Nachtschwalbe

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Ordfront, 2003, Titel: 'Nattskärran', Originalsprache
  • München: dtv, 2008, Seiten: 348, Übersetzt: Paul Berf

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Wolfgang Weninger
Ein ziemlich müder Vogel

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Okt 2008

Der Deutsche Taschenbuch Verlag veröffentlicht Nattskärran in der deutschen Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf als Nachtschwalbe, klebt ein Ettikett als "Tipp des Monats" auf den Umschlag und glaubt laut "Neues Volksblatt" nun einen zweiten Schweden nach Mankell in der ersten Liga zu haben.

Für Erikssons Der Tote im Schnee hätte ich diese Wertung vorbehaltlos unterschrieben, ob dieses Prädikat auch nach der Lektüre von Nachtschwalbe noch seine Richtigkeit hat, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn die Ermittlerin Ann Lindell hat im vorliegenden Werk leider nur wenig richtige Kriminalistenarbeit geleistet, wenn man davon absieht, dass sie diesen gewissen Blick bekommt, wenn sie wie Wickie aus Flake ihre Eingebungen hat und ihre starken Männer bei der Polizei von Uppsala dirigiert.

Und diese Männer haben an diesem 10. Mai alle Hände voll zu tun, denn in der Drottninggatan rotten sich junge Immigranten zusammen, werfen Schaufenster ein, plündern Geschäfte und zu guter Letzt bleibt in einer Buchhandlung ein junger Schwede tot liegen. Ganz offensichtlich wurde er ermordet und die Volksseele kocht. Flugblätter gegen die Zuwanderung tauchen auf und alles bekommt einen rassistischen Background.

Auch der fünfzehnjährige Ali war vor Ort und scheint gesehen zu haben, wie sein Cousin Mehrdat diesen Mord begangen hat. Von nun an lebt Ali in permanenter Angst, dass Mehrdat auch ihn ermorden könnte, damit er nichts verraten kann.

Bei den Recherchen zum Tod des jungen Mannes stoßen die Beamten auf den Ex-Freund der Herzdame des Ermordeten, der in der Nähe des Tatortes einen Raufhandel mit diesem hatte und dessen Jacke auch Blutspuren von der Leiche aufweist. Und obwohl dieser Ex-Freund ein Geständnis ablegt, glaubt Ann Lindell nicht daran, dass er der Täter gewesen sei.

Ann Lindell, mittlerweile Mutter eines unehelichen Sohnes, managt gekonnt ihren privaten Haushalt und ihre berufliche Karriere. Lediglich ihr Liebesleben kommt ständig zu kurz und das macht sie, wieder besseren Wissens, depressiv und heiß auf den Kontakt mit einem Verflossenen. Kjell Eriksson verbringt viel Zeit damit, seine Anti-Heldin aus dem völlig unspektakulären Alltag heraus zu beschreiben. Manchmal erinnert die Geschichte mehr an einen Frauenroman, denn an einen Krimi.

Dazu kommt dann auch noch die angeschlagene Seele des jungen Iraners Ali, der mit Mutter und Großvater in Schweden eingewandert ist. Auch hier nützt Eriksson die Gelegenheit seine pseudopsychologischen Betrachtungen am Zuwandererkind und dessen Verwandtschaft breit zu treten. Leider vergisst er dabei ein wenig, dass so ein Krimi auch Spannung braucht. Es plätschert eher gemächlich auf knapp 350 Seiten dahin und hätte Frau Lindell nicht ihre Ahnungen und ihre Kollegen nicht die Teilerfolge, wäre die Sichtweise der Story, die sich sowohl aus der Bubenperspektive Alis aufbaut, als auch aus den polizeilichen Ermittlungen ihre Handlungsfäden zieht, als reichlich abgedroschen daher. Erst kurz vor Ende der Geschichte verweben sich die einzelnen Handlungsstränge zu einem gerade noch plausiblen Finale, das aber recht wenig zu überzeugen weiß.

Sprachlich kann man an Kjell Eriksson nicht meckern. Seine Fähigkeit Bilder, Situationen und Emotionen zu beschreiben, darf man getrost in eine Reihe mit Mankells Schaffen stellen. Aber es fehlt in diesem Buch generell an der nötigen Dichte, um den Leser dann auch von der Spannung her zu fesseln und über viele Strecken vermisste ich die Logik bei der Polizeiarbeit. Von Teamgeist im Revier ist leider keine Spur zu merken , jeder handelt als Solist und wird eher als Mensch denn als Detektive gezeigt.

So vergeudet der Autor seine sprachliche Kompetenz in kleinen, anschaulichen Details und verliert den Überblick über das Ganze, das er zum Schluss in Rekordzeit zu Ende bringen muss. Die Nachtschwalbe ist ein ziemlich müder Vogel, der nur echten Fans der skandinavischen Krimiliteratur empfohlen werden kann, die sich an den literarischen Depressivphasen ergötzen können.

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