Herzschuss

  • Droemer Kaur
  • Erschienen: November 2022
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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension vonNov 2022

Spannende Story und feiner Humor - Auch der neue Wallner-Kreuthner-Krimi unterhält bestens

Als Clemens Wallner, Leiter der Kripo Miesbach, gerade zusammen mit seiner Kollegin Tina eine Auszeit beim Skifahren im Sudelfeld genießt, erhält er von einem Unbekannten einen Zettel mit Koordinaten zugesteckt. Obwohl die Suchergebnisse im Internet nur eine Wiese mit Forststraße angeben, ist Wallners Ermittlerinstinkt geweckt. Und tatsächlich: An der angegebenen Stelle finden beide in einem Hotelrohbau die Leiche des Abgeordneten Philipp Gansel. Dieser war nicht nur Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, sondern auch mit der Jungendliebe von Polizeihauptmeister Leonardt Kreuthner verheiratet. Weil dieser vor einiger Zeit auf einer Feier zufällig Zeuge davon wurde, als Gansel seine Frau Philomena schlug, will Kreuthner es dem Angeordneten auf die für ihn typisch unkonventioneller Art heimzahlen. Dies hat aber fatale Folgen, denn nun er wird selber zum Hauptverdächtigen im Mordfall.

10. Fall der Wallner-Kreuthner-Reihe

Der 1958 in Kreuzthal geborene Allgäuer Andreas Föhr ist seit Jahren ein Garant für Kriminalromane auf Spitzenniveau. Nachdem der gelernte Jurist und Anwalt zunächst zusammen mit Thomas Letocha erfolgreich Drehbücher für das Fernsehen verfasste (u.a. für SOKO 5113, Ein Fall für zwei und Der Bulle von Tölz), widmet er sich nun seit über zehn Jahren nahezu ausschließlich dem Schreiben von Romanen. Seine preisgekrönten Kriminalerzählungen um das Ermittlerduo Wallner und Kreuthner stehen zurecht immer wieder in den Bestsellerlisten. Mit „Herzschuss“ feiert der Autor ein kleines Jubiläum, denn es ist der mittlerweile zehnte Band der Reihe. Zu empfehlen sind auch die beim Audio Media Verlag erschienenen Hörbücher, die durch Sprecher Michael Schwarzmaier ihren ganz eigenen Charme besitzen und einen wirklich besonderen Hörgenuss darstellen.

Wundervolle Figuren

Wie kaum ein anderer Autor versteht es Andreas Föhr, spannende, zum Teil sozial- und gesellschaftskritische Themen und einen unterhaltsamen Plot mit viel Humor und ganz besonderen Figuren miteinander zu verbinden, ohne in die Banalität abzurutschen. Sein Geheimnis: Er nimmt seine Figuren ernst und macht sich nicht über sie lustig. Sicherlich bewegen sich Figuren wie Leonardt Kreuthner längst jenseits des Erlaubten – und das als Polizist. Aber man sympathisiert mit ihnen, weil sie es im Grunde immer gut meinen. Föhr ist ein exzellenter Menschenkenner und -beobachter: Figuren wie den eigenwilligen Kreuthner kennt man als Leser zu genüge aus dem eigenen Alltag: scheinbar von Hybris strotzende, aber letztendlich nur nach Anerkennung lechzende Menschen, die im Grunde liebenswürdige Charaktere sind.

Der etwas andere Krimi

Gewaltorgien, wilde Verfolgungsjagden oder bestialische Mörder sucht man in den Romanen des in Wasserburg lebenden Autors vergeblich. Die Kreuther-Wallner-Reihe ist deswegen aber nicht weniger spannend. Die Handlung ist klug aufgebaut und birgt die ein oder andere Überraschung. So aberwitzig der Handlungsstrang um Leonhardt Kreuthner und Wallners Großvater Manfred, der diesmal als Freiherr auftritt, oftmals ist, so fesselnd und spannungsreich ist die Suche Wallners und seines Teams nach dem Täter.

Neu dabei ist die Polizeiinspektorin und Ministerialjuristin Karla Tiedemann. Auch wenn sie eigentlich mit den polizeilichen Ermittlungen wenig zu tun hat und ihr überwiegend administrative Aufgaben obliegen, kommt sie Wallner immer wieder mit ihrem selbstbestimmten Auftreten in die Quere. Ihr scheint ebenso viel an der eigenen Karriere zu liegen wie an der Gerechtigkeit. Sie ist aber auch wegen ihres selbstsicheren, oftmals ironischen Auftretens ein belebendes Element und sorgt für frischen Wind bei der Kripo Miesbach.

Wunderbarer Erzählstil

Es gibt nur wenige Autoren, denen es gilt, die richtige Balance zwischen schwarzhumorigen Episoden und der nötigen Spannung zu halten. Andreas Föhr schafft dies mit einer Leichtigkeit, die man ansonsten nur vom Österreicher Thomas Raab (u.a. Adrian-Metzger-Reihe) kennt. Sein großes Sprachtalent zeigt sich vor allem bei Föhrs teils feinsinnigen, bisweilen bissigen, aber stets skurrilen Humor mit hintersinnigen Pointen. Die gesamte Reihe hebt sich deutlich von so genannten Regionalkrimis ab, die nur mit stereotypen Figuren in ländlicher Idylle und mit viel Lokalkolorit auftrumpfen können und dadurch schnell austauschbar werden. Dies liegt auch daran, dass die Handlung in den Romanen Föhrs niemals Beiwerk ist, sondern stets einen ernsten Grundton besitzt.

Fazit

Andreas Föhr ist einfach eine Ausnahmeerscheinung. Man kann seine Kriminalromane blind kaufen. Spannung, unterhaltsame, mitunter skurrile Figuren, ein tiefgründiges Thema und ein interessanter Plot sind garantiert. Föhr beweist mit „Herzschuss“ erneut, warum er seit über zehn Jahren zu den besten deutschsprachigen Kriminalschriftstellern gehört.

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