Nobels Testament

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Piratförlaget, 2006, Titel: 'Nobels testamente', Seiten: 454, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Winter, Judy, Bemerkung: gekürzte Lesung
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008, Seiten: 447

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Sabine Reiß
Extrablatt

Buch-Rezension von Sabine Reiß Apr 2007

Stockholm, Abendblatt: Die Journalistin Annika Bengtzon ist von ihrem Vorgesetzten aufs Abstellgleis verfrachtet worden, da sie in einem Artikel die Machenschaften der Verlegerfamilie enthüllte. Ihr Chef selbst hat nun ebenfalls keinen guten Stand mehr, weil er die Veröffentlichung zuließ. Nun darf Annika über gesellschaftliche Ereignisse wie die Verleihung des Nobelpreises berichten und das, obwohl sie doch eigentlich in der Kriminalredaktion des Abendblattes eingesetzt war. Ein ungewöhnlicher Auftrag also. Doch der Zufall will es, dass aus diesem harmlosen Society-Event ein Abend wird, der nicht nur die Welt der Wissenschaftler schwer erschüttert, sondern auch die Polizei von Stockholm zum Eingreifen zwingt.

Die Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees Caroline von Behring wird vor Annikas Augen erschossen und einer der Preisträger trägt schwere Schussverletzungen davon. Bei dem Killer handelt es sich um eine Frau, die sich ungehindert und problemlos Zutritt zu den Feierlichkeiten verschaffte. Kurz vor dem Schuss stieß sie noch mit Annika zusammen und so ist die Journalistin die Hauptzeugin der Polizei, was ein weiteres Problem für sie darstellt, da sie sie mit ihren Beobachtungen nicht an die Öffentlichkeit gehen darf. Von ihrem Arbeitgeber wird sie daraufhin freigestellt. Doch Annika lässt der Tod von Caroline von Behring keine Ruhe. War die Wissenschaftlerin das Ziel der Killerin oder doch der Preisträger, dessen Nominierung nicht ganz unumstritten war?

Als es einen weiteren Toten gibt, ermittelt Annika auf eigene Faust und verschafft sich über ihre neue Nachbarin Ebba Zutritt zum Karolinska-Institut, der Forschungseinrichtung, die von Nobel dazu bestimmt wurde, die Preisträger seiner Stiftung in den Disziplinen Medizin und Physiologie zu ernennen.

Gut lesbar ...

Was mit Olympisches Feuer so furios begann, als die junge Journalistin beinahe Opfer eines Terroranschlags wurde, hat nun ruhigere, wenn auch nicht minder spannende Bahnen erreicht. Wenn man die Serie von Liza Marklund über die Jahre verfolgte, so war bei Studio 6 und Paradies ein kleiner Durchhänger zu beobachten. Das Privatleben von Annika und Thomas, ihrem jetzigen Mann, der für sie seine damalige Frau verlassen hatte, nahm bisweilen zu viel Raum ein. Auch im vorliegenden Buch geht es nicht ohne Beziehungsprobleme zwischen den beiden ab, doch das Maß bleibt noch erträglich. Offensichtlich soll das Leben der Heldin nicht perfekt sein. Es reicht nicht, dass es beruflich nicht gut läuft, auch ihr Mann nervt mit seinem Machogehabe. Immerhin hat er inzwischen seine Affäre mit einer Kollegin aufgegeben, doch Sympathiepunkte sammelt er auch weiterhin nicht.

Liza Marklund stellt in ihrem Roman ein sehr interessantes Thema in den Mittelpunkt. Das Bild der Wissenschaftler, von denen man weitestgehend glauben soll, sie betrieben ihre Forschung zum Wohle der Menschheit und aus reinem Forschungsdrang, wird von ihr ins Gegenteil verkehrt. Die Autorin zeigt in diesem spannenden Krimi, dass es in der Wissenschaft nur allzu oft ums große Geld geht. Korruption, Betrug und Bestechung sind ihre zentralen Themen. Ihr Blick hinter die Kulissen der "noblen" Gesellschaft ist sowohl stechend scharf als auch sehr gut zu lesen.

