärischen Dienstgrade vom Leutnant bis zum General trägt, hat Frau Naber mit Maria Kouba eine Figur in den Mittelpunkt gestellt, mit der man sich als Leser leider kaum positiv beschäftigen möchte. Diese Ermittlerin, mit ihrer psychisch und physisch schwer angeknacksten Konstitution, ist das Paradebeispiel einer hysterischen Vierzigerin, die nicht weiß, was sie will und ein klarer Fall für die Psychiatrie. Die Frau hat nur Glück, dass ihre Kollegen und Freunde sämtliche Augen zudrücken.

Der Schreibstil von Sabina Naber passt sich (in diesem Buch) dem Chaos an. Gelegentlich eingeflochtene Sager in halbwienerischem Jargon sollen vielleicht Lokalkolorit in die Geschichte bringen, wirken aber bei dem ansonsten guten Sprachstil eher wie Fremdkörper. Der Aufbau der Story ist recht annehmbar konzipiert, Spannung ist aber weitgehend ein Fremdwort. Viel zu sehr ist die Kommissarin mit sich und ihren Hormonen beschäftigt, als dass Zeit für geordnete Ermittlungsarbeit bliebe. Und so quält man sich als Leser über die 318 Seiten und fragt sich, warum aus dem brisanten Themenansatz rund um Reproduktionsmedizin Die Lebenstrinker eine so mittelmäßige Erzählung geworden ist.

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