Gottlos

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Century, 2005, Seiten: 390, Originalsprache
  • Berlin: Argon, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Sawatzki, Andrea
  • Berlin: Argon, 2008, Seiten: 5, Übersetzt: Andrea Sawatzki
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010, Seiten: 510
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011, Seiten: 512

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Sabine Reiß
Karin Slaughter packt dieses Mal ohne großes Blutvergießen

Buch-Rezension von Sabine Reiß Nov 2006

Die geschätzte Anzahl der existierenden Sekten in Amerika wird mit 3000 angegeben, in Deutschland seien es um die 600, so mutmaßt man. Neben den großen, bekannten Vereinigungen sind auch viele kleine Gruppen vertreten, die im Stillen agieren und deren Existenz nicht allzu offensichtlich ist.

Mit diesem Thema beschäftigt sich Karin Slaughter in ihrem neuesten Buch Gottlos. Ein nachdenkliches Motiv, das eher untypisch für die Autorin ist, die mit großem Blutbad in ihren Krimis bekannt geworden ist. Doch schon in ihren letzten Krimis hat sich das Blatt in punkto Blutvergießen etwas gewendet. Sie beleuchtete die Vergangenheit ihrer Hauptfiguren, der Leser konnte dieser besser kennenlernen. Fans der Serie schätzen offenbar gerade die Nebenhandlung und fiebern mit, wie es um die Beziehung der Gerichtsmedizinerin Dr. Sara Linton und ihrem Ex-Mann Polizeichef Jeffrey Tolliver bestellt ist.

Lebendig begraben

Im Moment - also im fünften Band - ist wieder einmal Krise angesagt, denn die Affäre, die das Scheitern der Ehe einläutete, zieht Kreise bis in die Gegenwart, wo sich die beiden doch gerade entschlossen haben, wieder eine gemeinsame Wohnung zu beziehen: Die damalige Geliebte hat sich gemeldet und Jeffrey mitgeteilt, sie leide an Hepatitis (die schlimme Sorte - könnte die Autorin da vielleicht ein wenig präziser sein), und das ist, wie wir wissen, bekanntlich ansteckend. Das streitende Paar rennt in den Wald und stolpert über ein Metallrohr, das im Boden steckt. In einer Kiste darunter liegt die Leiche eines Mädchens, das offenbar lebendig begraben wurde. Allerdings ergibt die Obduktion, dass die junge Frau letztendlich an einer Zyankalivergiftung gestorben ist und zudem noch schwanger war.

Die Spur führt zu einer Familie in der Gegend, die eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat, und wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem toten Mädchen tatsächlich um die vermisste Abby. Deren Familie stellt den Mittelpunkt einer religiösen Gemeinschaft dar, die sich um verlorene Söhne und Töchter, also Ex-Sträflinge und Junkies kümmert und diese auch auf der Farm beschäftigt. Hat dies etwas mit Abbys Tod zu tun oder warum musste sie sterben?

Trivialliteratur mit konventionellem Strickmuster

Karin Slaughter schreibt ohne Zweifel routiniert. Zwar sind die Dialoge nicht immer überwältigend und so manches Mal muss man vor Plattheit den Kopf schütteln, doch darüber kann man im Großen und Ganzen hinwegsehen. Im Vergleich zu ihren früheren Bänden hat sie Gottlos mit weniger Action ausgestattet, was jedoch nicht gleichbedeutend mit weniger Spannung ist, denn sie hält den Leser mit einem verträglichen Tempo bei der Stange.

Die Figuren bleiben trotz weiterer Erkenntnisse über deren Vergangenheit leider immer noch eindimensional und die Figur von Lena Adams, eine Polizistin aus Jeffreys Revier, die in einem Vorgängerband die Hauptrolle spielte, strapaziert die Nerven weiterhin. An Lena spiegelt sich ein Teil der Handlung allzu offenkundig. Sie lässt sich immer noch von ihrem Freund verprügeln und lässt heimlich eine Abtreibung vornehmen. In zweierlei Hinsicht hält die Autorin ihr den Spiegel vor: einmal in Form eines Falles von häuslicher Gewalt - eine Frau, die sie aus der Abtreibungsklinik wiedererkannt hat - und weil das tote Mädchen einen lebensfähigen Fötus in sich trug.

Ein wirklich guter Krimi ist etwas anderes, ein wirklich schlechter aber auch. Gottlos ist Trivialliteratur mit konventionellem Strickmuster, das bei den Fans ankommt, leicht und schnell gelesen. Wer anspruchsvollere Unterhaltung sucht, ist bei Karin Slaughter definitiv falsch.

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