Zorn - Tod und Regen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2012, Übersetzt: David Nathan

Couch-Wertung:

80°
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Wolfgang Weninger
Lesespaß mit Kultpotential

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jan 2012

Stephan Ludwig, ein Neuling auf dem Krimi-Markt, präsentiert in seinem Erstling Hauptkommissar Claudius Zorn, mit dem der Fischer Taschenbuch Verlag einen neuen Serienhelden auf dem heiß umkämpften Ermittlergenre arbeiten lässt, der auch dem Startroman Zorn - Tod und Regen seinen Namen verleiht.

Und Claudius Zorn ist einer, der jedes Vorurteil vom genervten Polizeibeamten nährt, denn eigentlich will er nur seine Ruhe haben, möglichst keine Akten sehen und nur die Beine auf den Schreibtisch legen. Und das hat er in den letzten Jahren auch weitgehend getan, unterstützt von seinem dicklichen Kollegen Hauptkommissar Schröder, der ihm die Laufarbeit abnehmen muss. Seit Jahren ist in der Kleinstadt nichts passiert und dann kommt es gleich knüppeldick, weil Stephan Ludwig unbedingt mit einem Serienmörder sein Debüt startet. Allerdings fehlt vorerst mal eine Leiche, denn die Beamten vor Ort haben nur eine Blutlache entdeckt, die eindeutig durch menschliches Blut hervorgerufen wurde und zwar so viel, dass das kein normaler Unfall gewesen sein kann.

Mehr braucht Zorn nicht, um noch griesgrämiger zu werden, aber Staatsanwalt Sauer, der ihn ohnehin nicht leiden kann, mischt sich da auch noch ein und obendrein kommt da noch eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung auf ihn zu und überhaupt ist mal wieder der ganze Tag, weil das Labor feststellt, dass das Blut von einer Frau stammt, die mit Buprenorphin vollgestopft war. Aber wer verabreicht einer Frau ein starkes Schmerzmittel, um sie hinterher verbluten zu lassen?

Und ob das nicht schon genug an Arbeitsaufwand wäre, wird auch noch ein Selbstmord aus der Gartenstadt gemeldet, bei der die Leiche zuvor gewürgt, misshandelt und vergewaltigt wurde, also muss Claudius Zorn auch dort nach dem Rechten sehen. Zwei Tage Plackerei für Zorn und Schröder, aber dann wird auch die Leiche der ausgebluteten Frau gefunden. Und Zorn wird das alles zuviel, er geht lieber mit dem Mann der Selbstmörderin einen saufen. So nebenbei macht er dabei auch noch eine Damenbekanntschaft, während Schröder dahinter kommt, dass der Staatsanwalt wohl seine Finger irgendwie in dem Fall hat und mit Informationen hinter den Berg hält und die Akte manipuliert hat ...

So hochgradig originell ist die Story um den wer-weiß-wievielten Serienmörder nicht und eigentlich könnte man sie abhaken als eine von vielen, bei der es in erster Linie um Blut und Brutalität geht. Wäre da nicht dieser grantige Kauz Claudius Zorn, der bei all seiner bärbeißigen Art zu einem fast liebenswürdigen und alltäglichen Mann der städtischen Beamtenschaft wird, der vorerst alles negativ sieht, um hinterher nachzudenken. Sein Kollege Schröder, dem auf Grund seines Aussehens keiner etwas zutraut, der es aber faustdick hinter den Ohren hat, ist ein kongenialer Partner mit einer fast hündischen Verehrung für seinen Chef, dem er auch die gesamte Recherchearbeit abnimmt.

Da hat der Autor zwei Typen geschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und von denen der 366-Seiten-Roman erst richtig lebt, weil ihre Sympathiewerte von Seite zu Seite steigen. Dazu kommen Dialoge, die in ihrer Kürze und ihrem Witz pointiert vorgetragen sind, auch wenn an gewissen Stellen auch kräftig monologisiert wird, was aber zur Klärung auch notwendig ist.

Spannung hat der Roman, nicht zuletzt durch die anhaltende Brutalität und die Art und Weise, wie das Auffinden der Leichen die Beamten zur Schnitzeljagd anregt. Das reicht dann bis zum finalen Showdown, der an zwei unterschiedlichen Orten spielt, um dann doch die Handlungsstränge gut miteinander zu verweben.

Zorn - Tod und Regen macht rundum Spaß beim Lesen und hat genügend Spannungselemente, um den Leser bei der Stange zu halten, auch wenn der Fall überkonstruiert wirkt. Für einen Erstlingsroman ist der Start außergewöhnlich gut gelungen und Stephan Ludwig hat sich für den zweiten Teil die Messlatte ganz schön hoch gehängt. Claudius Zorn und sein Kompagnon haben das Zeug dazu, Kultstatus zu erreichen, ähnlich wie Thiel und Boerne vom Münsteraner Tatort.

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