Madame Terror

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Piratförlaget, 2006, Titel: 'Madame Terror', Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2007, Seiten: 494, Übersetzt: Katrin Frey
  • München; Zürich: Piper, 2009, Seiten: 494

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Wolfgang Weninger
Ein Spiel mit großer Politik

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Nov 2007

Wer den Klappentext zu Madame Terror für den Piper-Verlag verfasst hat, kann das Buch von Jan Oscar Sverre Lucien Henri Guillou, dass dieser 2006 als elften Band der Coq-Rouge-Serie verfasst hat, mit Sicherheit nicht gelesen haben. Denn Brigadegeneral Mouna al Husseine ist nur stellvertretende Geheimdienstchefin der PLO und als solche dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas direkt unterstellt. Unter ihrer Führung wird in Russland ein U-Boot entwickelt, dass keinerlei Atom-Waffen an Bord hat, allerdings über die beste Technik und die besten Torpedos verfügt, die je in einem U-Boot verfügbar waren. Denn Mouna will keinen Terrorakt setzen, bei dem Privatpersonen zu Schaden kommen könnten, sondern einen kriegerischen Akt gegen die israelische Regierung setzen.

Bei der Rekrutierung des U-Boot-Personals treten allerdings erhebliche Schwierigkeiten auf, weshalb Mouna ihren alten Freund und Weggefährten, den schwedischen Geheimagenten Graf Carl Hamilton alias Coq Rouge aktiviert. Dieser lebt unerkannt in Amerika, wo er durch ein Zeugenschutzprogramm des FBI nach den letzten neun Bänden untertauchen konnte. Hamilton wird zum Vizeadmiral der palästinensischen Flotte befördert und beginnt seine Mannschaft auszuwählen, zu drillen und auf den Weg nach Israel zu führen ...

Guillou, der ehemalige Journalist, der wegen Spionage für zehn Monate in einem schwedischen Gefängnis inhaftiert war, spielt in Madame Terror, das von Katrin Frey aus dem Schwedischen übersetzt wurde, große Politik. Auf fast fünfhundert Seiten konfrontiert er seine erfundenen Figuren mit den politischen Machthabern von Wladimir Putin, George W. Bush bis Nelson Mandela und deren persönlichem Dunstkreis. Speziell der amerikanische Präsident und seine Verteidigungsstrategen Dick Cheney und Donald Rumsfeld bekommen hier ordentlich ihr Fett weg, nur Condoleeza Rice darf Hirn und Herz zeigen. Das dabei naturgemäß auch Tony Blair in Mitleidenschaft gezogen wird, darf nicht verwundern, während Putin alles absegnet und nichts weiß, eben ganz der ehemalige KGB-Offizier. Insofern zeigt sich der Autor in seinem Roman deutlich antiamerikanisch und entwickelt durch die Story eher proarabische Sympathien für die palästinensische Autonomieregierung unter Mahmut Abbas.

Dabei muss man jedoch deutlich feststellen, dass die vorliegende Geschichte eine Fiktion des Autors ist, denn ein futuristisches, sowjetisches U-Boot der Kursk-Klasse, das in der Lage wäre, die geschilderten Vorgänge zu absolvieren, gibt es bislang nicht.

Die erste Hälfte des Buches vergeht mit der Rekrutierung des wissenschaftlichen und technischen Personals bis zur Fertigstellung des U-Bootes. Dabei gelingt es dem Autor ganz ausgezeichnet und ohne langweilig zu werden, seine Figuren zu charakterisieren und die Spannung langsam zu steigern. Auch wer die vorangegangenen Bände mit Carl Hamilton noch nicht kennt, wird dabei problemlos in die Materie eingeführt.

Im zweiten Teil des Buches geht es dann richtig zur Sache. Der Leser bekommt packende U-Boot-Action geboten, aber die meiste Spannung entsteht durch die politischen Verwicklungen, in der sich mit Ausnahme der Fern-Ost-Staaten und der südamerikanischen Länder wohl die ganze Welt beteiligt. Natürlich darf auch ein erfundenes Statement von Frau Merkel nicht fehlen.

