Schafkopf

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer Knaur, 2010, Seiten: 448, Originalsprache

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Andreas Kurth
Polizist zockt mit Kleinkriminellen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2010

Eine eher unbedacht abgeschlossene Wette macht dem Polizisten Leonhard Kreuthner zu schaffen. Aber es erinnern sich zu viele daran, als das er nun kneifen könnte. Es geht darum, dass er das Europäische Polizeisportabzeichen erwerben wird. Und in Form zu kommen, joggt er in aller Herrgottsfrühe auf den Riederstein, wo er an einer Kapelle den Ganoven Stanislaus Kummeder trifft. Dieser macht kryptische Bemerkungen über das nach wie vor ungeklärte Verschwinden seiner Freundin vor zwei Jahren. Der erschöpfte Polizist beugt sich über ein Geländer, weil er sich erbrechen muss. Als Kreuthner sich wieder aufrichtet, fehlt Kummeder der halbe Kopf - er ist offenbar aus großer Entfernung erschossen worden. Kommissar Wallner und sein Team beginnen zu ermitteln, und finden Zusammenhänge zum Verschwinden von Kummeders Freundin. Unklar ist dabei die Rolle eines zwielichtigen Rechtsanwalts, der sich der Polizei plötzlich als Zeuge anbietet. Bevor er aussagen kann, wird er jedoch ebenfalls erschossen – und für die Ermittler nimmt der undurchsichtige Fall einen dramatischen Verlauf.

Auch in seinem neuen Roman kann Andreas Föhr seine Herkunft als Drehbuchschreiber nicht verleugnen. Er arbeitet mit drei Zeitebenen, denn neben der Gegenwartshandlung mit den zwei Morden gibt es Rückblicke auf eine Nacht vor zwei Jahren, die mit einer denkwürdigen Partie Schafkopf begann, und auf den Zeitraum kurz vor den Morden. Das ganze wirkt zunächst recht zusammenhanglos, und der Autor mutet seinen Lesern einiges zu, wenn sie den Überblick und die Orientierung behalten wollen. Einige skurrile Figuren und scheinbar zufällig zusammen hängende Ereignisse sorgen aber auf jeden Fall für gute Unterhaltung und bauen auch Spannung auf, allerdings sind die Zeit- und Ortswechsel nicht so leserfreundlich gestaltet, wie ich es mir wünschen würden. Es ist zuweilen schwierig, den Anschluss zu finden, auch wenn man den Roman zügig und ohne große Pausen liest. Immerhin bekommt die Geschichte im Finale richtig "Zug", und dann ist man auch voll bei der Sache, bis zur überraschenden Auflösung aller Rätsel und falschen Vermutungen.

Besonders unterhaltsam ist die Pannenserie der Ermittler, die kaum ein Fettnäpfchen auslassen. Vor allem Streifenpolizist Kreuthner kultiviert eine ganz eigene Auffassung von der Polizeiarbeit – und gibt diese auch an jüngere Kollegen weiter. Er ist ein echtes Original, zockt mit den Kleinkriminellen der Gegend, und kann dann auch mal über geringfügige Delikte hinwegsehen. Er operiert zuweilen nicht nur am Rande der Legalität, sondern etwas jenseits davon, aber das macht ihn für die Leser ungemein sympathisch. Mit Wortwitz und rascher Auffassungsgabe laviert er sich aus so mancher Zwickmühle heraus, in die ihn sein forsches Auftreten gebracht hat.

Ein weiterer Sympathieträger ist Chefermittler Clemens Wallner. Privat macht er sich Sorgen um die Beziehung seines Großvaters zu einer Prostituierten. Aber der alte Herr ist stolz, noch so "einen Schlag" bei den Frauen zu haben. Dienstlich ist Wallner ein erfahrener Ermittler, aber auch ein Bayer wie er im Buche steht. Und weil er Land und Leute gut kennt, schafft er es im richtigen Moment auch, über seinen Schatten zu springen und im Zuge einer Ermittlung das Richtige zu tun – egal was die Vorschriften sagen. Bei Wallner ist Andreas Föhr – wie so viele Schriftsteller derzeit – auch nicht um den Honigtopf herum gekommen. Mit der Müncherin Vera Kampleitner hat er eine frische Liebesbeziehung, die zuweilen von dienstlichen Belangen gestört, aber von seinem erfreuten Großvater gefördert wird.

