Prime Time

  • Hoffmann & Campe
  • Erschienen: Januar 2003
  • Stockholm: Piratförlaget, 2002, Titel: 'Prime Time', Seiten: 401, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2003, Seiten: 5, Übersetzt: Judy Winter, Bemerkung: gekürzt
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005, Seiten: 414
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006, Seiten: 414
Prime Time
Prime Time
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Peter Kümmel
67°

Krimi-Couch Rezension von Peter Kümmel Jun 2003

Zu viele Themen bilden keine Einheit

Wer einen Action-Reißer a la "Olympisches Feuer" erwartet, der dürfte von "Prime Time" enttäuscht werden. Denn dort geht es weitaus ruhiger zu. Liza Marklund rechnet gnadenlos ab mit der Medienwelt und vorrangig mit dem Fernsehen. Und das macht sie sehr gut mit viel Ironie und zahlreichen kritischen Seitenhieben. Geht es wirklich beim Fernsehen so zu wie hier im Roman? Zumindest klingt es sehr glaubhaft. Eifersucht und Neid, Lügen, Intrigen und Hass beherrschen die Welt derer, die im Rampenlicht stehen und derer, die gerne dort stehen würden. Und beim Kampf um Einschaltquoten muß so manch einer auf der Strecke bleiben.

In einem abgeschiedenen Schloss haben sich dreizehn Personen zusammengefunden, um neue Folgen der von der bei den Zuschauern so beliebten Michelle Carlsson moderierten erfolgreichen Fernsehsendung aufzuzeichnen. Nach der Arbeit artet dann das Ganze in ein Gelage und Sexorgien aus und endet schließlich mit der Entdeckung der Leiche der Moderatorin. Michelle Carlsson wird in den frühen Morgenstunden erschossen im Bus des Technikers aufgefunden.

Da kaum jemand die Möglichkeit hatte, ungesehen in das Schloß zu gelangen, ist für die Polizei sehr schnell klar, dass sie den Täter unter den verbliebenen zwölf Personen zu suchen hat. Und bei den Verhören stellt sich nach und nach heraus, dass fast jeder der Anwesenden ein Motiv für den Mord hatte.

Marklunds Serienheldin, die Zeitungsreporterin Annika Bengtzon will gerade mit Mann und Kindern in einen Kurzurlaub aufbrechen, als das Telefon läutet und sie über die Tat informiert wird. Ein spektakulärer Mord geht natürlich vor, was ihr Mann absolut nicht akzeptieren kann. Und so macht sich - nach kurzem und heftigem Streit - der Rest der Familie alleine auf die Reise und Annika derweil mit dem Fotografen auf in Richtung Tatort. Zufälligerweise ist auch Annikas gute Freundin Anne unter den Verdächtigen und die versorgt sie mittels Handy mit den wichtigsten Informationen, so daß Annika der lästigen Konkurrenz schon mal einen Schritt voraus ist.

Von den Gegebenheiten her erinnert die Story an Romane der Altmeisterin Agatha Christie, doch entwickelt sich der Plot bei der schwedischen Autorin völlig anders. Das liegt vornehmlich daran, dass Liza Marklund eine Menge verschiedener Themen in das Buch zu packen versucht. Zu oft schweift sie vom zentralen Geschehen ab, denn Annikas Zeitung leidet darunter, dass der Chefredakteur seinen Pflichten nicht nachkommt. Daraus entwickelt sich eine Nebenhandlung, in der es um Wirtschaftskriminalität geht, doch bekommt dieser Handlungsstrang keine rechte Bindung und verläuft weitgehend nebenher.

Noch zerrissener wirkt das Buch durch die ständigen Wechsel zu Annikas Mann Thomas, der alleine mit den Kindern zu seinen Eltern gefahren ist. Das sehr komplizierte Privatleben der Bengtzons wird detaillert durchleuchtet. Der Leser wird mit den Beziehungen von Annika und ihrem Mann zu dessen Eltern sowie zwischen Thomas und seiner Ex-Frau vertraut gemacht. Diese Charakterstudien sorgen zwar dafür, dass sich der Leser besser in die handelnden Personen hineinversetzen kann, doch bildet dieser Roman einfach keine homogene Einheit.

"Prime Time" bietet zwar gute Unterhaltung, doch auf einem anderen Niveau als Marklunds Thriller "Olympisches Feuer". Übrigens ist "Prime Time" ebenso wie die bisher erschienenen Bücher der Bengtzon-Reihe "Studio 6" und "Paradies" - obwohl auch im Original später erschienen - chronologisch vor "Olympisches Feuer" einzuordnen. Gut gemacht, wie immer wieder andere Personen als Verdächtige in den Vordergrund gerückt werden. Leider aber gerät die Darstellung dieser Charaktere bei weitem nicht so gut wie die der Familie der Bengtzons oder etwa dem von Annikas Vorgesetztem. Die Auflösung des Falles schließlich erfolgt mehr zufällig. Seine Spannung bezieht der Roman weniger aus der Mordermittlung als vorwiegend aus dem Kleinkrieg der handelnden Personen untereinander.

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Liza Marklund, Hoffmann & Campe

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