... und streckenweise typisch schwedisch!

Daneben greift sie  - typisch für einen schwedischen Kriminalroman - noch einige andere Themen auf. So arbeitet ihr Mann Thomas z.B. im Justizministerium an einem Gesetz zur Terrorbekämpfung, was auch Abhörmaßnahmen mit einschließt. Fast, aber nur fast, überfrachtet die Autorin den Roman mit gesellschaftspolitischen Kritikpunkten, die sie in zahlreichen Nebenhandlungen einfließen lässt. Doch auch das sollte die Wertung für das sechste Buch der Serie kaum trüben.

Mit Nobels Testament präsentiert die Schwedin nach Olympisches Feuer eines ihrer interessantesten Bücher, das aber mit einer ganz anderen Herangehensweise an ihren Plot. Sie zeigt damit wieder einmal, dass ein Protagonist/eine Protagonistin nicht unbedingt sein/ihr Leben auf den Kopf stellen muss, um für den Leser abwechslungsreiche Unterhaltung zu bieten. Kontinuität wird hier durch den Background und das Privatleben der Hauptfigur geschaffen. Ihr Beruf als Journalistin sorgt für die mögliche Themenvielfalt.

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Letzte Kommentare:
07.02.2018 15:55:25
trafik

Liza Marklund ist eine meiner Lieblingsautorinen. Die Schwedin versteht es sehr gut spannende Handlungen zu erzeugen. In diesem Krimi steht die Verleihung des Nobelpreises im Blickpunkt. Genau dort wird jemand erschossen. Die Ermittlungen beginen sehr schwierig. Viele Verdächtige, aber kein konkreter Verdacht. Gut gelungener Fall in den höchsten Kreisen von Schweden.

13.03.2011 00:10:41
fr_putz

„Nobels Testament“ ist von der Handlung her wieder ein sehr spannender, guter Thriller, wie alle Liza-Marklund-Bücher. Eine Reihe von Morden um die Verleihung des Medizin-Nobelpreises führt die Journalistin Annika Bengtson letztendlich zu dem Ergebnis, dass auch bei der Verleihung dieses sehr renommierten Preises mitunter Geld und Macht eine wichtige Rolle spielen und manche mögliche Kandidaten auch nicht vor Auftragsmord bzw. Mord zurückschrecken, um ihr Ziel zu erreichen.
Die Marklund-Krimis werden alle aus der Sicht der Reporterin Annika Bengtson geschrieben und die Polizei spielt bei der Aufklärung der jeweiligen Verbrechen eigentlich nur eine Nebenrolle bzw. in Gestalt des ominösen Kommissars Q den Informanten für Bengtson über den polizeilichen Stand der Ermittlungen.
Für mich entwickelt sich jedoch die Hauptprotagonistin Annika Bengtson von Buch zu Buch unvorteilhaft, sie wird von Mal zu Mal unsympathischer, entwickelt sich von der engagierten Journalistin zur sensationsgeilen Boulevard-Reporterin. Da die Handlungen jedoch alle sehr schlüssig und spannend geschrieben sind, ist die Lektüre der Marklund-Krimis trotz der zuvor beschriebenen Einschränkung bezüglich Annika Bengtsons immer ein großer Genuss ist.

27.09.2010 22:22:17
vifu

Hab nun meinen 3ten Marklund-Krimi verschlungen! Der Anfang, mit all dem "blöden" Alltagskram, hat mich etwas genervt. Aber eigentlich spiegelt dies ja genau die beiden Pole im Arbeitsleben von frau sehr realistisch wieder! Der Krimiplot hat mich dann aber doch sehr überzeugt und eingefangen, unbedingt lesenswert!