Bis auf die geschilderten – und durchaus verzeihlichen – Schwächen hat Andreas Föhr einen flott lesbaren und unterhaltsamen Kriminalroman geschrieben. Er reiht sich gut ein in die Riege der süddeutschen Regionalkrimis. Wer allerdings mit den Schafkopf-Regel nicht so vertraut ist, kann die Dramatik des Kartenspiels zwischen Kreuthner und den Ganoven nicht komplett nachvollziehen. Dem Lesegenuss ist das allenfalls am Rande abträglich. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, und es macht auf jeden Fall Appetit auf ein Wiedersehen mit dem Ermittlerteam um Wallner und Kreuthner.

Schafkopf

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Letzte Kommentare:
26.11.2016 14:13:48
trafik

Für mich war das zweite Buch von Andreas Föhr wieder Weltklasse!
Im Durchschnitt finde ich Regio und Landkrimis nicht so gut. Die Reihe von Andreas Föhr ist da eine klare Ausnahme. Sowohl der sehr spannende Schreibstil, als auch die hervorragende Personenbeschreibung. Das ist sehr stimmig und past alles gut zusammen. Hoffe es geht so gut weiter.

19.10.2016 19:54:33
kritikaster

föhr hätte lieber bei seinen juristischen leistern bleiben sollen.
schafkopf ist ein rechter schmarrn. der plot an den haaren herbeigezogen. die personen fast durchgehend unsympathisch. ich gewann den eindruck, dass der autor weder die bayern noch die frauen mag.
zwei saudumme weiber, die sich prügeln lassen, ein notgeiler großvater, drei mehr oder weniger unfähige polizisten, der kreuthner dazu ein polizist, vor dem man sich fürchten muss.
und warum im hörbuch der hauptprotagonist wallner permanent hochdeutsch spricht, während der opa und seine kollegen bairisch rüber kommen, muss man auch erst mal erklärt bekommen.
ganz nett für anspruchslose krimileser, sonst nix besonderes

17.03.2015 18:05:27
Schnippi

Mein erstes Buch von Andreas Föhr...aber ganz sicher nicht das Letzte.
Die flüssige Schreibweise und aie nachvollziehbaren Handlungen lassen keine Langeweile aufkommen...auch wenn ich anfänglich Schwierigkeiten mit den Zeitsprüngen "Vergangenheit" und "Gegenwart" hatte.
Die einzelnen Charaktere sind gut beschrieben und man fühlt sich (wenn man die Gegend kennt) heimisch. Andreas Föhr ist ein guter Beobachter und kann seine Eindrücke (des Menschenschlages) gut und teilweise auch mit Humar wieder geben.
Für meine Begriffe...ein Krimi, der Spannung nicht vermissen lässt und Mitten aus dem Leben (nicht nur in Bayern) kommt.
Alltägliche "Gewalt" und was daraus resultieren kann.
Ich freue mich auf das nächste Buch. auch wenn ich erst jetzt zu diesem Autoren gefunden habe.

17.09.2014 10:54:44
Manfred der Ältere

Auch ich höre gerade das Hörbuch und auch ich bin kurz vor dem Ende. Aber ich bin nicht genervt, sondern sehr angetan. Das Bild von Manfred, das in meinem Kopf entsteht, finde ich amüsant - und ich unterstelle, so war es auch gemeint. Föhrs Sprache ist sicher anspruchsvoll und mag nicht jedermanns bzw. -fraus Sache sein - ich persönlich genieße das. Besonders, weil ich in den letzten Wochen einige Rita-Falk-Krimis gehört habe, die ich entsetzlich fand.

23.04.2014 15:33:48
Dorothee

Höre grade das Hörbuch, bin kurz vor dem Ende und schon etwas genervt. Im großen und ganzen ist das Buch gut gelesen, aber die "Stimme" von Opa Manfred ist schrecklich, das hat viel von einem sabbernden Kretin, jedenfalls habe ich dieses Bild vor Augen.
Wirklich schlimm finde ich den Stil des Autors - wenn man einen Preis für die Widergabe von Sachverhalten in indirekter Rede bekommt, Andreas Föhr wäre erster Anwärter dafür. Viele Passagen kommen mir daher so vor wie ein schlecht geschriebener Schulaufsatz. So schreibt man keinen spannenden Krimi.

