Revanche

Erschienen: April 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Alfred A. Knopf, 2017, Titel: 'The Templar's last secret', Seiten: 317, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 2018, Seiten: 8, Übersetzt: Johannes Steck

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Michael Seitz
Bruno und die Tempelritter

Buch-Rezension von Michael Seitz Feb 2019

Bruno ist mitten in den Vorbereitungen für eine Rede als Trauzeuge für seinen Freund Horst, als er zu einem Todesfall am Fuße der verfallenen Burg Commarque gerufen wird, von der Jahrhunderte zuvor die Tempelritter zu ihren Kreuzzügen aufbrachen. Eine Frau ist von Burgfelsen gestoßen worden, und auf die Burgmauer hat jemand in großen Lettern die Inschrift "IFTI" gepinselt. Darauf kann sich Bruno zunächst keinen Reim machen. Aber mithilfe der internetaffinen Kreolin Amelie, die zu Brunos Entsetzen vom Justizministerium abgeordnet wurde, um ihm bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen, findet er alsbald heraus, das es sich bei der Toten um eine israelische Friedensaktivistin handelt und das der unvollendete Schriftzug an der Burgmauer etwas mit Iftikhar zu tun hat, dem muslimischen Gouverneur von Jerusalem vor der Eroberung der Stadt durch die Tempelritter während des ersten Kreuzzugs 1099.

Der soll nämlich ein Testament hinterlassen haben, welches besagt, Jerusalem sei für die Muslime nicht von Bedeutung. Diese Geschichte wird in der muslimischen Welt nicht gern gehört, und am Burgfelsen finden zeitgleich archäologische Untersuchungen unter der Leitung eben jenes Archäologen Horst und seiner zukünftigen Frau Clothilde statt, um unentdeckte Höhlen ausfindig zu machen. Haben in diesen Höhlen die Templer ihren berühmten Schatz versteckt, vielleicht gar das Testament des Iftikhar? Schnell gerät Bruno in ein terroristisches Komplott, für das sich nicht nur der französische Geheimdienst, sondern auch der israelische Mossad interessiert und bei dem die mittelalterliche Geschichte eine große Rolle spielt.

Ruraler Supermann mit Herz   

Auch im zehnten Band versetzen die Fähigkeiten des Dorfpolizisten Bruno einen wieder in Erstaunen. Was dieser Mann an einem Tag erledigt, schaffen andere nicht in einer Woche. Morgens Hühner füttern, mit dem Hund "Balzac" joggen, duschen und mal eben eine Hochzeitsrede schreiben. Dann auch noch, ganz nebenbei, zum Tatort fahren, Zeugen befragen, die aufgedrängte Kollegin aus dem Justiz- ministerium becircen und den Bürgermeister auf dem Laufenden halten, abends noch eben reiten gehen und das ganze mit einem selbstgekochten Menü für sechs Personen krönen. Alles kein Problem für Bruno. Er ist eben eine Art ländlicher Supermann französischer Bauart mit jeder Menge Charme und Esprit, bei allen beliebt, mit einem fast übernatürlichen Sinn für Gerechtigkeit und das richtige Timing. Und genau da fangen die Probleme an: Irgendwie ist das alles zu gut, zu glatt, zu unkompliziert. Kein Problem, für das Bruno nicht eine Lösung hat, kein Mitmensch, dem er nicht seine helfende Hand reicht, kaum eine Frau, die seinem Charme nicht erliegt, kein Bösewicht, dem nicht Gerechtigkeit durch diese starke Hand des Gesetzes widerfährt. Man wünschte sich, das Leben wäre so einfach, auch wenn man weiß, so einfach ist es leider nicht, und vielleicht deshalb sind Walkers Bruno-Bücher so beliebt.

Périgord trifft "Mission Impossible"

Nur glaubhaft ist das alles nicht. Dabei stört es nicht so sehr, dass Walker stets vielerlei Informationen über sein geliebtes Périgord einstreut, sei es über das Essen, die Kultur oder einfach über Land und Leute. Wer das nicht mag, der sollte Regionalkrimis ohnehin meiden. Wohl aber stört die zunehmende Neigung des Autors, immer höher in die obersten Regale zu greifen, um Spannung zu erzeugen. Von Seite zu Seite werden die Ereignisse actionreicher, mit üblen Foltermethoden, tödlichen Schießereien und wilden Verfolgungsjagden, immer wieder unterbrochen von idyllischen Szenen französischen Landlebens, voll von leckerem Essen, rotem Wein und guten Gesprächen vor einem prasselnden Kamin.