23.09.2009 18:49:39
Kasia

Man soll ja erst das Positive sagen, bevor das Negative kommt und so lobe ich mal wieder die Erzählweise und die Spannung, die Liza Marklund in "Nobels Testament" liefert.
Es war interessant für mich, dass Marklund den Leser etwas an den Gedanken und Tätigkeiten des "Kätzchens" teilhaben lässt. Es ist auch mal schön etwas mehr von der "Gegenseite" zu erfahren :-)
Annika ist immer noch eine meiner Lieblings-Krimi-Reihen-Figuren, weil sie eine von uns sein könnte mit ihren Ängsten und Nöten.
Nachdem ich mich eingelesen habe, hat es mich richtig gepackt und ich kann das Buch nur weiterempfehlen.
Die Geschichte an sich ist stimmig. Es passieren unvorhersehbare Morde, um deren Aufklärung es geht.
Annika, engagiert wie immer, wird jedoch für diese Fälle wegen einem "Rede-Verbot" aufs Abstellgleis gestellt und versucht nun für sich zu ermitteln und hinter die Geheimnisse der ermordeten Personen zu kommen.
Nun zu den negativen Punkten, die mir aufgefallen und das Lesen etwas mies gemacht haben:
In der gebundenen Ausgabe von Hoffmann und Campe waren unendlich viele Rechtschreibfehler. Die Übersetzung fand ich auch nicht so toll.
Alles Schwedische, die Redensarten der Schweden sind der Übersetzung zum Opfer gefallen. Jeder wird, anders als z. B. bei Mankell-Romanen in dem Buch gesiezt, obwohl die Schweden das "Sie" seit 30 Jahren völlig aus ihrem Sprachgebrauch verbannt haben.
Irgendwie hat es mir, weniger wegen der inhaltlichen, mehr wegen der Form des Buches diesmal weniger Spaß gemacht Marklund zu lesen.

17.04.2009 22:14:47
thalia

Der Einblick in das nicht perfekte Privatleben der Heldin, macht sie sympathisch. Trotz des Umzuges in eine vornehme Gegend und dem Eintritt in die Society bleibt Annika sie selbst. Alltag einer berufstätigen Mutter sehr plastisch beschrieben. Die Sozialkritik erinnert phaseweise an ihren berühmten Kollegen Mankell. Gutes Buch, kommt jedoch nicht an "Paradies" heran.

04.10.2008 15:57:51
mafrid

Ich habe alle als Taschenbuch erschienenen Romane von Lisa Marklund gelesen. Von Buch zu Buch wurde mir die Tielheldin sympathischer und vertrauter. Man muss die impulsive und aufbrausende Reporterin und Mutter einfach gerne haben! Sie ist - verglichen mit anderen Titelhelden - einfach "menschlich" und überhaupt nicht abgehoben.
In "Nobels Testament" haben wir einen spannenden und interessanten Plot, man liest sich schnell ein und irgendwann lässt einen die Spannung nicht mehr los. Die letzten 250 Seiten habe ich heute Nacht von halb 2 bis morgens um 6 durchgelesen, um endlich die Auflösung der Geschichte zu erfahren... Wie gesagt, sehr spannend, wie es auch die anderen Romane schon waren.
Am anrührendesten war für mich das "Paradies", auch in einer Verfilmung im Fernsehen zu sehen.
Ich bin schon auf den nächsten Roman von Lisa Marklund gespannt!! Was wird Annika Bengtzon als Nächstes erleben? Was geschieht mit ihrem Mann und den Kindern??

14.08.2008 22:34:34
Carmen Wöhler

Mir hat dieses Buch sehr gut gefalle. Die Storys, die angesiedelt sind in das Zeitungsgenre um Annika Bengtson gefallen mir sehr gut. Obwohl es mich an sich schnell nervt gefällt mir hier sogar der Einblick in das PRivat- und Eheleben. Sicherlich wird hier der Alltag berufstätiger Mütter sehr realisitisch beschrieben - und der Druck der entsteht, wenn der Mann seine Frau dabei nicht unterstützt. Sehr zu empfehlen, auch wenn man nicht die Reihenfolge der Bücher einhält oder noch keine weiteren der Reihe gelesen hat!

