Schwarze Piste

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: audio media, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Michael Schwarzmaier
  • München: Knaur, 2013, Originalsprache

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Andreas Kurth
Leichen-Leo und die Rote Armee Fraktion

Rezension von Andreas Kurth Jun 2012

Leonhard Kreuthner ist zwar nur Streifenpolizist, aber von seinen Kollegen wird er gerne mal "Leichen-Leo" genannt. Er hat die seltsame Gabe, hier und da getötete Menschen zu finden. Kreuthner ist auch nicht unbedingt für das Beachten von Vorschriften bekannt. So macht ihm der Wunsch seines verstorbenen Onkels, Leo möge dessen Asche auf dem Wallberg verstreuen, keinerlei Kopfzerbrechen. Bei seiner illegalen Aktion lernt er eine junge Frau kennen, und in seinem üblichen Imponiergehabe bringt er Daniela dazu, mit ihm die verbotene "schwarze Piste" hinunter zu brettern. Und wieder einmal stolpert Kreuthner über eine Leiche. Daniela ist keine begnadete Skifahrerin, die beide verfahren sich, und auf einer kleinen Lichtung finden sie die gefrorene Leiche einer Frau – die sich später als Danielas Schwester entpuppt. Die Polizei geht der Frage Mord oder Selbstmord nach, und kurz darauf wird ein zweiter Toter auf der gleichen Bank gefunden. Kommissar Wallner und sein Team, Kreuthner gehört nicht dazu, beginnen zu Ermitteln. Leichen-Leo lässt sich natürlich nicht von eigenen Nachforschungen abhalten, und so entwickelt sich ein überaus verzwickter Fall, in dem es offenbar auch politische Hintergründe gibt.

Mit seinen bajuwarischen Polizisten hat Andreas Föhr eine wahrlich illustre Ermittler-Truppe ins literarische Rennen geschickt. Auch in "Schwarze Piste" präsentiert der Autor wieder die hervorragend austarierte Mischung zwischen Spannung und komödiantischer Unterhaltung, zwischen seriöser Polizeiarbeit und dem ewigen "laissez faire" der bajuwarischen Provinzbullen. Dabei hat Föhr einen Plot entworfen, der es durchaus in sich hat. Die rätselhaften Morde führen die Ermittler nach einigen Mühen immerhin in durchaus erlauchte Wirtschaftskreise – und in der rückwärtsgewandten Perspektive in den Dunstkreis der RAF. Der Terror-Zirkel hat einst die gesamte Polizei der Bundesrepublik in Atem gehalten. Und versammelte um sich herum einen Kranz von Satelliten in Form von handverlesenen direkten und eher unwissenden indirekten Unterstützern. Die im Roman in dieser Richtung ausgebreiteten Szenarien wirken gut recherchiert und auch durchaus glaubhaft. Wie viele frühere Mitstreiter aus linken Zirkeln mittlerweile in bürgerlichen Existenzen gelandet sind und durchaus einflussreiche Positionen erklommen haben, lässt sich nämlich nicht einmal grob schätzen.

Es ist bei dieser Roman-Reihe  mitunter nicht ganz leicht zu bestimmen, ob Wallner die Hauptfigur der Erzählung ist – oder eben doch Leonhardt Kreuthner. Der Streifenpolizist ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Protagonist. Irgendwie hat er eine kriminalistische Spürnase, hier und da kommt ihm allerdings auch der Zufall zu Hilfe. Andreas Föhr verpackt solche Momente jedoch relativ geschickt, und so leidet der Realitätsgrad eher selten und kaum fühlbar – jedenfalls in meinen Augen. Leichen-Leo gibt sich jedenfalls nicht mit Halbheiten zufrieden, wenn er es krachen lässt, dann richtig. Das gilt bei Streitereien, beim Zocken, im Dienst, und auch in seinem Liebesleben, wo er sich gerne mal vergaloppiert. Mit Leib und Seele ist Kreuthner bei der Polizei, allerdings hat er eben Probleme mit Hierarchien und Zuständigkeiten. Mitunter würde er wohl die Dienststelle am liebsten selbst leiten, aber dafür hat es ihm in früheren Zeiten offenbar an Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen gefehlt.

Aber auch der seriöse Part ist gut besetzt. Wallner ist ein ganz anderer Polizist als Kreuthner, kompetent, durchaus sympathisch, gegenüber Leos Alleingängen zuweilen hilflos, aber immer ein Teamplayer.

Dem Autor gelingt es auch in diesem Roman wieder, die humoristischen oder gar folkloristischen Anklänge in seiner Geschichte so gut zu dosieren, dass es nicht in Klamauk oder eine Kriminalkomödie umschlägt. Dennoch hat seine augenzwinkernde Interpretation der bajuwarischen Polizeiarbeit einen hohen Unterhaltungswert. Ach ja, und spannend ist der Roman auch noch. Insgesamt  ist das Buch die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende.

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