Kann man sich wirklich vorstellen, das Bruno, gerade noch in eine Schießerei im Wald verwickelt, bei der immerhin ein Mensch sich in die Luft sprengt, nur Momente später die Knarre wegsteckt und feststellt, das er nun auch dringend nach Hause muss, um sich in den dunklen Anzug zu werfen und einer Hochzeit beizuwohnen? Bei James Bond mag das hingehen, aber für einen Regionalkrimi ist das einfach zu dick aufgetragen. Spannung entsteht, wie schon Hitchcock wusste, zumeist subtil. Hier entsteht sie - wenn überhaupt - mit der Brechstange. Das ist schade, denn eigentlich hat Walker die richtigen Themen, und der historische Hintergrund seiner Geschichten ist solide recherchiert. Frankreich wird ja tatsächlich mehr als andere Länder vom djihadistischen Terror heimgesucht und in dem Konflikt zwischen Islam, Christentum und Judentum spielt die Geschichte bis zurück zu den Kreuzzügen ja tatsächlich eine wichtige Rolle. Ärgerlich daher, dass Walker diese Konflikte trivialisiert, indem er sie in ein schlichtes Schwarz-Weiß-Schema presst und mit viel zu viel Action unterlegt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Modernes Märchen oder Krimi?

Am meisten aber stört, dass Martin Walker seinem Helden nicht erlaubt, sich weiter zu entwickeln. Steckt dahinter Angst, die Leser zu vergraulen, wenn man Ihnen Neues, gar Ungewohntes vorsetzt? Vielleicht. Jedenfalls macht es den "Plot" vorhersehbar und langweilig. Bruno ist trotz allem, was er in den vorangegangenen neun Bänden erlebt hat, noch immer exakt derselbe. Ein Junggeselle, im Unklaren über seine Zukunft, zuhause nur in seinem geliebten St. Denis, inmitten seines unerschöpflichen Freundeskreises, dessen Mitglieder ebenfalls ihre Charaktereigen- schaften nicht verändern. Kein Altern, keine Brüche, stattdessen ein immerwähren- des ländliches Idyll, in das mit jedem Band das Böse eindringt, um schnellstmöglich von Bruno und seinen Helfern wieder vertrieben zu werden. Ein modernes Märchen also. Und deshalb wirkt das, was im ersten Band noch wie luftig-locker geschlagene Sahne daherkommt, jetzt so unbeweglich wie abgebundener Zement.

Fazit:

Walker sagt selbst über seine Bücher, sie seien "Périgord plus Krimi". Von ersterem erfahren wir auch in diesem Band wieder viel Lesenswertes. Der eingeflochtene Krimi-Plot hingegen ist viel zu krude, um überzeugend zu sein. Echte Bruno-Fans wird das nicht stören, und man kann Walkers Bücher mit etwas gutem Willen ja auch als Reiseführer oder gar als Kochbuch lesen, soviel erfährt man über Land und Leute und auch über die kulinarischen Vorzüge dieses Kernlandes der französischen Gastronomie. Echten Krimi-Fans aber seien eher die ersten Bände dieser Reihe empfohlen. Dort gibt es weniger Action, dafür subtilere Spannung und genauso viel Périgord.

Revanche

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Letzte Kommentare:
16.08.2018 23:21:16
Pesch

Na ja, so richtig überzeugt hat mich der zehnte Bruno-Fall auch nicht. Die Story ist nicht wirklich stimmig, schon gar nicht der Angriff auf das Museum am Ende. MW sagt, sein Bücher seien primär Périgord plus Krimi, einverstanden - aber das sollte ihn nicht verleiten, den Krimi-Teil zu sehr zu vernachlässigen...PS

21.07.2018 17:16:17
kritikaster

das wird schwierig.
300 zeichen für diesen vollkommen verschwafelten langweiligen roman, der sich krimi nennt. walker verwendet sehr viel zeit darauf, mit seinem geschichtlichen wissen zu protzen, irgendwelche nebenschauplätze solange zu hauptschauplätzen zu erklären, bis der leser gar nicht mehr so genau weiß, worum es eigentlich ursprünglich ging.
leute!!! EIN KRIMINIALROMAN IST KEIN BILDUNGSSEMINAR ÜBER DAS PERIGORD!
einfach nur öde, öde, öde.TRITT