29.04.2008 15:31:14
Gerd Drechsler

Dreht doch mal Euere Reihenfolge ein wenig um! Folge 1 der Annika-Bengtzon-Serie ist "Studio 6". "Olympisches Feuer ist aus der Sicht, wie sich die Figur Annika Bengtzon entwickelt die 4. Folge. Nach meinem Geschmack sind alle Folgen spannend und gut geschrieben, auch wenn "Prime Time" vielleicht am langatmigsten daherkommt.

05.04.2008 00:30:35
Lesemuemme

Ich habe außer "Studio 6" schon alle Bücher von ihr gelesen. Ich fand alle sehr gut. Da ich selber bei der Zeitung arbeite, interessieren sie mich natürlich noch mehr als andere Krimis.

Habe mir schon das eine oder andere abgeguckt.

Bisher haben sich Annika und ihr Chef Anders Schyman immer geduzt und sie waren sich immer sehr vertraut.

Warum siezt er sie jetzt plötzlich und ist so garstig zu ihr? Das passt irgendwie nicht zusammen und ärgert mich sehr.

Das sollte einer wie Liza Marklund doch echt nicht passieren.

Mal sehen, wie das Buch ausgeht. Bin gerade ungefähr in der Mitte.

Werde danach noch mal einen kurzen Kommentar abgeben.

04.04.2008 08:37:50
Barbara Greve

Auch ich möchte wissen, wie geht es weiter? Nachgerade ist mir die Heldin
Annika richtig ans Herz gewachsen. Ich
finde auch das Umfeld ziemlich spannend.

07.01.2008 11:13:37
Jonas Meyer

Ich sehe das genauso, wie Harald und grinsfrosch:
Der Band davor (DER ROTE WOLF) ist sehr entscheidend!
Nur irgendwie fehlt etwas am Ende dieser Geschichte.Annika sitzt alleine da und denkt dass ihr Nachbar das Haus von ihr als Rache angezündet hat und Kommissar Q lädt sie doch ein, damit sie ihm die Geschichte erzählen kann. Das muss doch noch irgendwie passieren, außerdem ist Annika doch nicht auf der Straße... Was ist jetzt eigentlich mit Thomas??? Eigentlich geht doch jetzt alles nochmal von Vorne los, oder?

18.07.2007 13:50:43
Elli

Ich stimme Harald zu: die Figuren entwickeln sich von Buch zu Buch weiter (auch wenn ich den charakterlichen Wandel Anne Snapphanes schwer nachvollziehen kann: warum nützt sie Annika in diesem Band so aus und warum geht diese so sehr darauf ein?)Kleiner Tipp: es ist dieses Mal wirklich sehr entscheidend, was im Band davor ("Der rote Wolf") passiert ist. Ich hatte die beiden Bücher in umgekehrter Reihenfolge gelesen... *zähneknirsch*...

29.04.2007 13:24:25
Harald Schüttelhöfer

Ich kenne alle Bücher von L. Marklund und denke, das ist zusammen mit ihrem Erstling Studio 6 das Beste der Reihe. Für alle, die L. M. noch nicht kennen: Es geht nicht nur um einen Kriminalfall, Die Polizei agiert nur am Rande; die Heldin ist Reporterin einer Boulevardzeitung, die meistens mehr oder weniger in die Fälle stolpert und sie intuitiv löst. Mindestens genauso wichtig wie der "Krimi" als Aufhänger ist das Seelenleben und soziale Umfeld der Protagonistin, ihre Ehe und die politischen wie sozialen Bedingungen in Schweden. Nebenbei kriegen auch noch die USA ihr Fett weg, Murat K.läßt grüßen.Das Ganze ist durchaus spannend und schlüssig erzählt, das gibt glatte 90 Punkte. Da das Buch die vorherigen Bücher und das Leben und Lieben zitiert oder Bezug nimmt, sollte der, der sowieso Marklund lesen will, beim 1. Buch anfangen. Er wird es nicht bereuen.