Nele Neuhaus

01.2019 Nach ihrer Lektüre von „Muttertag“ hat Krimi-Couch-Redakteurin Carola Krauße-Reim einige Fragen dazu an Nele Neuhaus gestellt.

Es wird einem in Deutschland nicht leichtgemacht, Gutes zu tun!

Krimi-Couch:
„Muttertag“ ist bereits der neunte Fall rund um Oliver von Bodenstein und Pia Sander. Ist es inzwischen schwerer, Ideen zu finden, oder „laufen“ sie Ihnen schon einmal einfach über den Weg?

Nele Neuhaus:
Tatsächlich bin ich selbst immer wieder auf’s Neue erstaunt, dass ich gar nicht nach Ideen suchen muss, sondern diese zu mir kommen. Es sind meistens irgendwelche Ereignisse, von denen ich in der Zeitung lese, die der erste Anstoß für einen neuen Plot sind. Bei „Muttertag“ war es zum Beispiel der Fall eines mutmaßlichen Serienmörders in unserem Nachbarort. Nach seinem Tod wurden in seiner Garage menschliche Überreste in einer Tonne gefunden. Mich hat daran fasziniert, wie es möglich sein kann, dass jemand über Jahrzehnte hinweg sein Umfeld täuschen und ein oberflächlich betrachtet „normales“ Leben führen kann.

Krimi-Couch.de:
Auch fiktive Ermittler werden nicht jünger. Pia Sander hat gerade die 50 erreicht. Werden Sie ein neues Ermittlerteam in vielleicht einem anderen Umfeld ins Leben rufen, wenn Pia und Oliver in Rente gehen?

Nele Neuhaus:
Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht! Aber es stimmt, Oliver von Bodenstein ist jetzt Mitte 50, Pia Sander kurz vor ihrem 50. Geburtstag. Ich könnte den Ablauf der Zeit beeinflussen, indem ich sie einfach nicht älter werden lasse und in Zukunft die Datumsangaben in meinen Büchern weglasse. Natürlich kann ich auch – anstatt Zeitsprünge von drei Jahren zu machen – mehrere Fälle in ein und demselben Jahr ansiedeln. Oder aber die beiden gehen irgendwann in den Ruhestand - und ich mit Ihnen. :-)

Krimi-Couch.de:
Sie veröffentlichen in enger Taktung Kriminalromane und Jugendbücher. Schreiben Sie diese beiden doch so unterschiedlichen Genres parallel? Ich kann mir vorstellen, dass dann der Wechsel nicht so einfach ist. Wie schaffen Sie den switch, ohne den Schreibfluss zu verlieren?

Nele Neuhaus:
Nein, ich schreibe nie parallel, sondern abwechselnd. Sonst würde ich wahrscheinlich durcheinanderkommen. In den Jugendbüchern ist die Sprache eine ganz andere, auch die Erzählweise unterscheidet sich von der in meinen Krimis. Für mich ist es eine schöne Abwechslung, in verschiedenen Genres zu schreiben. Es gibt ja auch noch die Romane, die ich als Nele Löwenberg schreibe, und da ist es wieder eine ganz andere Herangehensweise als in Krimi oder Jugendbuch. Ich finde das sehr spannend, denn es ist in der Tat jedes Mal wieder eine Herausforderung, Sprache, Tonalität und Erzählweise zu finden und dabei den jeweils typischen Stil, den meine Leserinnen und Leser kennen und mögen, beizubehalten.

Krimi-Couch.de:
Sie haben die Nele-Neuhaus-Stiftung gegründet, die die Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz bei Kindern und Jugendlichen fördern soll. Wie genau sieht diese Förderung aus und wer kann in ihren Genuss kommen?

Nele Neuhaus:
Als ich mein erstes eigenes Geld mit meinen Büchern verdient habe, habe ich beschlossen, eine Stiftung zu gründen. Ich hatte das große Glück, in ein buchaffines und förderndes Elternhaus hineingeboren zu werden, viele andere Kinder haben dieses Glück nicht. Deshalb will ich in erster Linie diese Kinder und Jugendlichen unterstützen. So einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, war es aber leider nicht. Es wird einem in Deutschland nicht leichtgemacht, Gutes zu tun!

Außerdem hatte ich bei der Gründung der Stiftung keine guten Ratgeber, was mich viel Geld gekostet hat. Glücklicherweise kennt sich mein Mann als ehemaliger Privatbanker sehr gut aus und unter seiner Leitung ist meine Stiftung nun allmählich auf dem Weg in die Richtung, die ich mir vorgestellt hatte. Wir entwickeln zum Beispiel im Moment zusammen mit EVONIK und Borussia Dortmund ein Lese- und Schreibprojekt für Jungen. Aber wir fördern auch im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten Schreibwettbewerbe in meiner Heimatregion, Bibliotheken, öffentliche Bücherschränke und kooperieren mit größeren Stiftungen, wenn uns die Mittel fehlen.    

Krimi-Couch.de:
Die Taunuskrimis sind teilweise verfilmt worden. Hatten Sie ein Mitspracherecht bei den Drehbüchern oder sonstigen Einfluss auf die Umsetzung? Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Nele Neuhaus:
Die Verfilmung eigener Bücher ist wohl für jeden Autor ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist man natürlich sehr stolz, wenn die Filme zur Primetime im Fernsehen laufen, auf der anderen Seite heißt es Abschied nehmen von dem, was man erschaffen hat, ganz zu schweigen von den eigenen Vorstellungen, was die Figuren betrifft.

Ich bin mit der Umsetzung bisher nicht besonders zufrieden gewesen. Durch einen Knebelvertrag war ich jedoch an eine Produzentin gebunden, die unter Pseudonym auch selbst die Drehbücher geschrieben hat. Eine äußerst schwierige Konstellation. Mein vertraglich vereinbartes Mitspracherecht war in der Realität nicht viel wert. Meine Einwände zu den Drehbüchern wurden nicht beachtet. Momentan verhandeln wir mit zwei neuen Filmproduzenten – einer von ihnen wird das Rennen machen. Und natürlich hoffe ich darauf, dass meine Romane dann besser umgesetzt werden, als es bisher der Fall gewesen ist.

Das Interview führte Carola Krauße-Reim im Januar 2019.
Fotos: © Gabi Gerster