Alan Parks

02.2020 "Tod im Februar" ist unser Buch des Jahres 2019 auf Krimi-Couch.de. Thomas Gisbertz stellte Autor Alan Parks einige Fragen zu diesem und seinem kommenden Roman.

"Ich möchte, dass die Stadt in meinen Büchern zu einer eigenständigen Figur wird."

Krimi-Couch:
Herr Parks, zunächst möchte ich Ihnen im Namen des gesamten Teams ganz herzlich zum „Buch des Jahres 2019“ auf Krimi-Couch.de und einem äußerst beeindruckenden Thriller gratulieren. Sie haben an der Universität von Glasgow Philosophie studiert. Später arbeiteten Sie als Creative Director bei London Records und bei Warner Music, wo Sie für Acts wie All Saints, New Order, The Streets oder Gnarls Barcley zuständig waren, und nun schreiben Sie Thriller. Erklären Sie uns doch bitte diesen ungewöhnlichen Werdegang.

Alan Parks:
Wie die meisten Leute hatte ich gar keinen Plan. An der Uni habe ich Lloyd Cole und seinen Manager Derek kennengelernt, und nach dem Abschluss haben sie mich gefragt, ob ich im Glasgower Büro aushelfen möchte. Ein paar Jahre später haben wir uns dann nach London verlagert, wo ich von London Records zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Kurz darauf habe ich dort gearbeitet. Die wurden dann zu Warner. Schließlich ging das Geld aus und ich wurde entlassen, wie es im Musikgeschäft vielen passiert. Ich bin nach Glasgow zurückgezogen, wo Warner mich irgendwann gebeten hat, drei Tage die Woche beratend tätig zu sein. Ich musste mich also jede Woche auf mehrstündige Zugfahrten einstellen und nahm mir vor, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also fing ich an, ein Buch zu schreiben.

Krimi-Couch:
Die Reihe spielt in Glasgow während der 70er-Jahre. Warum haben Sie sich für diese Zeit entschieden und wie sind Sie auf die Idee zu Ihrer Reihe um Detective Harry McCoy gekommen?

Alan Parks:
Glasgow ist meine unangefochtene Lieblingsstadt. Sie erschien mir schon immer so aufregend und glamourös! In den 70ern habe ich dort einen großen Teil meiner Kindheit auf Besuch bei Tanten, Onkeln und Cousins verbracht. Diese Zeit ist mir sehr lebhaft in Erinnerung geblieben, daher schien es naheliegend, das Setting in meinen Büchern zu verwenden.

Krimi-Couch:
Mit „Wattie“ Watson stellen Sie McCoy eine Kontrastfigur an die Seite, die noch sehr idealistisch ist und glaubt, das Böse besiegen zu können. McCoy hingegen wirkt, obwohl er erst 30 Jahre alt ist, desillusioniert und will eher Schadensbegrenzung betreiben. Kann man Ihre Hauptfigur als jemanden beschreiben, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem absoluten Sinn nach Gerechtigkeit und dem Wissen, dass er stets Kompromisse bei seinem Kampf gegen das Verbrechen eingehen muss?

Alan Parks:
Ich glaube, McCoy ist schon bewusst, dass er die Welt nicht ändern kann. Aber es ist ihm dennoch wichtig, Leuten zu helfen, denen Gerechtigkeit nicht geschenkt wird. Deshalb ist er besonders an den Menschen interessiert, die für gewöhnlich an den Rand des Systems gedrängt werden: die Armen, die psychisch Erkrankten, die Obdachlosen… also die, die seiner Ansicht nach am meisten Hilfe verdienen. Er tut was er kann.

Krimi-Couch:
McCoy steht der Glasgower Unterwelt durch eine ungewöhnliche Freundschaft mit Stevie Cooper, der als Zuhälter arbeitet und in der Verbrecherhierarchie der schottischen Großstadt weiter aufsteigen will, sehr nahe. Hält er den Kontakt aus reiner Verbundenheit oder eher, um an notwendige Information zu gelangen, um Kriminellen das Handwerk legen zu können?

Alan Parks:
McCoy fühlt sich Cooper verpflichtet. Cooper hat sich um ihn gekümmert, als sie beide noch Kinder waren, den erschreckenden Zuständen im Fürsorgesystem hilflos ausgeliefert. Das hat er nie vergessen. Und diese Bindung geht dementsprechend lange zurück. Coopers Kontakte sind Fluch und Segen zugleich, denn McCoy wird zunehmend klar, wie schwierig es ist, seinen Beruf professionell auszuüben ohne gleichzeitig die Freundschaft zu gefährden. Murray und einige andere hohe Tiere sind alles andere als glücklich darüber, aber für Cooper und McCoy spielt Loyalität eine große Rolle, deshalb lassen sie einander nicht im Stich.

Krimi-Couch:
Neben der hervorragenden Figurendarstellung überzeugt „Tod im Februar“ mit einem fantastischen Schreibstil. Ihnen gelingt es, eine unfassbare Atmosphäre zu schaffen: Dunkle Töne im winterlich-kalten Glasgow der 70er-Jahre bestimmen die Szenerie. Man spürt regelrecht den eisigen Wind und die Kälte des Schnees. Wie gelingt es Ihnen, die Atmosphäre derart genau einzufangen?

Alan Parks:
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich so lange dort gelebt habe. Ich möchte, dass die Stadt in meinen Büchern zu einer eigenständigen Figur wird. Sie ist so wichtig wie alle anderen Charaktere, deswegen muss den Leser/innen auch an ihr etwas liegen – es soll plastisch vermittelt werden, wie es sich anfühlt, dort zu leben.

Krimi-Couch:
Mit Joseph Knox begeistert mich gerade ein weiterer Noir-Autor sehr mit seiner in Manchester spielenden Reihe um Detective Aidan Waits. Das Genre des Tartan Noir scheint momentan einen Boom zu erleben. Was macht für Sie das Besondere daran aus?

Alan Parks:
Bücher des „Tartan Noir“ schaffen vor allem sehr glaubhafte, stimmungsvolle Settings, und meiner Meinung nach haben sie auch eine gewisse Prise Witz und Verstand gemeinsam. Aber um ehrlich zu sein, könnte ich „Tartan Noir“ selber nicht einmal genau definieren!

Krimi-Couch:
Im März erscheint in Großbritannien bereits der dritte Band der Harry-McCoy-Reihe mit dem Titel „Bobby March will live forever“. Bitte verraten Sie den deutschen Lesern, worum es diesmal inhaltlich gehen wird.

Alan Parks:
In „Bobby March Will Live Forever“ bekommt es McCoy mit einem entführten Kind, einem toten Rockstar und dem Verschwinden der Nichte seines Chefs zu tun. Im Laufe seiner Ermittlungen wächst in ihm die Vermutung, dass all dies irgendwie zusammenhängt, und er will unbedingt dem „Wie?“ auf den Grund gehen…

Das Interview führte Thomas Gisbertz im Februar 2020.
Übersetzt aus dem Englischen von Yannic Niehr.
Foto: © Euan Robertson

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