Fangschuss

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2010, Seiten: 219, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Das Debüt macht Lust auf mehr

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2011

Mit dreißig Jahren versucht Vijay Kumar den Einstieg in das Berufsleben. Ausgerechnet als Privatdetektiv möchte der Inder in Zürich sein Geld verdienen und hat dafür extra seine Zwei-Zimmer-Wohnung umgeräumt, indem er aus seinem Wohnzimmer eine Art Büro machte. Der erste Auftrag erscheint unspektakulär, denn eine ältere, leicht extrovertierte Dame vermisst ihre entlaufene Katze. Schnell verdientes Geld, befindet sich diese auf dem Gartenbaum wie Vijay nach kurzer Suche feststellt. Der zweite Auftrag erscheint schon problematischer, denn eine junge Frau bittet ihn, ihren verschwundenen Freund Philipp zu finden. Gemeinsam wollten sie ihrem bisherigen Leben entfliehen und sich eine neue Zukunft aufbauen. Ein letzter, großer Deal mit satten dreihundert Gramm sollte die finanzielle Grundlage bilden.

 

"Miranda?"
"Ich habe den Zettel hier. Lag in dem Buch, das du erwähnt hast. 1984 von George Clooney."
"Orwell."
"Wenn du meinst. Ist eine Quittung für ein Bahnticket."
"Wohin?"
"Von Zürich nach St. Moritz. Am letzten Freitag. Philipp heißt übrigens Stadelmann. Du wolltest doch die ganze Zeit seinen Nachnamen wissen."
"Wie hast du das rausgekriegt?"
"Stand am Briefkasten, der im Treppenhaus hängt."

 

Zunächst ist Vijay ahnungslos, wo er seine Suche starten soll, doch dann erhält er von seiner Freundin Miranda einen ersten Hinweis, der ihn zu einem gewissen Winkler führt. Ein Ex-Polizist, der inzwischen mit Drogen dealt. Als ihn wenig später auch noch die Gattin eines hochrangigen Bankangestellten bittet, ihren Mann zu beschatten, ahnt Vijay noch nicht, in welchen Schlamassel er hineingeraten ist. Erst als er einen jungen Albaner ermordet in dessen Wohnung auffindet, begreift er langsam den Ernst der Lage ...

Spannend, äußerst humorvoll und preisgekrönt.

Was will man mehr? Da schreibt der Sohn indischer Einwanderer, der eigentlich als Flugbegleiter arbeitet, seinen ersten Roman und gewinnt prompt den "Zürcher Krimipreis". In der Tat ist Fangschuss der gelungene Auftakt einer beachtenswerten Serie, die neben spannenden Plots auch viel über die Stadt Zürich erzählt. Der vorliegende Fall führt Vijay "V.J." Kumar dabei sowohl in den Stadtkreis 4, der eher die Problemfälle der Stadt beherbergt wie auch in die Luxusgegend oberhalb des Sees. So gerät er an eine Gruppe albanischer Drogendealer, den Inhaber eines Fetischladens und andere skurrile Personen. Gekonnt spielt Sunil Mann mit gängigen Klischees, beobachtet die Umwelt seines Protagonisten sehr genau und bedient sich dabei einer mitunter sehr bildgewaltigen Sprache.

 

"Schließlich landete ich auf der Seite des virtuellen Stadtführers ronorp, wo sich einsame Herzen wiederzufinden versuchten, die sich vor Tagen in der Straßenbahn gesehen hatten und zu verklemmt waren, sich bemerkbar zu machen, oder zu sehr damit beschäftigt, ihre genauen Positionen auf dem Streckennetz der VBZ ins Handy zu schreien. Weiter gab es Hinweise auf Ausstellungen und Konzerte, und im Forum tobte die ewige Diskussion, wie viele Deutsche diese Land ertrage und wann das Boot endlich voll sei."

 

Zu seinem sehr überschaubaren privaten Umfeld gehört seine Mutter, die eine gutgehende Imbissbude betreibt und vor allem das Ziel verfolgt, ihren Sohn endlich in den Stand der Ehe zu verfügen. Folglich ist sie mit seinem Entschluss als Privatdetektiv zu arbeiten alles andere als einverstanden. Desweiteren gibt es noch Miranda, eine Prostituierte mit der Vijay schon länger befreundet ist und die vor nicht allzu langer Zeit noch Guastavo hieß. Abschließend wäre da noch José zu erwähnen, mit dem Vijay zur Schule ging. Er arbeitet als Kriminalreporter für eine Gratiszeitung und liebt wie Vijay alkoholhaltige Getränke, bei dem ohne Amrut recht wenig zusammenläuft.

 

"Auf Seite zwei dann der Schock. Mord an jungem Albaner, stand da in großen Lettern. Ich sog scharf die Luft ein, überflog den Artikel und ärgerte mich über den reißerischen Boulevardstil. Der Bericht war, was mich wenig erstaunte, von José. Vielleicht hätte im jemand mal den Sinn und Zweck von Verben erklären müssen. In Gedanken setzte ich sie an den erforderlichen Stellen ein."

 

Sicher, die vorliegende Geschichte ist arg konstruiert und reichlich übertrieben, aber dennoch mit einer gewissen Sogkraft. Dass alle Fälle einschließlich der "entlaufenen" Katze irgendwie zusammenhängen überrascht kaum, allerdings gelingt es dem Autor die Handlungsstränge gekonnt miteinander zu verknüpfen. Beim Finale mag er allerdings etwas übertrieben haben oder war womöglich von einem "Klassiker der Kriminalliteratur", welcher 1974 erschien, beeinflusst.

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Letzte Kommentare:
22.10.2017 14:25:24
Edith Sprunck

Ein Kleinod in der Krimi-Szene. Es wäre schade, wenn dieses kleine Kunstwerk aus Altersgründen in der Versenkung verschwinden würde. Was mich ganz besonders begeistert, ist die Flut vortrefflicher bildhafter Vergleiche. So erwachen verschiedene Milieus, aber auch Charaktere, vor dem geistigen Auge intensiv und greifbar nah zum Leben. Sunil Mann kann auch genial lästern über Leute, Gewohnheiten, Eigenarten. Originelle Frauentypen, kriminelle und dekadente Kerle - vom kleinen Dealer bis zum großkotzigen Banker werden viele Ganoventypen ausdrucksstark ins Geschehen eingebunden. Oft zum Brüllen komisch - trotz ernstem Hintergrund.

25.08.2013 21:34:24
Melu

Starker Krimi mit liebenswerten Figuren, viel Drive, wenig Biederheit und damit eine Seltenheit unterh den Schweizer Krimis. Modern, urban und mit viel Witz und guter Beobachtungsgabe geschrieben. Einzig die Seitenhiebe auf einige Vertreter der Lokalprominenz wirken mit der Zeit etwas gar aufgesetzt.