Blaue Schuhe für eine Kobra

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Edinburgh: Polygon, 2006, Titel: 'Blue Shoes and Happiness', Seiten: 233, Originalsprache
  • München: Heyne, 2008, Seiten: 288, Übersetzt: Verena Kilchling
  • München: Heyne, 2009, Seiten: 288, Übersetzt: Verena Kilching

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Eva Bergschneider
Detektivgeschichten aus Afrika

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Jan 2008

"Blaue Schuhe für eine Kobra" ist bereits der siebte Roman um Mma Ramotswe und ihre "No. 1 Ladies' Detectiv Agency" in Gaborone, Botswana. Spektakulär sind die Verbrechen nicht, es geht um kleinere Betrügereien, um die sich Mma Ramotswe mit gesunder Menschenkenntnis und viel Herz kümmert. Häufig dreht es auch einfach nur darum, den Spagat zwischen afrikanischer Tradition und dem modernen Großstadtleben zu meistern. Dem Charme dieser liebenswerten Charaktere, die stets eine heitere Gelassenheit ausstrahlen, können sich viele Leser nicht entziehen. Die "Miss Marple Botswanas" ist irgendwie Kult, derzeit werden die Geschichten über ihr Leben und Arbeiten von Oscar-Preisträger Anthony Minghella ("Der englische Patient") verfilmt.

Wer erpresst die Diebin?

Poppy Maope arbeitet als Hilfsköchin in der Mensa der Universität in Garborone. Sie entdeckt, dass ihre Chefin Mma Tsau heimlich Portionen vom staatlich finanzierten Essen abzweigt und damit ihren immer fülliger werdenden Ehemann versorgt. Als Poppy die Chefköchin zur Rede stellt, wird ihr mit Kündigung gedroht, wenn sie auch nur ein Wort darüber verliert. Aus Angst um ihre Stellung, schweigt Poppy und doch scheint es einen heimlichen Mitwisser zu geben. Mma Tsau erhält einen Erpresser-Brief, für den sie ihre Hilfsköchin verantwortlich macht.

Ein Fall von Hexerei?

Ehe die Ermittlungsarbeit richtig los gehen kann, versetzt eine Kobra die Belegschaft der Detektei und der "Tlokweng Road Speedy Motors" Autowerkstatt in Aufregung. Die beiden Lehrlinge von Mma Ramotswes Ehemann und Chef der Werkstatt, Mr. J.L.B Matekoni versuchen die Schlange zu erschlagen. Glücklicherweise kommt der Wildhüter Neil Whitson gerade rechtzeitig vorbei und bewahrt sowohl Schlange als auch Personen vor Schäden. Auch er braucht die Hilfe der Detektivin. Rätselhafte Vorgänge im Mololodi Reservat scheinen die Menschen dort in Angst und Schrecken zu versetzen. Doch niemand sagt, was los ist.

 

"Es ist als hätte ihnen jemand die Lippen mit Klebeband versiegelt".
"So ist es wahrscheinlich auch" sagte Mma Ramotswe ruhig "Nur das wir das Klebeband nicht sehen können"

 

 

Liebenswert naiv

Mma Ramotswes mitfühlende und entschlossene Art, zieht den Leser sofort in ihren Bann. Eine Geste, wie die spontane Umarmung einer todkranken Touristin, wirkt kein bisschen aufgesetzt, man nimmt ihr die ehrliche Anteilnahme ab. Alexander McCall Smith hat mit Mma Ramotswe eine sympathische und interessante, wenn auch manchmal etwas arglose Hauptakteurin kreiert. Ihre Mitstreiter werden allerdings ebenfalls als "Gutmenschen" charakterisiert, die die traditionelle Lebensart erhalten wollen. Von Grace Makutsis Spleen für unbequeme schicke Schuhe einmal abgesehen, hat kaum jemand auffällige oder gar schlechte Eigenschaften zu bieten. Etwas mehr Charaktervielfalt würde diese Krimi-Reihe sicherlich bereichern. Der Autor hat mit Botswana einen Schauplatz gewählt, in dem es viele der sozialen Probleme des Kontinents, nicht gibt. Botswana ist aufgrund der Diamantvorkommen ein vergleichsweise reiches Land. Allerdings sind dort 25 % der Bevölkerung mit dem HIV Virus infiziert, was nicht nur Familien zerstört, sondern auch zu einer existentiellen Bedrohung für das gesamte Staatswesen wird. AIDS ist auch Thema in "Blaue Schuhe für eine Kobra", die Krankheit wird hier allerdings als ein Schicksal betrachtet. Niemand erwähnt auch nur so etwas wie Kritik, z.B. an einer unzureichenden Aufklärung. Die uneingeschränkte Identifizierung der Charaktere mit dem Staat Botswana wirkt ziemlich blauäugig.

Kriminalgeschichten light

Auch in Blaue Schuhe für eine Kobra sind es eine Reihe von kleineren Betrügereien und Missständen, die Precious Ramotswe und ihre Assistentin Grace Makutsi auf den Plan rufen. Die verschiedenen Fälle lesen sich wie eine Sammlung von unterbrochenen und später weiter verfolgten Detektivkurzgeschichten. Dennoch wirkt der Roman kompakt, denn im Vordergrund stehen nicht die Ermittlungen, sondern die großen und kleinen Nöte und Freuden der Mitmenschen. Die Männer, Schicksale und alles, was rund um Detektiv-Agentur und Autowerkstatt geschieht, sind die vorrangigen Gesprächsthemen in den regelmäßigen Teepausen.

Für Mma Ramotswe, ihre Freunde und deren Alltagssorgen muss der Leser Geduld mitbringen. Es menschelt zwischen den Dienstfahrten im Lieferwagen und den Mahlzeiten am Zebra-Drive, was den Charakteren viel Sympathie einbringt. Allerdings tut der Autor, was die Ausführlichkeit der erzählten Lebensgeschichten angeht, manchmal deutlich zu viel des Guten. Insgesamt ist "Blaue Schuhe für eine Kobra" ein locker und einfach geschriebener Detektivroman mit liebenswert naiven Charakteren, dem etwas mehr Biss und Spannung gut tun würde.

Blaue Schuhe für eine Kobra

Blaue Schuhe für eine Kobra

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Letzte Kommentare:
01.07.2009 13:41:05
Charlotte

Ich liebe dieses Buch. Obwohl ich schon einige der pfiffigen Romane über Mma Ramotswe verschlungen habe, finde ich gerade dieses Buch äußerst gelungen. Der Witz fordert mich geradezu heraus zu schmunzeln und ich habe lange Jahre nicht mehr das Bedürfnis gehabt laut loszulachen, wenn eine nette Begebenheit die andere jagt. Ich wünsche mir noch viele augenzwinkernde Fälle. Es ist eine Freude diese Bücher zu lesen.

22.10.2008 10:07:41
Katharina

Ich liebe diese Buch-Serie, einfach wunderbar diese Schilderungen von Botswana, seinen Menschen und die Moral-Vorstellungen - aber niemals moralinsauer, sondern einfach herzerwärmend. Was geschieht in diesem Roman: Mma Makutsi kauft Schuhe, die ihr zu klein sind und Mma Ramotswe überlegt sich eine Diät - dazwischen gibt es wieder verschiedene Fälle, die in gewohnter, bodenständiger und cleverer Manier gelöst werden. Leider habe ich nur noch wenige Seiten davon zu lesen, sehr schade!