Japanische Perlen

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2006
  • New York: HarperCollins, 2004, Titel: 'The pearl diver', Seiten: 335, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2006, Seiten: 387, Übersetzt: Sonja Hauser
  • München; Zürich: Piper, 2007, Seiten: 387
Japanische Perlen
Japanische Perlen
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Eva Bergschneider
75°

Krimi-Couch Rezension vonMär 2006

Wann darf Rei nach Japan zurück?

Sujata Masseys Krimi-Serie mit der Halb-Japanerin/Amerikanerin Rei Shimura ist beinahe schon Kult unter den Krimi-Fans, die eher unblutig beschriebene Verbrechen, mit einer taffen und witzigen Heldin mögen. Mit Japanische Perlen (orig.: "The Pearl Diver") liegt der sechste deutsche Band vor. Acht amerikanische Originalbände sind bereits erschienen und im September diesen Jahres kommt Band Neun "Girl in a Box" dazu. Gut so, denn von der spritzigen Rei kann man wirklich nicht genug bekommen !

Ein gefährlicheres Pflaster und...

Widerstrebend und unfreiwillig ist Rei ihrem Verlobten Hugh in die amerikanische Hauptstadt Washington gefolgt. Rei muss zunächst den Kulturschock verdauen und weiß wenig mit sich anzufangen, bis Cousine Kendall ihr einen interessanten Auftrag vermittelt; Rei soll das neue japanische Restaurant "Bento" mit Mobiliar ausstatten. Rei stürzt sich begeistert in die Arbeit und bemüht sich Tag und Nacht um ein exklusives japanisches Ambiente. Die Restaurant Eröffnung scheint ganz gut zu laufen, bis Kendall von einem Handy-Telefonat, dass sie im Gang führen musste, nicht zurückkehrt. Rei wartet vergeblich mit den Zwillingen ihrer Cousine am Tisch und alarmiert schließlich die Polizei. Kendall wurde entführt, sie kommt aber glimpflich davon und wird unversehrt im Kofferraum eines Autos gefunden.Hat Kendalls Entführung etwas mit ihrer Arbeit als Spendensammlerin für den smarten Senator Harp Snowden zu tun ? Oder verteidigen die Konkurrenten des Bento auf diese Weise ihren Standort ?

... kulturelle Verbundenheit

Reis Leben in Washington wird schließlich aufregender, als ihr lieb ist. Sie sorgt sich nicht nur um ihre Cousine, sondern auch um ihre Einnahmen für die Innenausstattung des Bento. Nach der Entführung bleiben die Gäste aus und der Inhaber ist zunehmend unzufrieden mit Reis' kostspieliger Auswahl. Offensichtlich hat sich auch Reis detektivisches Können bis nach Washington herum gesprochen. Reis Freundin Andrea, die Empfangsdame im Bento, vertraut ihr an, dass sie afroamerikanischer-japanischer Herkunft ist. Sie bittet Rei, das Schicksal ihrer japanischen Mutter aufzuklären, die zwei Jahre nach ihrer Geburt die Familie verlassen und sich anscheinend selbst im Fluss ertränkt hat. Andrea glaubt nicht daran, denn ihre Mutter soll in Japan eine Perlentaucherin gewesen sein. Für die beiden zwischen den Kulturen hin und her gerissenen Frauen, beginnt eine Reise in eine Vergangenheit voller Einsamkeit, Intoleranz und verzweifelter Identitätssuche. Dadurch gerät Rei in höchste Gefahr, die ihr unerwartet viel abverlangen wird.

Eine gut durchdachte, erschütternde Geschichte

Andreas Geschichte ist für Rei eine Art Spiegelbild dessen, was ihr selbst hätte widerfahren können, wenn sie nicht ein so intaktes und liebevolles Elternhaus gehabt hätte. Das Schicksal ihrer Freundin geht Rei sehr nah und diese tiefe Betroffenheit kommt auch beim Leser an. Der Autorin ist eine sehr gefühlvoll erzählte, tiefgründige und bis zuletzt logische Story gelungen, die wirklich unter die Haut geht. "Japanische Perlen" beschäftigt sich mit einem zentralen und sehr menschlichen Aspekt der amerikanisch-japanischen Geschichte. Dabei kommt der Spannungsfaktor keineswegs zu kurz, denn die Autorin versteht es, ihre Geschichte Schritt für Schritt zu entwickeln und zudem einige interessante Nebenschauplätze einzufügen. Die Auflösung ist zwar nicht vollkommen überraschend, allerdings bis zuletzt schlüssig und dramatisch. Sujata Massey gelingt es, diese bewegende Geschichte in einer sehr persönlichen und sensiblen Tonart zu Ende zu erzählen.

Rei in ihrem Element - leider am falschen Ort

Rei Shimura tritt auch in  Japanische Perlen genau so auf, wie ihre Fans sie lieben; schlau, schlagfertig und schrill. Auch in Washington hat sie mit den gängigen Konventionen der gehobenen Society nichts am Hut und bleibt immer sie selbst. Die etwas nervende, permanente Aufzählung der Markennamen, von Kendalls Kostüm bis zum Schlüsselbund, darf man wohl als Spott der Autorin über die Allgegenwärtigkeit dieser Marotte in den USA verstehen.Mit ihrer Menschenkenntnis und Herzlichkeit gelingt es der eigenwilligen Rei, sowohl das Herz ihrer reichen Cousine, als auch die Sympathie der etwas raueren Restaurantangestellten zu gewinnen. Leider wird Rei in Washington weit weniger heraus gefordert, als in Tokio, ihr Esprit und ihre unkonventionelle Art kommen in den USA nicht richtig zur Geltung. Der Autorin gelingt es durchaus, etwas von dem "japanischen Flair" hinüber zu retten, aber es fehlen einfach die vielen kleinen Missverständnisse mit den Japanern in ihrer Welt. Reis unbekümmerte Art der Auseinandersetzung mit der japanischen Gesellschaft in der hektischen Metropole Tokio ist ein besonders reizvoller Aspekt der ersten Romane. Der deutsche Leser kann leider nicht ganz nachvollziehen, wie es zu dem Standortwechsel gekommen ist, denn es fehlt die deutsche Übersetzung des unmittelbaren Vorgängers "The Samurais' Daughter".

Wieder ein lesenswerter, sehr unterhaltsamer Krimi mit Rei Shimura, der allerdings an die Originalität der früheren Bände nicht ganz heran reichen kann.

Japanische Perlen

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