Totensonntag

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer Knaur, 2013, Seiten: 400, Originalsprache

Couch-Wertung:

80°
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Andreas Kurth
Späte Sühne wird geschickt eingefädelt

Rezension von Andreas Kurth Mai 2013

Eine Reise in die Vergangenheit präsentiert Andreas Föhr seinen Lesern im jüngsten Roman um den Ermittler aus dem Tal am Tegernsee. Kommissar Wallner ist noch ein 23-jähriger "Polizei-Frischling", und gerät gleich in einen verzwickten und turbulenten Fall. Er ist bei einer speziellen Veranstaltung auf einer Alm. Dort werden die Vorräte ausgetrunken. Das will sich auch der ebenfalls noch junge Leo Kreuthner nicht entgehen lassen. Vorschriftswidrig ist er mit einem Untersuchungshäftling ebenfalls dort. Der Kleinkriminelle verliert die Nerven und nimmt eine Geisel. Wallner bietet sich im Austausch an, auf der Gondelfahrt ins Tal lässt sich der betagte Häftling über Bord fallen. Wallner findet den Mann bevor dieser stirbt und erfährt, dass unter der Kapelle St. Veit in Dürnbach eine Leiche in einem gläsernen Sarg liegt. Die Leiche liegt dort seit Kriegsende, und die Ermittler wollen nun klären, warum sich der Mann für deren Tod verantwortlich fühlte. Ihre Nachforschungen führen Wallner und seine Kollegen in die letzten Kriegstage im Mai 1945. Einige der damals beteiligten Personen leben noch, aber trotzdem gestaltet sich die Lösung des Falles als überaus schwierig. Die Ermittler stoßen auf erhebliche Widerstände, es gibt weitere Tote – und ein mehr als überraschendes Ende.

Doppel-Blick in die Vergangenheit

Andreas Föhr hat in seinem Roman Totensonntag einen doppelten Blick in die Vergangenheit gewagt. Einerseits in die Vergangenheit seines geschätzten Protogonisten, andererseits in die deutsche Vergangenheit. Beides ist ihm hervorragend gelungen. Der Leser lernt den jungen Wallner kennen, der schon einige Eigenheiten zeigt, vor allem in seiner Ermittlungsarbeit. Und auch die Vorgeschichte seiner Familie, vor allem sein spezielles Verhältnis zu seinem Großvater Manfred, wird hier in aller Ausführlichkeit ausgebreitet. Für das Verständnis der späteren Arbeit des sympathischen Kommissars nicht unwichtig. Aber der Roman dürfte nicht nur eingefleischten Föhr-Fans gefallen, sondern hat auch sonst etwas zu bieten.

Ein guter Geschichtenerzähler

Der Plot ist durchdacht, und hält so einige Überraschungen bereit. Er musste auch in das Jahr 1992 verlegt werden, weil es sonst schwierig geworden wäre, Beteiligte der Ereignisse aus den letzten Kriegstagen noch im richtigen Alter oder überhaupt zu präsentieren. Andreas Föhr zeigt sich einmal mehr als guter Geschichtenerzähler, der die Leser mit seinem Schreibstil zu fesseln vermag. Die Zeitsprünge sind moderat, und man ist den Ermittlern mit dem Wissen stets etwas voraus. Um die Aufklärung von Verbrechen aus den letzten Kriegstagen plausibel darzustellen, muss der Autor einige Kunstgriffe einbauen, die er allerdings überaus geschickt in seine Erzählung eingebaut hat. Hier darf nicht zu viel verraten werden, aber einige Ermittlungsergebnisse kommen doch höchst überraschend zustande, ohne dass die Geschichte dadurch an Glaubwürdigkeit verliert.

Kreuthner sorgt für Auflockerungen

In gewohnter Weise kombiniert Andreas Föhr spannende Abschnitte mit wirklich hervorragender Situationskomik. Er ist dabei jedoch nie in Gefahr, aus seinem Roman eine Kriminalkomödie zu machen. Dafür ist die gesamte Geschichte zu ernst und in bestimmten Abschnitten auch zu dramatisch. Aber Figuren wie Leo Kreuthner sorgen immer wieder für herrliche Auflockerungen, denn für seine unkonventionelle Art lernt der Leser diesen Polizisten schnell schätzen. Und er ist dabei das perfekte Pendant zum eher ernsthaften und zuweilen sturen Wallner. Der ist für sein Alter allerdings schon sehr reif, was ihm in der aufkeimenden Beziehung zur zehn Jahre älteren Staatsanwältin Claudia Lucas zuweilen im Wege steht. Sie ist auch noch die Tochter seines Vorgesetzten, was die Sache zusätzlich schwierig macht.

Die Geschichte aus Wallners Anfängen bei der Polizei in Miesbach ist eine hervorragende Ergänzung der Reihe, aber auch für Neueinsteiger geeignet. Ob man nun mit diesem Buch beginnen sollte, wenn man in die Wallner-Reihe einsteigen will, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Die Romane um die Truppe aus dem Tegernsee-Tal sind alle auch für sich verständlich, gut lesbar und immer wieder enorm spannend. Totensonntag überrascht zudem mit einem zumindest von mir nie und nimmer erwarteten Finale – ein ganz besonderes Schmankerl.

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