Schwarze Diamanten

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • London: Quercus, 2010, Titel: 'Black diamond', Seiten: 320, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 2011, Seiten: 352, Übersetzt: Michael Windgassen

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Jörg Kijanski
Friedliches Périgord, wären da nur nicht die Fujian-Drachen, die Binh Xuyen und der Algerienkrieg

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2011

Das Leben in dem kleinen Städtchen Saint-Denis ist sehr beschaulich, allein die Schließung des örtlichen Sägewerkes und der damit einhergehende Verlust von Arbeitsplätzen sorgen für Unmut. Im benachbarten Saint Alvère scheint es da schon ein wenig krimineller zuzugehen, denn Bruno, Chef de police von Saint-Denis, erfährt von seinem Freund und Trüffelexperten Hercule Vendrot von Unregelmäßigkeiten auf dem dortigen Trüffelmarkt. Offenbar werden die wertvollen einheimischen Trüffel mit chinesischen Importen verschnitten. Bruno beschließt der Sache nachzugehen, doch dann wird in Saint-Denis der vietnamesische Lebensmittelhändler Vinh mitten auf dem Dorfmarkt von drei jungen Chinesen überfallen. Auch hier gilt es zu ermitteln, aber zunächst steht eine gemeinsame Jagd mit Hercule und dem Baron an. Als Bruno und der Baron an dem verabredeten Hochsitz eintreffen, finden sie dort ihren Freund Hercule ermordet vor; auf gehangen und mit aufgeschlitzter Kehle.

Überraschend erfährt Bruno, dass er seinen betagten Freund offenbar nicht so gut kannte wie angenommen, denn Hercule war unter anderem als Agent im Algerienkrieg sowie in Indochina aktiv und gilt im Geheimdienst als Legende. Sollte Hercule zu sehr in die immer stärker werdenden Konflikte zwischen chinesischen und vietnamesischen Gruppen hineingeraten sein? Hat seine Hinrichtung gar mit seiner Vergangenheit zu tun oder dreht sich letztlich doch nur alles um den heißbegehrten Trüffel? Bruno droht der Fall über den Kopf zu wachsen, da steigen der Chefermittler der Police Nationale wie auch der ranghohe Brigadier des Innenministeriums in die Ermittlungen ein …

Im dritten Fall für Bruno, Chef de police, geht es drunter und drüber. Zunächst aber läuft alles ganz beschaulich, denn lediglich die Schließung des örtlichen Sägewerks führt zu Verstimmungen. Danach werden erst einmal Trüffel gesucht und verkauft, wobei auf dem Markt kleinere Ungereimtheiten auffallen. Ein erstes Anzeichen von Kriminalität, gefolgt von dem Überfall auf einen Wochenmarktstand und da sind wir bereits auf Seite 76. Das erste Kapitalverbrechen, die Ermordung von Hercule, folgt auf Seite 97. Der schottische Autor Martin Walker hat an dem schönen Périgord und seinen Bewohnern offenbar einen Narren gefressen und möchte dies in seinen Büchern zurückgeben. Hier ist die Welt noch in Ordnung, der Chef de police eine Ein-Mann-Polizei und statt auf Verbrecherjagd zu gehen, isst und kocht man lieber (über zahlreiche Seiten) die leckersten Gerichte oder trägt das Rugbyspiel des Jahres (über rund zehn Seiten) aus.

Hier ist ein großer Erzähler am Werk, der nach einer mehr als ruhigen Einführung plötzlich den Schalter umlegt und dann einen furiosen Thriller präsentiert. Auf einmal leben die Ereignisse des Algerienkrieges wieder auf, treiben chinesische und vietnamesische Banden wie die Fujian-Drachen und die Binh Xuyen ihr Unwesen und als wäre dies nicht schon verwirrend genug, mischt sich noch (wenngleich nur ansatzweise) Frankreichs älteste kriminelle Vereinigung, die Union Corse, die korsische Mafia ein. Zudem tobt der Vorwahlkampf in Saint-Denis, wo die Grünen auf dem Vormarsch sind und Bürgermeister Mangin um seinen Job zittern muss. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Bliebe noch zu erwähnen, dass es zu einigen Turbulenzen in Brunos Privatleben kommt und dann wäre da ja noch die Sache mit den Trüffeln - und einiges mehr.

Martin Walker hat einen lesenswerten Roman geschrieben, der jedoch inhaltlich überfrachtet und an einigen Stellen arg ausschweifend ist. Da auf mehreren Ebenen ermittelt wird, ergeben sich zudem mitunter Auflösungen, deren Entstehen der Leser nicht immer nachvollziehen kann. Wem es nur auf einen reinen Krimiplot ankommt findet mehrere Gründe für Punktabzüge, sollte aber ohnehin die Finger von diesem Buch lassen. Für Frankreich-Fans ist die "Bruno-Reihe" dagegen Pflicht wie für Leser/Innen mit Vorliebe für leckeres Essen. Über den Trüffel erfährt man einiges, wenngleich zurzeit der Handlung der tuber melanosporum noch nicht auf dem Markt war.

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