Die bleiche Hand des Schicksals

  • Knaur
  • Erschienen: Januar 2007
  • New York: Thomas Dunne Books, 2004, Titel: 'Out of the Deep I Cry', Originalsprache
  • München: Knaur, 2007, Seiten: 536, Übersetzt: Frauke Czwikla
  • München: Knaur, 2009, Seiten: 536
Die bleiche Hand des Schicksals
Die bleiche Hand des Schicksals
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Wolfgang Weninger
45°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2007

Der Sheriff und die Pastorin

Während Sheriff Russ Van Alstyne und Pastorin Clare Fergusson im Staate New York bereits ihren fünften Fall geklärt haben, dürfen die Leser von Julia Spencer-Fleming nunmehr erst die dritte gemeinsame Ermittlung des ungleichen Paares miterleben, die als Die bleiche Hand des Schicksals vom Knaur Taschenbuchverlag veröffentlich wurde. Out Of The Deep I Cry" kommt in der Übersetzung aus dem Amerikanischen von Frauke Czwikla auf den Buchmarkt.

Der besondere Reiz dieser Serie liegt darin, dass der grummelige Sheriff und die naiv-raffinierte Pastorin unter anderen beruflichen Voraussetzungen ein Paar sein könnte, denn zwischen beiden knistert es unaufhörlich, wenn sie sich ihrer Profession widmen.

Julia Spencer-Fleming lässt den Leser gleich ordentliche Zeitsprünge vollführen, wenn der Sheriff als Jugendlicher im Jahr 1970 beim Angeln eine alte Frau vor dem fast sicher scheinenden Tod durch Ertrinken rettet.

Beim nächsten Sprung regnet es der Pastorin am Aschermittwoch so stark durchs Kirchendach, dass sie in der Kirche Eimer aufstellen muss. Zu all ihren Problemen kommt nun auch noch die Sorge, wie sie und ihre Kirchengemeinde das Geld auftreiben sollen, damit die desolate Konstruktion grundlegend erneuert werden kann.

Der nächste Zeitsprung bringt uns ins Jahr 1950. Die alte Mrs. Ketchem will ihr Vermögen dazu einsetzen und ein Krankenhaus zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gemahl gründen und tut dies auch.

Zurück im Heute trifft die Pastorin vor der Karitativen Klinik Millers Kill eine Demonstrantin, die vehement gegen die Methoden des Klinikleiters Dr. Rouse protestiert, der angeblich wegen falscher Impfungen eine Mehrung der Krankheitsfälle an Autismus produziert hat. Clare Fergusson und Chief Alstyne müssen die junge Frau mit Gewalt davon abhalten, Dr. Rouse an die Gurgel zu gehen.

Doch das Krankenhaus bleibt nicht von schlechten Nachrichten verschont. Die großzügige Spende zur Erhaltung der Klinik soll gestrichen werden, damit die Kirche neu renoviert werden kann. Das haut den armen Doktor völlig von den Socken, aber wir sind mittlerweile erst auf Seite 132, ohne dass sonst etwas in dem kleinen Städtchen passiert.

Und die Autorin hüpft noch weiter in die Vergangenheit. Anno domini 1937 verschwindet jener Jonathan Ketchem, zu dessen Gedenken die Klinik errichtet wurde und seine Frau setzt alles daran, ihn für tot erklären zu lassen.

Beim nächsten Sprung ins Heute verschwindet dann am zweiten Fastensonntag plötzlich Dr. Rouse. Sein Wagen wird an einem Stausee gefunden, doch von ihm fehlt jede Spur.

Mittlerweile sind wir mit der Vorgeschichte auf Seite 170 angelangt. Julia Spencer-Fleming zieht die Story aus wie einen Strudelteig, aber die schmackhafte Fülle scheint sie vergessen zu haben. Die Pastorin hat noch immer keinen wintertauglichen Wagen und muss vom (verheirateten) Sheriff ständig daran erinnert werden, dass sie sich ordentlich warm anzieht und so nebenbei gelüstet den Sheriff auch in aller Ehre mächtig nach dem hübschen Kirchenweiblein, aber Die bleiche Hand des Schicksals will einfach nicht richtig ins Laufen kommen.

Auch wenn die verworrene Geschichte noch so leicht zu lesen ist und das sich gegenseitig anhimmelnde Ermittlerpärchen standhaft den Versuchungen zu widerstehen trachtet, reicht das noch lange nicht aus, um den gut versteckten Kriminalfall auf Touren zu bringen. Bei der Konstruktion der Geschichte, die an und für sich nicht uninteressant ist, muss sich der Leser erst durch den mühsamen Aufbau kämpfen, bis er die Zusammenhänge erfasst. Bei so viel Langatmigkeit schwindet die Leselust, ganz im Gegensatz zu Frau Spencer-Flemings Das weiße Kleid des Todes . Bislang konnte die Autorin den Level des Erstlings leider nicht halten und auch dieses Buch kann man getrost als gerade noch mittelmäßigen Durchschnitt ad acta legen.

Die bleiche Hand des Schicksals

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