Zuflucht im Teehaus

  • Kabel
  • Erschienen: Januar 2000
  • New York: HarperCollins, 1998, Titel: 'Zen Attitude', Originalsprache
  • Hamburg: Kabel, 2000, Seiten: 301, Übersetzt: Sonja Hauser
  • München; Zürich: Piper, 2002, Seiten: 301
  • München; Zürich: Piper, 2003, Seiten: 301
Zuflucht im Teehaus
Zuflucht im Teehaus
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Sabine Reiß
79°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2003

Nette, amüsante Unterhaltung ohne Tiefgang

Rei Shimura hat es nicht leicht, denn mit einem Bein steht sie auf dem amerikanischen Kontinent und mit dem anderen Bein auf dem asiatischen: als Tochter eines Amerikaners und einer Japanerin, aufgewachsen in San Francisco. Sie versucht sich in Tokio als Antiquitätenhändlerin durchzuschlagen, immer mit dem halben Vorteil, dass sie fast aussieht wie eine Einheimische, waren da nicht ihre amerikanische Kleidung und das Problem, dass sie immer noch beim Lesern der kanji-Zeichen hat. Außerdem hat sie manchmal Mühe, die japanischen Verhaltensweisen zu verstehen.

Sie ist schon ziemlich lange unterwegs, um für Nana Mihori eine tansu-Kommode zu finden, als sie den Anruf von ihrer Auftraggeberin erhält, dass in einem kleinen Geschäft außerhalb von Tokio eine solche ausgestellt sein soll. Fast ist sie sich mit dem Verkäufer über den Preis einig, da tritt eine andere Kundin auf den Plan, aber nach wechselseitigem Überbieten macht Rei das Rennen. Als sie das Möbelstück in ihrer Wohnung nochmals näher unter die Lupe nimmt, stellt sie fest, dass die Kommode nicht aus der besagten Zeit stammt, sondern um einiges jünger ist, und nur die Beschläge ausgetauscht wurden. Ihr alter Freund Ishida, ebenfalls Antiquitätenhändler, rät ihr, ihrer Kundin nichts davon zu sagen, denn sie würde sich verpflichtet fühlen, ihr die Kommode trotzdem abzukaufen. Wäre es nicht besser, einen kleinen Einbruch vorzutäuschen? Nun, Rei entscheidet sich gegen diese Alternative und will Nana Mihori die Wahrheit sagen. Keine gute Idee...

Als sie sich zwecks Reklamation wieder in das Geschäft begibt, wo sie die tansu-Kommode gekauft hat, muss sie feststellen, dass der Verkäufer auf und davon ist. Ein junger Autohändler bietet ihr sein Hilfe an und teilt ihr mit, er hätte den betrügerischen Verkäufer in seinem Auto in die Stadt gelotst. Doch als er mit Rei zu seinem Auto kommt, ist der gute Mann zwar noch da, aber er lebt nicht mehr. Rei muss das Problem anders lösen und dabei gerät auch sie in Lebensgefahr.

Zuflucht im Teehaus lebt von den vielen kleinen Details, die hier keine Erwähnung finden können. Niemals plätschert die Geschichte einfach nur so dahin, sondern ist immer mit interessanten Informationen ausgeschmückt, sei es über die Tradition der Schriftrollenmalerei, die Tempelzeremonien, das Leben der Ausländer in Tokio, Tempelfeste und vieles mehr. Und das Ganze wird von Sujata Massey auch recht rasant erzählt, so dass keine Langeweile aufkommt. Sonderlich anspruchsvoll ist der Text nicht und so kommt man sehr gut voran, immer getrieben von dem Gedanken wissen zu wollen, wie es weitergeht. Lange ist es her, dass ich ein Buch an einem Tag komplett gelesen habe, hier habe ich es locker geschafft.

Es ist kein überdurchschnittlicher Krimi, aber er bietet nette und amüsante Unterhaltung und ein paar kurzweilige Stunden für Leute, die etwas für exotische Schauplätze übrig haben. Der Roman besticht durch das ungewöhnliche Setting und die Autorin arbeitet die kulturellen Unterschiede sehr deutlich heraus ohne oberlehrerhaft zu wirken, immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Obwohl Zuflucht im Teehaus bereits der zweite Roman um Rei Shimura ist, kann er völlig unabhängig vom ersten gelesen werden. Sujata Massey gibt der Geschichte eine große Eigenständigkeit mit auf den Weg und die wenigen Details über die Lebensumstände, die sich wiederholen (müssen), langweilen nicht. Vom Unterhaltungswert sind beide Romane in etwa gleichwertig.

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