Die rote Spur des Zorns

  • Knaur
  • Erschienen: Januar 2006
  • New York: Thomas Dunne Books, 2003, Titel: 'A Fountain Filled With Blood', Seiten: 320, Originalsprache
  • München: Knaur, 2006, Seiten: 496, Übersetzt: Stefan Troßbach
  • München: Knaur, 2008, Seiten: 494
Die rote Spur des Zorns
Die rote Spur des Zorns
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Sabine Reiß
68°

Krimi-Couch Rezension vonJul 2006

Heiliger Strohsack

Julia Spencer-Fleming hebt sich zumindest durch eine Tatsache aus der Masse der amerikanischen Krimiautoren heraus. In ihrer Protagonistin vereint sie zwei ungewöhnliche Berufe, die nicht nur auf den ersten Blick nichts gemeinsam miteinander haben. Mittlerweile ist der zweite Band "Die rote Spur des Zorns" in deutscher Übersetzung erschienen.

Clare Fergusson, die Pastorin der Episkopalkirche von Millers Kill, fünfunddreißig Jahre alt, in ihrem früheren Leben Hubschrauberpilotin bei der Army, ist scheinbar nicht ausgelastet mit den Problemen ihrer Schäfchen, denn sie betätigt sich nebenberuflich noch als Amateurdetektivin, nicht nur, weil sie den Polizeichef des Ortes so attraktiv findet. Nebenbei bemerkt: Dieser ist leider verheiratet, aber die Frau taucht nur in Erzählungen auf. Leser, die auf eine Verbindung der beiden hoffen, haben also keine schlechten Karten.

Umweltsünden allerorten

In Millers Kill herrscht große Aufregung, da erhöhte PCB-Werte im Fluss festgestellt wurden, die von den Anwohnern auf den Bau eines großen Freizeitbades zurückgeführt werden, das in der Nähe eines Steinbruchs entstehen soll, der in den siebziger Jahren als Giftmülldeponie genutzt wurde. Aber nicht nur die Umweltbedrohung erschüttert den kleinen Ort, sondern auch der Anschlag auf den Gerichtsmediziner Dr. Emil Dvorak, der auf seinem Heimweg von einem Abendessen mit Freunden brutal zusammengeschlagen wurde und nun schwer verletzt im Krankenhaus liegt.

Dass Dvorak homosexuell ist, wird von Chief Van Alstyne, dem Polizeichef, zunächst als nicht relevant eingestuft, doch weitere Anschläge auf Homosexuelle lassen etwas anderes vermuten. Die Öffentlichkeit darf seiner Ansicht nach nichts von diesem Zusammenhang erfahren, wohingegen Clare anderer Ansicht ist. Beide Vorfälle, die Anschläge und die Proteste der Umweltschützer werden miteinander verbunden, als einer der Teilhaber der ausführenden Baufirma ermordet im Park aufgefunden wird. Auch Bill Ingraham ist/war homosexuell.

Nicht Fisch, nicht Fleisch - nicht skurril genug

Die Hauptcharaktere sind zwar recht sympathisch geschildert, aber manchmal wirken sie zu unecht, z.B. wenn Clare sich von einem Vordach herabhangelt, nur um nicht beim Schnüffeln erwischt zu werden, wenn sie auf einer Party die Leute aushorcht und dabei einige Drinks zuviel genießt, wenn Chief Van Alstyne seine eigene Mutter bei einer Demonstration verhaften lässt oder wenn Clare beim Showdown einen gewagten Hubschrauberflug unternimmt. Die Übertreibung der Charakterzeichnung ist jedoch nicht stark genug, um als richtig skurril zu gelten, wie es die Amerikanerin Charlotte MacLeod mit ihrer College-Serie sehr erfolgreich praktizierte.

All das kann man noch als typisch amerikanisch abtun und dennoch gut unterhalten werden. Doch auch was Frau Spencer-Fleming dem Leser mit den Anfängen der Story verspricht, kann sie leider nicht halten. Mindestens 100 der rund 500 Seiten sind überflüssig und eine Straffung zugunsten der Spannung hätte dem Plot sehr gut getan. So dümpelt die Erzählung nur dahin, ohne dass groß etwas passiert. Fast scheint es, als seien die Anschläge und der Mordfall nur Staffage, um die Beziehungskiste der beiden Hauptpersonen zu entwickeln. Bei dem Tempo, das die beiden vorlegen, wird man allerdings noch weitere zehn Bände abwarten müssen und fühlt sich in diesem Punkt an Ann Grangers Mitchell & Markby Reihe erinnert.

"Die rote Spur des Zorn" ist ein Buch, das den Untertitel ´Amnesie garantiert' verdient. Kaum hat man es zugeklappt, fragt man sich, was man da eigentlich gelesen hat.

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