Offenes Grab

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Ordront, 2009, Titel: 'Öppen grav', Seiten: 299, Originalsprache
  • München: dtv, 2012, Seiten: 368, Übersetzt: Susanne Dahmann

Couch-Wertung:

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Wolfgang Weninger
neither crime, nor thrill

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2011

Ann Lindells letzter Fall ... so steht es zumindest auf der Rückseite von Kjell Erikssons Kriminalroman Offenes Grab, das im Deutschen Taschenbuchverlag erschienen ist und von Susanne Dahmann aus dem Schwedischen übersetzt wurde und 318 Seiten lang ist.

Eigentlich ist die Verleihung des Nobelpreises das ideale Ausgangsthema, um das Leben eines fünfundachtzigjährigen Medizinprofessors Revue passieren zu lassen, und zum Einen auch die dunklen Punkte im Leben eines honorigen, schwedischen Bürgers zu betrachten und andererseits all den Neid und die Intrigen rundum zu einem Kriminalfall verarbeiten zu lassen.

Aber Kjell Eriksson lässt lieber die Dienstboten zu Worte kommen, allen voran das momentane Mädchen für Alles, Agnes, die seit Jahrzehnten für den Haushalt des Herrn Professor sorgt, doch eigentlich schon mit dem Gedanken an die Rente beschäftigt ist. Sie, die nach ihren beiden Schwestern die Sorge um das häusliche Wohlergehen trug, wird im Laufe dieser Geschichte mit den alten Kamellen konfrontiert, die ihre Schwestern dazu brachte, das Haus zu verlassen.

So nebenbei ist auch der Nachbar in die Geschehnisse rund um den frischgebackenen Nobelpreisträger involviert und auch ein dubioser Gärtnergehilfe steuert ein wenig Verwirrung bei, damit dem Leser nicht gar zu langweilig ist.

Und was macht Ann Lindell in ihrem letzten Fall? Eigentlich überhaupt nichts! Sie besucht totkranke Verwandte auf der Insel, von der auch die Dienstbotin stammt und sie trauert ein wenig um ihren Ex-Mann, und ansonsten ist sie bloß der Aufhänger in einer extrem langweiligen Familiensaga, die bis auf ganz wenige Seiten überhaupt nichts mit einem Krimi zu tun hat.

Kjell Eriksson hat eine Geschichte abgeliefert, die man beim besten Willen nicht als "Krimi" titulieren kann, auch wenn schlussendlich doch ein Toter zu beklagen ist. Wie man allerdings derart langatmig und ausschweifend aus dem schwedischen Dorfleben erzählen kann und dabei tunlichst vermeidet, die angeknackste Kommissarin ins Geschehen einzubringen, ist schon fast Literatur, aber beileibe keine Spannungsliteratur.

Da hat der Autor ohne jegliche Anzeichen von Intuition eine Geschichte mit Muss ins müde Laufen gebracht, damit die Seiten gefüllt und der Autorenvorschuss nicht zurück gezahlt werden muss. Offenes Grab ist mit Abstand eines der schlechtesten Bücher, wenn es um das Thema Kriminalroman geht. Für einen Serienroman in einem Boulevardblatt der trivialen Sorte könnte das Geschreibsel mit Mühe noch durchgehen, aber jeder Herz-Schmerz-Roman eines halbwegs des Schreiben mächtigen Ghostwriters übertrifft dieses schwache Elaborat um Längen.

Sorry, aber dieses Buch ist absolute Zeitverschwendung und hat auf der Krimi-Couch keine Berechtigung zu einer brauchbaren Bewertung. Da kann man wirklich nur froh sein, wenn das, wie angekündigt, Ann Lindells letzter Fall war ...

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