Guillou, der die Machenschaften der Nachrichtendienste und die Verhältnisse im Mittleren Osten aus eigener Erfahrung kennt, versteht es sprachlich ausgezeichnet, die Sichtweisen zu vermitteln, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass seine Wertschätzung nicht unbedingt der westlichen bzw. israelischen Politik gilt. Die Abgrenzung des Gedankengutes zwischen Terrorakt und kriegerischer Handlung mag durchaus ihre Berechtigung haben, zu verurteilen ist jedoch beides. Doch zur Legitimierung der handelnden Personen in diesem Klassethriller muss der Autor eine solche Unterscheidung treffen.

Grundlegend bekommt man mit Madame Terror eine spannende Agentenstory, weitab von James-Bond-Image oder Dirk-Pitt-Ambiente, die ihren besonderen Reiz aus der Tatsache zieht, dass alles genau so hätte kommen können, hätte Palästina eine Flotte mit einem Vizeadmiral Carl Hamilton und Putin ein U-Boot, wie die U1-Jerusalem.

Madame Terror

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Letzte Kommentare:
05.10.2010 10:02:10
Ulli-und-keine-5-Tage

Eigentlich sind Agententhriller überhaupt nicht mein Ding, aber dennoch - leichtsinnigerweise einmal mit der Coq Rouge-Reihe angefangen - entwickelt jedes der Bücher einen solchen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann.Der vorliegende Band beschäftigt sich nun mit einem höchst brisanten Thema - der Welt nach dem 11.09.2001. Auch wenn der Autor recht eindeutige Sympathien hat, auch wenn die Handlung fiktional ist, der Hintergrund bleibt höchst real und das Spiel "was wäre wenn" wie auch der Blick auf verschiedenste Meinungen und Strategien, ist nicht nur extrem spannend und unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken und Hinterfragen eigener vorgefasster Meinungen gerade zum Thema Islam/Terrorismus an.

14.12.2007 09:57:24
Peter Hahn

Ich habe alle Hamilton-Romane inzwischen mehrfach gelesen (Übersetzer: H.J. Maass). "Madame Terror" wirkt aber auf mich ganz anders und untypisch: Irgendwie kalt, sachlich und distanziert. Ob es mit der anderen Überstzerin zu tun hat!? Jedenfalls nicht annähernd so spannend und datailreich wie die gewohnten Hamilton-Bücher.

06.12.2007 23:25:49
DrWatson

Ich habe alle 11 (!) Coq Rouge Bücher gelesen und Madame Terror ist sicher das untypischste dieser Reihe, aber auch das direkteste Statement des Autors zur aktuellen Weltpolitik.
In der Gilde der Thriller-Autoren wird er damit weitgehend allein stehen, denn meist findet ja der palästinensische, muslimische oder sonstige fundamentalistische Terror aus amerikanischer oder israelischer Sicht beschrieben statt und ist von Natur aus böse.
Guillou weicht wohltuend davon ab, was allein schon bemerkenswert ist. Aber auch die genaue Schilderung eines Verlaufes, der im Prinzip jederzeit möglich wäre (wenn es dieses Waffensystem gebe), ist sehr reizvoll. Und die entlarvenden Szenen um Bush & Co zeigen und die wahren Fundamentalisten ungeschminkt und so, wie sie wirklich sein könnten... Und Guillou war ja Journalist, er hat seine Recherchen eben nur ausgeschmückt und zwischen zwei Buchdeckel gepackt, weil sicher keine große Zeitung einen politischen Artikel von dieser Ausrichtung gedruckt hätte.

06.12.2007 08:16:48
günter wagner

ein kleiner fehler hat sich eingeschlichen. es ist der elfte (11.) hamilton roman.
der lezte roman des 10ner zyklus war m.e. "über jeden verdacht erhaben" in dem Guillou seinen Helden nach amerika verschwinden ließ.
mfg