09.09.2013 20:36:36
Bernhard

Schafkopf hat mir ausgesprochen gut gefallen, besser als Karwoche, da die Handlung viel spannender aufgebaut wurde und die Kulmination meisterhaft ist. Die Charaktere sind brilliant gezeichnet und spielen sehr gut zusammen und auch der Schalk kommt nie zu kurz. Meines Erachtens ein rundum gelungenes Werk. Ganz ausgezeichnet im Übrigen auch die Hörbuchversion von Michael Schwarzmeier. Einer der ganz wenigen Sprecher, die den Text nicht einfach nur in Bühnendeutsch herunterleiern, sondern mit Modulation, verschiedenen Stimmlagen und verschiedenen Texte arbeiten und so ein perfektes Hörbucherlebnis schaffen. Wahrlich ein seltener Genuss!

28.08.2013 21:23:53
carolina

Jetzt habe ich alle vier Bände der Serie gelesen und meiner Meinung nach ist Schafkopf das schwächste. Es kommt nicht oft vor, dass die Bücher einer Serie mit den gleichen Ermittlern immer besser werden. Doch genau das ist hier geschehen- "Schwarze Piste" ist einfach ein Spitzenbuch, gehört zum Besten was ich in den letzten 50 Jahren gelesen habe. Beim "Schafkopf" hat mir einfach das Milieu der prügelnden Männer und die Schilderung der geprügelten Frauen nicht gefallen, es war auch nicht so spannend, abtörnend würden meine Enkel sagen. Ich mag Regionalkrimis - ich lebe hier in Oberbayern aber sie sollen bitte nicht hunderte Seiten lang im Unterschichtmilieu spielen!

07.05.2013 12:03:52
Ursula

Die Andreas Föhr-Krimis sind mit Abstand die besten Krimis, die ich kenne. Freuemich schon sehr auf ein neues Buch dieses
großartigen Autoren, und bin schon sehr
gespannt auf einen neuen Fall für Kommissar Wallner & Schutzpolizist Leo. Kreuthner.
Den letzten Krimiroman "Schwarze Piste"
fand ich besonders gelungen und humor-
voll. Wenn es nach mir ginge, könnte
Andreas Föhr jedes Jahr zwei Bücher herausbringen. Aber auch die Hörbücher dieser
Krimis sind "genial". Der Sprecher Michael
Schwarzmaier versteht sein Handwerk aufs
perfekteste. Er gibt jeder der Romanfiguren
eine unverwechselbare Persönlichkeit und
Stimme. Hoffentlich bleibt er diesen Alpen-Krimis von A. Föhr als Sprecher er-
halten. Das kann man nur hoffen!
07.05.2013

08.02.2013 17:49:21
Anne

Ich habe jetzt drei Bücher des Autors Andreas Föhr gelesen und finde sie alle drei nicht hauptsächlich wegen der Spannung, sondern wegen der Charaktere und des Schreibstils absolut klasse.
Die Dialoge sind einfach gut. Es trifft die Mentalität genial, das muss man wirklich sagen, das so hinzukriegen, das ist wirklich gelungen.
Vorher hab ich ja fast ausschließlich nordische oder englische (keine amerikanischen!) Krimis gelesen, Ake Edwardson, Leif W.W. Persson (auch toller Stil), E. George, K. Atkinson und viele mehr. Das ist der erste Regionalkrimi aus
Deutschland, der mich gleich den nächsten weiterlesen lässt.
Also, Herr Föhr hat eine tolle Schreibe, die ich bewundere und um die ich ihn beneide. Weil man oft denkt, ja so hätt ich's auch ausdrücken wollen.
Die Krimistory passt jeweils auch, hier würde kein Mord a la "Der Vogelmann" passen.
Also ich freu mich schon auf das nächste buch dieses Autoren und genieße jede Seite!

13.11.2012 21:33:45
Katharine

Nach dem Prinzessinenmörder und der Karwoche, die beide recht gut waren, habe ich "Schafkopf" gekauft.
Ich habe schon seit langem keinen so langweiligen Krimi mehr gelesen. Für mich ist spannend, wenn ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann! Bereits mehrere Mal habe ich es zur Seite gelegt, weil es so langatmig ist. Immer wieder habe ich einen neuen Anlauf versucht. Nun bin ich in der Mitte angekommen und werde mit Sicherheit nicht weiterlesen. Das Buch ödet mich an. Es ist eine Qual geworden.
Kaufen werde ich mir von diesem Autor keines mehr. Vielleicht irgendwann mal wieder eines in der Bücherei ausleihen, wenn sie wieder besser werden.

