Auf fremdem Terrain

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Moskau: Militia, 1995, Titel: 'Igra na cuzom pole', Seiten: 190, Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 1999, Seiten: 287
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2000, Seiten: 287

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Peter Kümmel
Einblicke in das Russland der Gegenwart

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Anastasija Kemenskaja arbeitet bei der Kriminalpolizei in Moskau. Wegen ihres kaputten Rücken ist eine Kur dringend notwendig. So beschafft ihr ihr Chef einen Platz im Sanatorium "Doline". Außer ihren medizinischen Anwendungen möchte sie sich nur um ihre Nebenbeschäftigung kümmern: der Übersetzung von Kriminalromanen ins Russische. Doch wird sie dabei öfter unterbrochen, als ihr lieb ist. Zum einen von Regina Arkadjewna, ihrer Zimmernachbarin, einer älteren Klavierlehrerin, die sich nach Gesellschaft sehnt, zum anderen durch diverse Schürzenjäger, die sich augenscheinlich einen Sport daraus machen, die weiblichen Kurgäste abzuschleppen. Doch Nastja lässt einen nach dem anderen abblitzen. Einzig Damir Ismailow, ein ehemaliger Schüler von Regina, scheint Chancen bei ihr zu haben. Doch Nastja merkt, dass er etwas zu vrbergen hat und ihr nicht die Wahrheit sagt.

Dann wird Kolja Alferow, ein Kurgast, von seinem Zimmernachbarn tot im Bett aufgefunden. Er wurde erschlagen. Anastasija war eine der letzten, die den Ermordeten lebend gesehen hat, als sie sich mit ihm auf einer Parkbank unterhielt. Darauf wird sie auch von den ermittelnden Polizeibeamten verhört. Sie bietet ihre Mithilfe an, doch wird sie von den Beamten ziemlich unfreundlich abgewiesen. Da der Tote aus Moskau stammt, schickt die Moskauer Kripo einen ihrer Leute. Als die Beamten der STADT von ihm erfahren, dass es sich bei Anastasija um eine hochrangige Kriminalbeamtin handelt und sie daraufhin doch gerne deren Unterstützung hätten, spielt diese die Beleidigte.

Doch dann wird um Anastasijas Hilfe überraschenderweise noch von ganz anderer Seite ersucht.

"Auf fremdem Terrain" ist ein Kriminalroman, bei dem der Leser von Anfang an mehr weiß als die Ermittler, aber auch nicht alles. Denn eine Überraschung bleibt auch für den Leser noch, wenngleich man als erfahrener Krimileser auch schon vor der Auflösung darauf kommen müsste.

Aus ständig wechselnden Perspektiven beschreibt Alexandra Marinina das Geschehen. Dabei ist das Buch von Anfang an angenehm zu lesen, selbst an die doch recht langen russischen Namen hat man sich schnell gewöhnt, auch wenn man ab und an mal jemanden verwechselt oder auch mal eine Person als zwei verschiedene ansieht, wenn sie einmal mit dem Vaternamen, das andere mal mit dem Nachnamen bezeichnet wird.

Die Kleinstadt fernab von Moskau, in der sich das Sanatorium "Doline" befindet, wird schlicht als die STADT bezeichnet, in kleingedruckten Großbuchstaben. Und es ist eine ganz besondere STADT, wie es sie heutzutage in Russland nicht allzu oft gibt. Denn in der STADT herrscht Frieden, Ruhe und Ordnung. Und das liegt daran, dass in der STADT ein Mann - Eduard Petrowitsch Denissow - ein einziger Mann die Fäden in der Hand hält. Und der bestimmt sogar, wieviel Morde im Jahr passieren dürfen und wie viele davon unaufgeklärt bleiben dürfen. Sprich: die STADT wird von einer einzigen Mafia ohne jede Konkurrenz regiert.

Und da kommt auch Nastja schnell dahinter. Die Autorin beschreibt ihre Protagonistin so genau, dass man schnell eine sehr gute Vorstellung von ihr bekommt. Nastja ist eine sehr vielschichtige Figur mit Stärken und Schwächen, die dem Leser schnell sympathisch wird. Doch nicht alle Charaktere werden so genau dargestellt, Randfiguren werden ein wenig vernachlässigt.

Interessant die Einblicke in das Russland der Gegenwart und die Macht von Verbrecherorganisationen sowie in eine Welt voll von Korruption und düsteren Machenschaften. Das Geschehen ist zwar teilweise sehr brutal, ohne daß jedoch die Einzelheiten detailliert dargestellet werden.

Der erste Roman einer Krimiserie dient oft dazu, die Hauptfiguren und das Umfeld bekannt zu machen, deshalb sei es der Autorin verziehen, dass der Auftakt der Kamenskaja-Reihe noch nicht überaus spannend verläuft.

Ein angenehm zu lesender Krimi, der nicht einem Einheitsmuster folgt. Als Auftakt einer Serie nicht allzu spannend weckt er dennoch Interesse auf Fortsetzungen.

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