09.09.2012 12:30:43
Eglfinger

Ein guter Föhr. Er verstrickt auch hier wieder vergangene Handlungsstränge mit denen aus der Gegenwart. Was sich kompliziert anhört, ist dem Autor aber sehr gut gelungen. Man kommt nicht durcheinander und das Timing ist geradezu perfekt.

Was koepper kritisiert, dass Zuneigung und Gewalt gegenüber der Lebenspartnerin sich widersprechen und nicht nachvollziehbar wären, sehe ich anders. Ich bin eher der Meinung, dass der Autor auch hier sehr gut beschreibt, wie eine solche Beziehung mit häuslicher Gewalt tatsächlich von innen aussieht. Für Außenstehende mag es immer nicht nachvollziehbar sein, aber der Autor versucht hier dieses Thema von innen heraus zu beleuchten, und dass finde ich, ist ihm durchaus gelungen.

Die Spannung ist von der ersten Seite an vorhanden und baut sich bis zum Schluss auf. Der oder die Täter/-in wird bis zum Schluss nicht verraten und bis dahin will man das Buch nur ungern aus der Hand legen. Dieses Buch ist für mich mehr als nur ein "Regionalkrimi". Das liegt auch daran, dass der Autor nicht mit Klischees um sich wirft, sondern sich mehr auf die Story konzentriert, was man von manch anderen Autoren nicht immer behaupten kann.

Ich gebe 85 von 100 Punkten.

10.02.2012 09:49:26
koepper

Wieder ein guter Föhr, allerdings doch mit einigen Schwächen. Manchmal wird er mir zu ausschweifend und manchmal zu gefühlig. Vor allem die seltsamen Anwandlungen von Zuneigung gegenüber seiner " Freundin" zeigt, die er regelmäßig brutal verdrischt. Das ist so, wie der Autor das schildert überhaupt nicht nachvollziehbar.
Die Geschichte jedoch ist spannend, wie immer bei Föhr bewegt sie sich auf verschiedenen Zeitebenen. Sie bleibt bis zum Ende unklar, die Auflösung erfolgt wirklich erst mit der letzten Seite und wirkt etwas sehr konstruiert.
Dennoch spannend und humorvoll, gute Unterhalteung eben.

07.09.2011 10:45:54
detno

Den Ausführungen von "rolandreis" ist von mir nichts hinzuzufügen, außer dass auch das Hörbuch absolut hörenswert ist.

Die gekürzte Fassung (sechs CDs, ca. 450 Minuten) wird von Michael Schwarzmaier nicht gelesen, sondern vorgetragen im besten Sinne. Mit seiner genialen Stimme verleiht er den einzelnen Personen ihren eigenen Charakter. Und es sind viele Personen, die Schwarzmaier "spielt"

Der trockene Humor täuscht nicht darüber hinweg, dass es sich um einen interessanten und bis zum Ende spannenden Krimi handelt.

Für das Hörbuch 92° von mir.

28.02.2011 07:39:20
rolandreis

Wie schon beim "Prinzessinenmörder" verknüpft Föhr Handlungsstränge aus der Vergangenheit mit den Ermittlungen in der Gegenwart zu einem spannenden, wendungsreichen Kriminalfall, dessen Auflösung zumindest für mich diesmal völlig überraschend war (anders als bei "Der Prinzessinenmörder"). Der Autor hat es tatsächlich geschafft mich bis zur Enttarnung des Mörders hinters Licht zu führen. Das gelingt nur sehr wenigen Krimiautoren und hier ist es sogar trotz immer wieder sehr dezenten Hinweisen gelungen, daß ich diesen Täter überhaupt nicht, auch nicht an zweiter Stelle auf der Liste hatte. Immer das Gefühl, daß da was faul ist, aber nie auf den gekommen. Großes Lob also an dieser Stelle. Empfehlen würde ich "Schafkopf" allen Fans der sogenannten Regionalkrimis: Föhr würzt die Handlung mit viel Lokalkolorit und bayrischem Humor. Von mir gibt es diesmal volle 100 Punkte.